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Europa

Terror in der U-Bahn

Bei einem Bombenanschlag auf eine voll besetzte U-Bahn in Moskau sind zahlreiche Menschen getötet worden. Für Präsident Putin stand sofort fest, wer die Hintermänner des Attentats sind.

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Entsetzen in Moskau

Wladimir Putin machte in ersten Äußerungen tschetschenische Untergrundkämpfer für die Tat verantwortlich. Er kündigte die "Vernichtung" der "Terroristen" an. Sie seien die "Pest des 21. Jahrhunderts", sagte Putin am Freitag (6.2.2004). Russland-Experte Uwe Halbach von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin warnte im Gespräch mit DW-WORLD dagegen davor, den Anschlag voreilig tschetschenischen Terroristen zuzuschreiben. Auf jeden Fall sei klar, dass die "Scheinbefriedung in Tschetschenien" zu keiner Verbesserung der Lage geführt habe. Die internationale Gemeinschaft müsse sich unbedingt einmischen, um Russland zu einer ernsthaften politischen Lösung des Problems zu bewegen, sagte Halbach.

Putin: keine Verhandlungen

Präsident Putin beschwor auch diesmal die gleiche harte Haltung wie bei ähnlichen Anschlägen in der Vergangenheit. Er wisse "mit Sicherheit, dass Maschadow und seine Banditen mit diesem Terror zu tun haben". Seine Regierung werde sich nicht unter Druck setzen lassen: "Russland verhandelt nicht mit Terroristen, es vernichtet sie." Maschadows Vertrauter Achmed Sakajew wies eine Verwicklung zurück und verurteilte den Anschlag.

Explosion in Moskauer U-Bahn Sanitäter

Rettungskräfte in Moskau

Zum Zeitpunkt der Explosion hielten sich bis zu 1500 Fahrgäste in der Untergrundbahn auf. Die Bombe war im zweiten Wagen einer U-Bahn detoniert, kurz nachdem der Zug die Station Awtosawodskaja im Südosten Moskaus verlassen hatte, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Druckwelle ließ Fenster in den übrigen Wagen bersten. Ein starkes Feuer brach aus, Rauch nebelte den Tunnel ein. Die Bombe hatte offiziellen Angaben zufolge eine Sprengkraft von fünf Kilogramm TNT. Mit ihr soll sich der Täter oder die Täterin die Luft gesprengt haben.

"Sehr viele Verletzte"

In einigen Wagen brach nach der Explosion Panik aus. "Viele Schreie waren zu hören", berichtete eine etwa 40-jährige Frau mit blutverschmiertem Gesicht im russischen Fernsehen. "Wir konnten lange Zeit nicht die Türen öffnen und sind später über die Gleise weggelaufen. Ich habe sehr viele Verletzte gesehen", sagte die Frau. Rettungskräfte bargen im Tagesverlauf 25 Tote sowie 33 Körperteile aus dem völlig zerstörten Waggon."Die meisten Patienten haben Verbrennungen, Knochenbrüche und Schnittwunden", teilte ein Arzt des 36. Moskauer Krankenhauses mit.

Serie von Anschlägen

Das Phantombild eines Mannes hält ein Polizist nach dem verheerenden Terroranschlag am 6.2.2004 auf einen voll besetzten U-Bahn-Zug nahe der Metrostation Pawelezkaja in Moskau in die Kamera des Fernse

Moskaus Polizei sucht mit diesem Phantombild nach einem Terroristen

Die Explosion ereignete sich gut einen Monat vor der Präsidentschaftswahl in Russland, bei der Amtsinhaber Wladimir Putin als haushoher Favorit gilt. Erst am 9. Dezember 2003 hatte sich nach der russischen Parlamentswahl eine Selbstmordattentäterin in direkter Nähe der Staatsduma in die Luft gesprengt und fünf Menschen mit in den Tod gerissen. Wenige Tage zuvor waren bei einem Attentat auf einen Pendlerzug im Süden Russlands mehr als vierzig Menschen ums Leben gekommen. In beiden Fällen vermuteten die russischen Behörden tschetschenische Rebellen als Drahtzieher. (hh)

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