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Politik

Terror im Touristenparadies

Die Hinweise auf einen Terrorakt bei der Explosion auf der Insel Djerba verdichten sich. Bei dem Anschlag auf die jüdische La-Ghriba-Synagoge am 11. April waren 15 Menschen ums Leben gekommen, darunter elf Deutsche.

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Innenansicht der Ghriba-Synagoge nach der Katastrophe

Die neuesten Erkenntnisse beruhen nicht nur auf Zeugenaussagen, sondern auch auf Sachbeweisen. Es gebe immer mehr Hinweise, dass es ein Attentat war, bestätigte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD). Mittlerweile hält die Bundesanwaltschaft eine Beteiligung des El-Kaida-Netzwerks für möglich. Und: Sie geht davon aus, dass der Fahrer des mit Gasflaschen beladenen Kleinlasters der Attentäter war. Er soll die Flaschen, die insgesamt vier Explosionen ausgelöst haben, bei libyschen Schmugglern gekauft haben.

Anruf in Deutschland

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hat der mutmaßliche Attentäter eineinhalb Stunden vor der Explosion mit seinem deutschen Freund aus Mülheim telefoniert und diesem erzählt, er brauche nur noch den Befehl. Das Blatt beruft sich auf das Protokoll eines von deutschen Sicherheitsbehörden abgehörten Telefongesprächs.

Bei dem Anrufer handele es sich nach Feststellung deutscher Ermittler mit hoher Wahrscheinlichkeit um Nizar Ben Mohamed Nawar. Der Tatverdächtige war früher in der französischen Stadt Lyon ansässig. Er ist auch der Unterzeichner eines Bekennerschreibens, das bei einer arabischen Zeitung in London eingegangen ist. In diesem Schreiben bezichtigt sich eine Gruppe mit dem Namen "Islamische Armee für die Befreiung der Heiligen Stätten" des Anschlags.

Nawar rief den Mülheimer Michael Christian G. an. Der zum Islam konvertierte Deutsche soll schon seit langem in Kontakt mit radikalen Muslimen stehen. Nach Feststellungen des Düsseldorfer Landeskriminalamtes soll er sich häufig in Pakistan und einmal in einem Lager in Afghanistan aufgehalten haben. Ihm wurde Kontakt zu dem früher in Duisburg lebenden Mouhamedou Ould Slehi nachgewiesen, dem die US-Behörden Verbindungen zur El Kaida vorwerfen.

Unfallversion versus Augenzeugenbericht

Synagoge Djerba Explosion

Auch Tunesien rückt nun offiziell von seiner Unfalltheorie ab. Tunesische Regierungsstellen und die Medien des Landes hatten anfangs keinen Zweifel daran gelassen, dass es sich aus ihrer Sicht um einen Unfall gehandelt habe. Irritationen hatten in Deutschland die schnellen Instandsetzungsarbeiten an der beschädigten Synagoge ausgelöst. Dadurch wurde die Spurensicherung erheblich erschwert. Und: Die tunesischen Versionen zum Hergang des Geschehens hatten sich in den ersten Tagen nach der Katastrophe fast stündlich geändert. Dies nährte das Misstrauen.

Schily will am kommenden Wochenende persönlich nach Tunesien reisen, um vor Ort mit dem tunesischen Staatspräsidenten Zine el Abidine Ben Ali zu sprechen und sich über den aktuellen Stand der Ermittlungen zu informieren. Sieben Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) sind inzwischen auf der Ferieninsel. Sie sind zwar nicht befugt, in Eigenregie zu ermitteln, tragen aber in Kooperation mit den Behörden Informationen zusammen. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten spricht Schily inzwischen von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Diese verläuft aber offensichtlich nicht auf allen Ebenen reibungslos. So hatte der tunesische Botschafter in Deutschland seine Teilnahme an einer Sitzung des Bundestagsausschusses für Tourismus am vergangenen Dienstag fest zugesagt – ließ sich dann aber kurzfristig entschuldigen.

Drohbrief an die deutsche Botschaft

Am 2. Januar 2002 war ein Drohbrief bei der deutschen Botschaft in Tunis eingegangen. Innenminister Schily nahm jetzt die deutschen Sicherheitsbehörden wegen ihres Umganges mit jenem anonymen Brief aus Tunesien in Schutz. Das Schreiben enthalte "keinen Hinweis auf das schreckliche Ereignis in Djerba". Auch das BKA erklärte, zwischen der Explosion auf Djerba und dem Schreiben mit der Einleitung "von El Kaida Abteilung Tunesien" bestehe nach heutiger Bewertung kein Zusammenhang. Die Behörden hätten den Brief seinerzeit sorgfältig analysiert. Deshalb verwahre er sich gegen Versuche, die Sicherheitsinstitutionen in Misskredit zu bringen: "Ich muss mich schützend vor meine Beamten stellen."

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