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Nahost

Terror im Jemen

Kaum hatten sich Schiiten und Sunniten auf die Bildung einer neuen Regierung geeinigt, fiel einer der bedeutendsten Vermittler des Jemens einem Terroranschlag zum Opfer. Die Stabilität des Landes ist nun weiter bedroht.

Mohammed Abdel Malek al-Mutawakel hatte sich für den Frieden im Jemen eingesetzt. Darum musste er sterben. Denn der Politiker bekleidete kein Amt in der Ende September gebildeten Regierung. Ebenso wenig sprach dafür, dass er in der neuen Regierung vertreten sein würde, auf deren Bildung sich die Konfliktparteien am Wochenende in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa geeinigt hatten. Aber er war der Wegbereiter der nun erzielten Einigung.

In den vergangenen Wochen hatte Al-Mutawakel zwischen den schiitischen

Huthi-Rebellen

auf der einen und der sunnitisch dominierten Zentralregierung auf der anderen Seite vermittelt. Und zwar so erfolgreich, dass sich beide Gruppen an einen Tisch setzten und darauf einigten, das Land einer neuen Regierung anzuvertrauen. Die, so hatten es die Unterhändler vorgesehen, sollte vor allem das nationale Wohl und die Belange seiner Menschen in den Blick nehmen. Genau dieses Ansinnen ist Al-Mutawakel nun zum Verhängnis geworden. Denn seinen Mördern ging es darum, den Friedensprozess zu torpedieren.

Anschlag auf nationalen Frieden

Das Attentat, schreibt Omar al-Saleh, Jemen-Korrespondent von "Al-Jazeera", werde die Spannungen in dem Land darum weiter anheizen. "Der Mord an Mutawakel wird im Jemen als Anschlag auf den Durchbruch angesehen, der mit der Regierungsbildung erzielt worden ist", schreibt al-Saleh. "Mutawakel galt als Bindeglied zwischen den beiden verfeindeten Parteien."

Screenshot der Facebookseite des jemenitischen Politikers Muhammad Abdul-Malik al-Mutawakkil

Der ermordete Politiker Al-Mutawakel auf seiner Facebook-Seite

Kurz nach den Schüssen in der Hauptstadt kam es in der am Roten Meer gelegenen Stadt Hudeida zu einem weiteren tödlichen Angriff: Bei einem Anschlag auf einen Militärposten wurden 18 Soldaten getötet, 15 weitere entführt. Der Angriff wird Milizen der Terrortruppe Al-Kaida zugerechnet.

Beide Anschläge gelten als gezielte Angriffe auf die kurz zuvor erreichte Einigung. Radikale gibt es auf beiden Seiten. Und beide lehnen den am Wochenende erzielten Kompromis ab.

Ungleiche Verhältnisse zwischen Norden und Süden

Die

Spannungen im Jemen

gehen im wesentlichen auf die ungleiche wirtschaftliche Situation im Norden und Süden des Landes zurück. Bis zur Revolution des Jahres 1962 hatten schiitische Monarchen das Land beherrscht. Nach dem Sturz der Monarchie kamen die Sunniten an die Macht. Seitdem investierte der Staat wenig in die nördlichen Regionen. Auch während der Teilung des Landes blieben sie wenig entwickelt. Seit dem arabischen Revolutionsjahr 2011 kämpfen die Huthis darum für eine Verbesserung ihrer Lage.

Selbstmordanschlag in Sanaa, 9.10.2014 (Foto: Reuters)

Umkämpfte Stadt: Anschlag in Sanaa

Doch es gibt unter den Huthis auch ideologisch motivierte Kräfte. Sie richten sich vor allem gegen die im Parlament vertretene Islah-Partei. Diese setzt sich zu großen Teil aus dem jemenitischen Ableger der Muslimbrüder wie auch einer starken salafistischen Strömung zusammen, also zwei sunnitischen Varianten des radikalen Islam.

Der sunnitische Süden verfügt über Rohstoffe und ist vergleichsweise wohlhabend. Doch kommen die Einnahmen überwiegend der Hauptstadt Sanaa zugute. Das sorgt für Unmut unter der Bevölkerung auch der südlichen Landesteile.

Diesen Umstand macht sich die Terrororganisation

Al-Kaida

zunutze, um die Bevölkerung des Südens gegen die Regierung in Sanaa aufzubringen. Diese Unruhen dürften zu ganz konkreten Zwecken geschürt werden, vermutet Ariela Grosse, Leiterin des Regionalbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Sanaa: "Es gibt viele Anzeichen dafür, dass Al-Kaida Verbindungen zu Personen des alten Regimes hat. Darüber kann Al-Kaida den politischen Übergangsprozess auch ganz erheblich stören."

Die konfessionellen Motive der Auseinandersetzung versuchen wiederum die beiden großen rivalisierenden Regionalmächte, das sunnitisch dominierte Saudi-Arabien auf der einen und der schiitisch gelenkte Iran, für ihre Interessen auszunutzen.

Anti-Huthi-Demonstration gegen in Sanaa, 28.09.2014 (Foto: AFP)

Anti-Huthi-Demonstration gegen in Sanaa

Huthis dringen weiter vor

In den letzten Monaten hatten die Huthis ihre Macht erheblich ausgeweitet. Nachdem sie bereits weite Teile des Nordens wie auch die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht haben, versuchen radikale Kräfte nun, ihre Herrscht auf weitere Regionen auszudehnen. So erklärte ein Sprecher der im Südosten des Landes gelegenen Provinz Hudaida, dass sich die Bewohner vom Ansturm der Huthis bedroht fühlten. "Die Huthis wollen die Region wegen ihrer strategisch günstigen Lage am Roten Meer übernehmen", zitiert die Zeitung "Sharq al-Awsat" den Provinzsprecher.

Das versuchen die Mitgliedsstaaten des Golf-Kooperationsrats (Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Oman) zu verhindern. Sie riefen die Huthis dazu auf, "ihren Übergriff auf verschiedene Landesteile einzustellen und alle erbeuteten Waffen und Ausrüstungsgegenstände an den Staat zurückzugeben."

Gefahr eines scheiternden Staates

Die komplexen Konflikte des Landes hatte Mohammed Abdel Malek al-Mutawakels durch seine Vermittlungsarbeit zu überwinden versucht. Seine Ermordung ist darum ein herber Rückschlag für die mit der Einigung verbundene Befriedung des Landes.

Der Mord könnte zudem Auswirkungen über den Jemen hinaus haben. Denn anders als seine Nachbarn ist dieser kein Königreich, Emirat oder Sultanat. An seiner Spitze steht vielmehr ein gewählter Präsident. Scheitert der Jemen, kippt auch ein weiterer der kleinen republikanischen Bausteine in der Region.

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