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Kultur

Terror im Depot

Das Wort "Kursexplosion" könnte bald eine neue Bedeutung bekommen: Nach US-Zeitungsberichten plant das Pentagon eine Internet-Börse, an der auch Voraussagen über Terroraktionen gehandelt werden können.

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Geld verdienen mit schlechten Nachrichten

Die Handelsplattform mit dem offiziellen Namen „Politikanalysen-Markt“ (PAM) soll angeblich am 1. Oktober 2003 starten. Spekulanten könnten via Internet auf das Eintreten von Ereignissen im Nahen Osten wetten - auch auf Terroranschläge, so die "Washington Post". Das US-Verteidigungministerium erhoffe sich von der Online-Börse wichtige Aufschlüsse, die zur Verhinderung von Gewaltaktionen beitragen sollen.

Optionsgeschäfte

Die Börse soll ähnlich funktionieren wie Aktien- oder Rohstoff-Termingeschäfte. Spekulanten können Voraussagen ankaufen und verkaufen. Das heißt, wer etwa an einen bevorstehenden Terrorakt mit einer Autobombe glaubt, steigt ein und kassiert, wenn diese Voraussage eintrifft. Wer das Ereignis eher für unwahrscheinlich hält, wird versuchen, zu verkaufen. Die Zahl der Spekulanten solle zunächst auf 1000 begrenzt und dann auf mindestens 10.000 ausgeweitet werden, so die „Washington Post“.

Auf einer inzwischen wieder eingestellten Test-Website soll es keine Hinweise darauf gegeben haben, um wie viel Geld es bei den Spekulationen gehen dürfte. Es hieß jedoch, dass sich die Investoren durch die Aussicht auf Profit bemühen würden, möglichst genaue Voraussagen zu machen.

„Schlicht dumm“

Nach Angaben der „Washington Post“ hat das Verteidigungsministerium für das Projekt schon 600 000 Dollar ausgegeben. Ausgearbeitet wurde das Programm von einer Pentagonabteilung unter Leitung von John Poindexter. Der pensionierte Admiral ist kein Unbekannter: Er gilt als eine Schlüsselfigur in der Iran-Contra-Affäre in den achtziger Jahren.

Der Plan für die Terrorbörse wurde den Berichten zufolge von zwei Senatoren enthüllt, die das Programm als „moralisch verabscheuungswürdig“ und „schlicht dumm“ kritisierten. Einer der beiden Politiker, Byran Dornan, sagte, das Vorhaben sei so absurd, dass er Probleme habe, „die Leute davon zu überzeugen, dass es sich nicht um einen Scherz handelt“. Medienberichten zufolge verweisen die Pentagon-Organisatoren darauf, dass sich derartige Systeme in der Vergangenheit etwa bei der Einschätzung der Entwicklung auf dem Ölmarkt bewährt hätten. (hh)