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Politik

Terror hat keine bestimmte Religion

Neue Bombenanschläge in London werfen erneut die Frage auf, wie man Terror in Zukunft verhindern kann. Polizeimaßnahmen alleine reichen nicht aus - Ursachenbekämpfung muss eine ganz entscheidende Rolle spielen.

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Peter Philipp

Je häufiger die Terroristen zuschlagen, desto näher kommen sie ihrem Ziel: Denn man muss nicht Dutzende oder Hunderte Menschen umbringen, um Tausende zu terrorisieren. Dies könnte das Kalkül derer gewesen sein, die zwei Wochen nach den Anschlägen von London kleine Sprengladungen - vielleicht auch Zünder - in U-Bahnen und in einem Bus zur Detonation brachten. Trotzdem sind die Täter von jetzt nicht weniger als Terroristen zu brandmarken als die Täter der ersten Anschläge. Das gilt auch, wenn sich herausstellen sollte, dass diesmal Psychopathen am Werk waren, die - wie so oft bei aufsehenserregenden Verbrechen - Befriedigung in der Nachahmung finden.

Nicht alle Muslime in eine Schublade stecken

Die Motive sind letztlich egal: Wer Bomben legt und unschuldige Zivilisten umbringt oder auch nur gefährdet oder in Panik versetzt, der verdient es nicht, an den Auswirkungen seiner Tat gemessen zu werden. Terror ist Terror - ungeachtet der Anzahl der Opfer. Und wer sich dem Terrorismus verschreibt, der hat seine Mitgliedschaft in der menschlichen Gesellschaft aufgekündigt. Und jede Sympathie für ihn oder jedes entgegenkommende Verständnis sind fehl am Platz. Dies gilt für Terrorismus in London ebenso wie in Bagdad, in Istanbul, Bali oder auch Jerusalem. Der Terrorismus kann und darf nicht unterschieden werden. Er hat keine bestimmte Hautfarbe, keinen bestimmten Pass und - das ist besonders wichtig: auch keine bestimmte Religion. Zwar trifft es zu, dass in letzter Zeit die meisten Terrorakte auf das Konto radikaler Muslime gehen. Das war aber zum einen nicht immer so. Und zum anderen macht das noch lange nicht jeden Muslim zum potenziellen Terroristen.

Terror muss an seiner Wurzel bekämpft werden

Was aber tun? Mit Polizeimaßnahmen allein wird man und kann man dem Unwesen nicht beikommen. Die Täter müssen verfolgt und bestraft werden, auch ihre Hintermänner und die Demagogen, die sie zu solchen Taten aufhetzen. Gleichzeitig müssen aber auch die Ursachen ergründet werden, warum die Täter für solche Demagogie empfänglich sind. Sollte es daran liegen, dass sie als Minderheit in unserer Gesellschaft diskriminiert und ignoriert werden, dann muss das geändert werden. Eine demokratische Gesellschaft, die diskriminiert und ausschließt, disqualifiziert sich selbst, weil sie gegen die eigenen Grundsätze verstößt. Und "Gesellschaft" - das muss festgehalten werden - das ist nicht nur die Mehrheit im Lande, sondern das ist die Gemeinschaft aller Rechtschaffenen: Mehrheit wie Minderheiten. Sie alle sind vom Terrorismus betroffen und sie alle sind aufgefordert, dagegen anzugehen. Nicht indem die einen die anderen verdächtigen und kontrollieren, sondern indem alle gemeinsam den Terrorismus an seiner Wurzel bekämpfen. Erst dann werden Bürger aller Herkunft wieder einigermaßen in Ruhe ihrem Alltag nachgehen können.

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