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Asien

Terror-Botschaft der Taliban zum Neujahr

Attentäter der Taliban haben in einem Kabuler Luxushotel mindestens neun Gäste, darunter Ausländer und Kinder, getötet. Wie die Bewaffneten in den angeblich hoch gesicherten Bereich gelangen konnten, ist unklar.

Die Attentäter hatten sich ihr Ziel mit Bedacht ausgewählt: Zahlreiche Gäste waren im Kabuler Luxushotel "Serena" versammelt, um das afghanische Neujahr zu feiern. Man wollte das neue Jahr im Kreis von Freunden und Familie feierlich begrüßen. An diesem Donnerstagabend (20.03.2014) wollten die Angreifer aber genau das nicht zulassen, als sie einen der angeblich sichersten Orte Afghanistans attackierten.

Die vier jungen Attentäter hätten alle Sicherheitskontrollen mit der Begründung passiert, sie kämen zum Abendessen, sagt General Mohammad Ayub Salangi, stellvertretender Sicherheitsminister im Innenministerium und ehemaliger Kabuler Polizeichef. "Sie waren bewaffnet und hatten kleine Pistolen in ihren Schuhen und Socken versteckt. Als sie das Restaurant des Hotels betraten, zogen sie ihre Waffen und eröffneten das Feuer auf die Gäste."

Attentatsserie vor den Wahlen

Sicherheitskräfte am Tatort: Explosion in einem Kabuler Lokal (Foto:JOHANNES EISELE AFP/Getty Images)

Nach dem Selbstmordanschlag auf ein beliebtes Lokal in Kabul im Januar

Es ist der zweite große Angriff auf einen von Ausländern häufig aufgesuchten Ort in diesem Jahr. Ein libanesisches Restaurant in Kabul wurde im Januar angegriffen, es gab zahlreiche Tote. Vor einigen Tagen wurde ein schwedischer Journalist auf offener Straße in Kabul erschossen. Die Taliban wollen mit ihren Anschlägen vor allem eins deutlich machen: Sie meinen es ernst. Angesichts der kommenden Präsidentschaftswahlen am 5. April drohten sie mit Anschlägen, um die Wahlen zu sabotieren. Ziel sei dabei alles und jeder, der sich an den Wahlen beteiligt. Die Taliban akzeptieren die Präsidentschaftswahlen nach eigener Darstellung nicht, weil sie die Wahlen als von den USA bewerkstelligten Eingriff ansehen. Die Wahlen seien manipuliert und hätten somit keine Gültigkeit.

Viele Experten befürchten, dass weitere Anschläge in den nächsten Wochen folgen werden. Das heiße aber nicht unbedingt, dass die Taliban stärker geworden seien, sagt General a.D. Mohammad Mohsen Mukhtar. Vielmehr zeige sich die

Schwäche der Regierung

und der Sicherheitskräfte. "Die afghanischen Sicherheitskräfte sind so wehrlos, weil die Taliban mittlerweile innerhalb der Armee und der Polizei Einfluss nehmen konnten und auch dort ihre Männer haben." Auch im Jahr des Abzugs der ISAF hätten die afghanische Nationalarmee und Polizei nicht die Fähigkeit, die Taliban alleine in den Griff zu bekommen.

Wer hat Schuld?

Anbringen von Wahlplakaten in Afghanistan vor der Präsidentschaftswahl (Foto:Reuters )

Im Visier der Taliban sind indirekt die kommenden Wahlen

Bei dem Anschlag auf das Serena-Hotel sieht General Salangi die Schuld jedoch nicht bei den afghanischen Sicherheitskräften: "Zwar sind die Untersuchungen bisher noch nicht abgeschlossen, aber es ist klar, dass das private Sicherheitspersonal des Hotels nicht seiner Pflicht nachgekommen ist. Dieses war für die Sicherheit verantwortlich, nicht die afghanische Polizei." Trotzdem seien die vermehrten Angriffe der Taliban in diesem Jahr besorgniserregend, sagt Mohammad Mohsen Mukhtar.

Umso wichtiger sei deshalb, die Zukunft mit der Hilfe ausländischer Verbündeter abzusichern, in erster Linie durch das Sicherheitsabkommen mit den USA. "Wer die Präsidentschaftswahlen für sich entscheidet, muss zu allererst das Abkommen unterzeichnen", so Mukhtar. "Jedoch unter der Voraussetzung, dass die USA die Bedingungen Afghanistans akzeptieren und umsetzen." Ansonsten könne auch dieses Abkommen die Sicherheit des Landes nicht verbessern", so der Ex-Armeeoffizier.

Das neue Jahr hat in Afghanistan blutig begonnen. Ebenfalls am Donnerstag wurden in Dschalalabad mehrere Polizisten bei einem Selbstmordanschlag getötet. Am Freitag (21.03.2014) kamen zwei Personen im südlichen Kandahar ums Leben, als eine Bombe bei einer Neujahrsfeier explodierte.

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