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Sport

Tennisaffäre: BBC nennt keine Namen

Keine Namen, keine Beweise - auch nach Ausstrahlung einer BBC-Reportage über angebliche Manipulationen im Tennis bleibt das Ausmaß der Affäre vage. Erstmals geraten die Turnier-Veranstalter in die Kritik.

Was ist dran an den Vorwürfen, die der britische Sender BBC gemeinsam mit dem Onlineportal BuzzFeed News gegen die Tennisszene erhebt? Wurden Tennisspiele verschoben? Kassierten Profis Geld dafür, dass sie absichtlich ihre Spiele verloren? Betrifft der Skandal die großen Turniere oder eher das unterklassige Tennis? Kaum ein anderes Thema beherrscht die Australian Open in diesem Jahr so sehr wie die Manipulationsvorwürfe im "weißen Sport".

Der britische Sender BBC hat seine mit Spannung erwartete Radio-Reportage inzwischen ausgestrahlt, doch mehr Licht ins Dunkel brachte sie nicht. 16 Tennisprofis aus den Top 50 sollen in den vergangenen zehn Jahren in Spielabsprachen verwickelt gewesen sein, darunter ein Grand-Slam-Sieger im Doppel. Namen wurden aber weiterhin nicht genannt, offenbar wegen der dünnen Beweislage. "Ohne Zugang zu den Telefonen, ohne Einblick in Computer und Bankverbindungen der jeweiligen Spieler ist es uns nicht möglich festzustellen, ob sie tatsächlich an Spielmanipulationen beteiligt waren", begründeten das BBC und BuzzFeed News. Die "Tennis Integrity Union", die Anti-Korruptions-Behörde des Tennis-Verbandes, kenne allerdings ebenfalls mehrere Namen.

Wettbüros sponsern Turniere

Hinter den Kulissen des prestigeträchtigen Turniers sorgen die Nachrichten für viel Aufregung. Auch die Ausrichter der sonst so fröhlichen Veranstaltung am Yarra-River geraten nun in die Kritik, denn die Australian Open werden als erstes Grand-Slam-Turnier in der Tennis-Geschichte von einem Wettbüro gesponsert. Das sei "ein wenig heuchlerisch", mahnte etwa der britische Weltranglistenzweite Andy Murray. "Spieler dürfen nicht von Wettanbietern gesponsert werden, die Turniere aber schon. Das ist ein bisschen komisch." Murray griff damit die Kritik von Titelverteidiger Novak Djokovic auf. Der Serbe hatte ebenfalls deutliche Worte gefunden: "Darüber muss man sicher diskutieren - jetzt und in der Zukunft. Es ist ein schmaler Grat. Ich würde sagen, es ist grenzwertig."

Turnier-Direktor Craig Tiley verteidigte allerdings den im Oktober 2015 getätigten Vertragsabschluss mit dem Wettanbieter. "Sie können uns sogar dabei helfen, illegale Aktivitäten besser aufzuspüren", behauptete Tiley. Murrays Landsmann Chris Kermode, Präsident der Spielerorganisation ATP, wiegelte ebenfalls ab: "Ich meine, man muss die zwei Themen trennen und sollte sie nicht vermengen. Wettfirmen als Sponsoren sind ähnlich wie Alkoholfirmen als Sponsoren. Das ist Teil der kommerziellen Welt und im Grunde nichts Unübliches", sagte Kermorde im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Fehlende Transparenz

Die aktuelle Diskussion um Sponsoringverträge verstellt jedoch nur den Blick auf die wahren Probleme der Branche, die hilflos den mutmaßlichen Betrügereien gegenübersteht. Auch die Spieler untereinander sind sich uneinig. Annika Beck sagte etwa: "Ich glaube, Topleute sind mehr betroffen, weil sie interessanter sind und größere Beträge im Spiel sind." Ihre Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic glaubt dagegen, dass vor allem kleinere Turniere, auf denen wenig Geld zu verdienen ist, betroffen sind.

Dieser Meinung ist auch Chris Eaton vom Internationalen Zentrum für Sportsicherheit (ICSS). Vor allem im unterklassigen Tennis tauchten regelmäßig große Indikatoren für Manipulationen auf, erklärte der ICSS-Direktor, der früher Sicherheitsbeauftragter beim Fußball-Weltverband FIFA war. Das sei nicht nur seiner Organisation bekannt. Zwar sei die Manipulation im Tennis weniger lukrativ als Fußball oder Cricket, aber es sei deutlich einfacher, den Betrug durchzuführen. Fest steht: Die Beweisführung ist kompliziert. Das muss auch die TIU zugeben. "Gäbe es klare Beweise, würden sie von uns natürlich veröffentlicht werden", sagte Kermode.

og/ck (mit sid, dpa, afpe)