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Europa

Tempel der Selbstgebrannten

Zagrebs standhafte Nachtschwärmer treffen sich zu später Stunde im "Cica": Die legendäre Bar mit der großen Auswahl an selbst gebrannten Schäpsen und Likören gilt als Zufluchtsort für Genießer und Philosophen.

Schnapsglas

Manchen gilt der Schnaps als "Nektar der Götter"

"Wir haben mehr als dreißig verschiedene Obstbrände und Liköre auf der Karte: Birnenwein, Nusslikör, Wermut und Honigwasser. Sliwowitz haben wir zum Beispiel aus Slawonien, aber auch aus Serbien. Johannisbrotwasser kaufen wir von Familien von der Inseln Hvar, Brač und Šipan. Und wir haben sogar fünf Arten von Honigwasser aus Istrien“, zählt Kellner Mario Petrić auf.


Gefahr für den aufrechten Gang

Hauptstraße in Zagreb, Kroatien (Ognjen Alujevic/2008)

Das "Cica" ist über die Grenzen Zagrebs bekannt

Weit und breit gibt es keine größere Auswahl an hausgemachtem Rakija, Sliwowitz und anderen Bränden. Im "Cica“ kann man sich durch alle Obstbrände des Balkans und der angrenzenden Regionen kosten. Mario Petrić arbeitet schon lange im "Cica“. Und jedes Mal, wenn er den Gästen die lange Liste der alkoholischen Gärungen herunterbetet, blickt er in verblüffte und angesichts der Fülle auch manchmal ratlose Gesichter. Aber alles zu probieren – davon rät Mario Petric mit Rücksichtnahme auf den aufrechten Gang dann doch ab.


Treffpunkt für Uni-Professoren und Stadtreiniger

Die Gäste müssen sich also auf seine Empfehlungen verlassen, so wie Dražen Ivkošić: "Meine Freunde haben mir vor kurzem von diesem Lokal erzählt. Wenn man einmal hier war, dann kommt man immer wieder, denn die Getränke sind wirklich hervorragend.“ Der Raum sei zwar etwas zu klein, vor allem im Winter, denn dann sei es besonders voll. "Aber das ist wahrscheinlich genau das, was den Charme dieses Lokals ausmacht: Die Menschen sind sich her näher als anderswo – und nach ein paar Gläsern stört es ohnehin niemanden mehr“, sagt Dražen Ivkošić. Und so rücken im "Cica“ auch die eng zusammen, die draußen nur aneinander vorbeilaufen würden: Rentner und Studenten, Uni-Professoren und Stadtreiniger. Auch nach dem fünften Gläschen Kirschwasser stottert hier noch niemand. Dafür wird das selige Lächeln auf den Gesichtern etwas breiter.


"Der Schnaps hat was Mythisches"

In der Schnapsfabrik Bretislav Vsetula in der mährischen Ortschaft Samotisky bei Olmütz prüft ein Pflaumenproduzent die Qualität des Sliwowitz, der aus seinen Früchten hergestellt worden ist

Tropfen aus der Pflaume: Ein Zwetschgenproduzent überprüft seinen Sliwowitz

Den Grund dafür sieht Mario Petric in der strengen Qualitätskontrolle, die alle Schnäpse im "Cica“ durchlaufen: "Wir kaufen die Getränke ausschließlich bei sehr vertrauenswürdigen und registrierten kleinen Familienunternehmen. Tradition und Vertrauen sind beim Schnaps das Wichtigste“, erläutert der Kellner. Dem stimmt auch "Cica“-Stammgast Sinisa Pavic zu. Nur dann entfalte der Selbstgebrannte jene mythische Wirkung, die er bei den Bewohnern Kroatiens und der Balkanhalbinsel seit jeher genieße: "Wenn man in Kroatien von Schnaps redet, dann meint man in erster Linie einen Rakija. Wir betrachten die guten Sorten als Nektar der Götter, mit dem man geboren wird und stirbt, mit dem man in Kriege zieht und Frieden feiert.“


Mit dem Rest werden Fenster geputzt

Rakija sei außerdem als Heilmittel für ein breites Spektrum von Krankheiten anzuwenden, vom Magengeschwür bis zum Schnitt in den Finger. "Und mit dem weniger guten Rakija kann man unglaublich gut und streifenfrei die Fenster putzen“, ergänzt Pavic. Da wundert es niemanden mehr, wenn die meisten Gäste das "Cica“ jeder Arztpraxis vorziehen. Gute Laune, guter Schnaps und gute Musik – das sei das beste Mittel gegen Depressionen und Langeweile. Die habe im "Cica“ ohnehin Hausverbot.

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