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Globale Zusammenarbeit

Teller statt Tonne: Essen gehört nicht in den Müll

Weltweit hungern 870 Millionen Menschen. Gleichzeitig geht ein Drittel aller Nahrungsmittel verloren. Deshalb rufen das UN-Umweltprogramm UNEP und die FAO zur Kampagne "Think, Eat, Save" auf.

Heute schon einen verschrumpelten Apfel, die Essensreste aus dem Kühlschrank oder trockenes Brot weggeworfen? Wenn ja, dann passt dieser Essensmüll in die globale Statistik über Lebensmittelverschwendung.

30 bis 40 Prozent aller produzierten Nahrungsmittel gehen verloren, beklagt der Exekutiv-Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner. Bei einem Teil davon liegt das an den fehlenden Lager- und Transportmöglichkeiten, vor allem in den Entwicklungsländern, wo die ländliche Infrastruktur sehr oft mangelhaft ist. Doch ein Teil wandert auch in die Mülltonne statt auf Tisch und Teller – vor allem in den reichen Industrieländern.

Porträt des UNEP-Direktors Achim Steiner(Foto: dpa)

UNEP-Direktor Achim Steiner fordert einen effizienteren Umgang mit Lebensmitteln

"Das ist natürlich vor dem Hintergrund der Nahrungsmittelkrise erst einmal ein Phänomen, das man nur schwer erklären kann und zum Zweiten natürlich auch ein enormes Potenzial, effizienter mit der Nahrungsmittelkette umzugehen", betont UNEP-Chef Achim Steiner im DW-Interview.

Gemeinsam mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAO, hat UNEP deshalb die Kampagne "Think, Eat, Save" gegen Lebensmittelverschwendung ins Leben gerufen. Sie stand am Weltumwelttag am Mittwoch (05.06.2013) weltweit im Fokus.

FAO untersucht Auswirkung auf Nahrungsmittelpreise

Welche Auswirkungen die weltweiten Lebensmittelverluste auf Weltmarktpreise und Nahrungsmittelsicherheit tatsächlich hätten, wüsste man allerdings nur zum Teil, sagt Robert van Otterdijk, Teamleiter der globalen Save Food-Initiative.

"Wenn in einem Produktionsprozess 20 bis 30 Prozent der Produkte verloren gehen, hat das auf jeden Fall einen negativen Einfluss auf den Preis", sagt van Otterdijk im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Was wir noch nicht wissen ist, ob es einen Einfluss auf die Lebensmittelpreise - zum Beispiel in Afrika - hat, wenn in Europa gute Lebensmittel weggeworfen werden".

Vor etwa zwei Jahren rief die FAO das Programm Save Food ins Leben. Die Initiative startete im Mai 2011 mit einem internationalen Kongress im Rahmen der Interpack-Messe in Düsseldorf. Seitdem zählt die Messe Düsseldorf zu den festen Partnern im UN-Programm Save Food und beteiligt sich auch an der "Think, Eat, Save"-Kampagne von FAO und UNEP.

"Zu gut für die Tonne"

In Deutschland wirbt die Bundesregierung bei Verbrauchern, Einzelhandel und Wirtschaft mit dem Programm "Zu gut für die Tonne" um einen anderen Umgang mit Lebensmitteln. Im Schnitt wirft ein Mensch in Deutschland pro Jahr etwa 82 Kilo Lebensmittel weg. Die meisten dieser Lebensmittel waren noch genießbar, so eine Untersuchung der Universität Stuttgart, die auf jährlich knapp 11 Millionen Tonnen Lebensmittelmüll aus Industrie, Großverbrauchern und vor allem privaten Haushalten kam. Für den einzelnen Verbraucher geht damit auch Geld verloren: Pro Kopf etwa 235 Euro im Jahr, so die von der Bundesregierung beauftragte Studie.

Mittlerweile habe jeder zweite Bundesbürger von der Initiative "Zu gut für die Tonne" gehört, so Mareike Enderle vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Städte, Kommunen, Schulen, Gastronomie, Einzelhandel und sehr viele Verbraucher seien mit konkreten Projekten an dem Bündnis beteiligt.

Die Mutter von sieben Kindern, Ronny Tobis (l), gibt in der Außenstelle der Tafel e.V. Leipzig in Schkeuditz Essenwaren an Bedürftige aus, aufgenommen am 24.03.2010. Für die Hartz IV-Empfängerin, deren Ehemann auch Hartz IV bekommt und die als ehrenamtliche Helferin bei der Tafel arbeitet, sind die Esswaren von der Tafel sehr wichtig. Ohne sie müssten die Kinder auf viele Dinge verzichten. Die Tafel e.V.Leipzig, zu der auch Schkeuditz gehört, unterstützt etwa 8740 finanziell schwache Kinder und Erwachsene. Gegenwärtig gibt es in Deutschland 860 Tafeln für Bedürftige. Foto: Waltraud Grubitzsch

Hilfe für Bedürftige statt Verschwendung: In Deutschland gibt es fast 900 Tafel-Initiativen

"Das Schöne an dieser Kampagne ist ja, dass hier alle an einem Strang ziehen - sowohl die Wirtschaft als auch die Verbraucher. Das macht letztlich auch den Erfolg dieser Initiative aus", sagt Mareike Enderle und fügt hinzu, dass der Wert der Kampagne auch in einer besseren Wertschätzung für Lebensmittel liege - nicht nur in Deutschland:

"In Lebensmitteln steckt eine Menge Arbeit, Geld und Ressourcen. Jedes Kilo, das weggeworfen wird, erhöht letztlich den Druck auf die Ressourcen und insofern ist auch ein internationaler Zusammenhang da", so Mareike Enderle.

Positive Handlungsmöglichkeiten

Das Programm "Zu gut für die Tonne" setzt da an, wo jeder Einzelne handeln kann, um den Verlust vom Acker zum Teller einzudämmen. Sowohl die Bundesregierung als auch die EU haben sich als Ziel gesetzt, bis 2020 die Menge der verwertbaren Lebensmittelabfälle zu halbieren. Deutschland- und europaweit sollen Aktionen Verbraucher, Einzelhandel und Großbetriebe motivieren und zum Nachdenken anregen. Genau da setzt auch die "Think, Eat, Save"-Kampagne von FAO, UNEP und Partnern an und zeigt positive Handlungsmöglichkeiten auf.

"Wenn man von diesen abstrakten und statistischen Größen spricht, dann ist das für den Einzelnen zwar nachvollziehbar, aber nicht gerade ermutigend im Sinne von eigenem Handeln", betont UNEP-Chef Achim Steiner. "Von daher ist dieser Slogan, also Denken, Essen, Sparen, so angedacht, dass jeder von uns sich erst einmal mit dieser Frage auseinandersetzen kann. Denn essen tun wir alle."

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