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Wirtschaft

Telekom verdirbt Laune

Verluste beim Schwergewicht Deutsche Telekom haben den Deutschen Aktienindex (DAX) am Dienstag (23. April 2002) ins Minus gezogen.

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Auch Verluste bei Versicherungswerten brachten das Barometer der Standardwerte unter Druck. Zusätzlich habe das Frühjahrsgutachten der sechs führenden Wirtschaftsinstitute Hoffnungen auf einen raschen Konjunkturaufschwung in Deutschland eher enttäuscht, sagte ein Börsianer.

Der DAX schloß rund 13 Punkte niedriger mit 5192, nachdem er sich von Tagestiefstständen erholt hatte. Auch der Neue Markt gab leicht ab: Der NEMAX 50 sank um zwei Punkte auf 885.

Die Deutsche Telekom habe mit ihrer Quartalsbilanz die Anleger enttäuscht und den DAX belastet, erklärte ein Händler die Verluste. Auch der Anstieg der ohnehin schon sehr hohen Schulden habe Druck ausgeübt. Die T-Aktie gab ein Prozent ab. Das Papier werde von einem schwachen Ausblick und von der Enttäuschung über die Informationspolitik des Unternehmens belastet, sagten Börsianer.

Die Telekom habe nicht alle vorher angekündigten Eckdaten veröffentlicht. Dies schüre die Sorge, dass zu einem späteren Zeitpunkt schlechte Nachrichten nachkämen. Nach dem erstmaligen Konzernverlust in 2001 muss sich die Deutsche Telekom in den kommenden Jahren auf eine längere Durststrecke einstellen. Durch hohe Abschreibungen auf Firmenzukäufe und die UMTS-Lizenzen werde das Unternehmen in den nächsten Jahren noch einen Fehlbetrag ausweisen, sagte Vorstandschef Ron Sommer am Dienstag bei der Bilanzvorlage in Bonn. Gleichzeitig soll sich aber das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zweistellig verbessern.

Bei Infineon wendete sich die Kursbewegung. Nach einem Kursplus von über vier Prozent im frühen Handel rutschten die Aktien des Chipherstellers um ein knappes halbes Prozent. Negativ rechneten Händler und Analysten dem Halbleiterhersteller an, dass die Münchner für das laufende Quartal und das gesamte Geschäftsjahr 2001/02 rote Zahlen prognostizieren. "Viele Anleger haben mit einem kleinen Gewinn für das Gesamtjahr gerechnet und sind jetzt enttäuscht", sagte ein Analyst.

Bayer-Papiere waren mit minus 2,7 Prozent Schlusslicht im Dax. Der Chemie- und Pharmakonzern will bis Ende 2002 entscheiden, wie die Zukunft seiner Pharmasparte aussieht. Im Pharma-Bereich sucht Bayer seit längerem nach Partnern. Der Pharma-Sparte von Bayer war 2001 nach dem Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol unter Druck geraten.

Kamps-Aktien gaben nach, als bekannt wurde, dass der Düsseldorfer Großbäcker vom italienischen Nudelhersteller Barilla übernommen wird. Nach der Einigung ist der Verbleib der Kamps-Aktie an der Börse ungewiss. "Zum Delisting der Gesellschaft kann man derzeit keine Aussage machen", sagte Unternehmenschef Heiner Kamps. Barilla hatte am Morgen sein bereits bestehendes Übernahmeangebot für die Kamps-Aktie um 50 Cent auf 12,50 Euro angehoben.

Nach Angaben des Firmengründers und Konzernlenkers Heiner Kamps sei man sich mit Barilla auch über eine grundsätzliche Strategie einig geworden. Die Zusagen bezüglich des operativen Geschäfts seien vertraglich abgesichert. Danach soll die Düsseldorfer Bäckerei als eigenständiges Unternehmen unter dem Barilla-Dach fortgeführt werden. Es werde weder eine Zerschlagung noch Betriebsstilllegungen geben. Auch der Name und der Hauptsitz Düsseldorf blieben erhalten.

Nach einer schweren juristischen Niederlage hat die Deutsche Börse den Zwangsausschluss für Billigaktien (Penny Stocks) am Neuen Markt auf Eis gelegt. Das Oberlandesgericht Frankfurt untersagte der Betreiberin des krisengeschüttelten Marktsegments am Dienstag, sechs Aktiengesellschaften wegen ihres niedrigen Börsenwerts vom Neuen Markt zu verbannen. Fünf der Kläger hatten bereits die Rote Karte gesehen und sollten zum 27. April ausscheiden. Erstmals fiel damit eine rechtskräftige Entscheidung.

Die Ausschlussregeln für Billigaktien waren Teil eines Versuchs, den ramponierten Ruf des Neuen Marktes wieder aufzupolieren. Unter dem Druck von Anlegern, Aktionärsschützern und erfolgreicher Neue-Markt-Unternehmen verschärfte die Börse im Oktober 2001 das geltende Regelwerk am Wachstumssegment. Es sollte helfen, schwarze Schafe und Börsennieten zu entfernen. Aktien, deren Kurs monatelang unter 1,00 Euro notiert, und deren Börsenwert (errechnet aus Aktienkurs mal -zahl) zugleich 20 Millionen Euro unterschreitet, wollte die Börse vom Neuen Markt nehmen. Das gleiche gilt noch immer für insolvente Firmen. Allerdings reformierte die Börse den Neuen Markt ohne das Einverständnis der betroffenen Firmen. Daran nahmen die Richter Anstoß.

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) befürchtet nach den sich jüngst häufenden Berichten über mutmaßliche Bilanzmanipulationen börsennotierter Unternehmen einen massiven Vertrauensverlust der Anleger in die Märkte. "Wir müssen dringend verhindern, dass ein - im übrigen auch völlig falsches - Bild der Kapitalmärkte als Selbstbedienungsladen für raffgierige und kriminelle Unternehmer und skrupellose Finanzdienstleister entsteht", sagte das geschäftsführende DAI-Vorstandsmitglied Rüdiger von Rosen am Dienstag in Frankfurt.

Die Umlaufrendite sank um zwei Basisstellen auf 5,01 Prozent.

Die Schlußkurse im Dax wie immer und alles andere ohne Gewähr:

adidas-Salomon 78,93 (- 0,67)
Allianz 271,40 (- 1,10)
BASF 46,94 (- 0,96)
Bayer 39,00 (- 1,10)
HypoVereinsbank 40,56 (- 0,08)
BMW 45,34 (+ 0,19)
Commerzbank 19,95 (- 0,02)
DaimlerChrysler 52,15 (+ 0,75)
Degussa 35,80 (- 0,42)
Deutsche Bank 72,79 (- 0,14)
Deutsche Post 15,09 (- 0,21)
Deutsche Telekom 16,53 (- 0,17)
E.ON AG 58,81 (- 0,18)
EPCOS 48,11 (+ 0,24)
Fresenius Med. Care 70,22 (+ 0,55)
Henkel 73,15 (+ 0,95)
Infineon Techno 23,05 (- 0,10)
Linde 54,75 ( unv. )
Lufthansa 17,04 (- 0,16)
MAN 26,50 (- 0,08)
Metro 36,61 (- 0,50)
MLP 73,49 (- 0,66)
Münchener Rück 286,35 (- 0,66)
Preussag 31,22 (- 0,83)
RWE 43,00 (+ 0,74)
SAP 152,90 (+ 0,05)
Schering 66,65 (+ 1,55)
Siemens 63,76 (- 0,10)
ThyssenKrupp 17,09 (- 0,26)
VW 57,75 (- 0,05)

Die EZB-Referenzkurse ausgewählter Devisen: Danach kostete ein Euro

US-Dollar 0,8872
Brit. Pfund 0,6132
Schw. Franken 1,4684
Japan Yen 115,42