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Wirtschaft

Telekom-Skandal: Spionage statt Vertraulichkeit

Wer auch immer die Spionage bei der Telekom veranlasst hat: Er hat dem Unternehmen größtmöglichen Schaden zugefügt. Denn Vertraulichkeit ist die Grundlage eines Telekommunikationsunternehmens, meint Karl Zawadzky.

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Karl Zawadzky, Quelle: DW

Karl Zawadzky

Der Telekom-Skandal gibt all jenen Recht, die meinen, dass alles, was machbar ist, auch gemacht wird. Spitzenmanager der deutschen Wirtschaft lassen offenbar nichts unversucht, dieses Vorurteil zu bestätigen und nicht nur sich selbst, sondern die Wirtschaft insgesamt in Verruf zu bringen. Da wird der Postchef als Steuerflüchtling ertappt, VW-Manager und Betriebsräte lassen sich auf Firmenkosten Prostituierte zuführen, bei großen Discountern werden die Mitarbeiter ausspioniert, das Weltunternehmen Siemens hat im Ausland weit über eine Milliarde Euro Schmiergeld gezahlt. Und nun wird die Deutsche Telekom, der größte Telekommunikationskonzern Europas, von einem ebenfalls beispiellosen Skandal erschüttert.

Spionagesystem ohne Auftraggeber?

Über Jahre hinweg haben sich Vorstandsmitglieder der Telekom regelrechte Grabenkämpfe geliefert. Dabei sind auch ganz gezielt Informationen an Journalisten durchgestochen worden. Der damalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hielt den Konzern nach eigenen Worten für so "löchrig wie einen Schweizer Käse". Natürlich gibt es Firmengeheimnisse, natürlich muss die Vertraulichkeit gewahrt bleiben und natürlich muss der Vorstand dafür sorgen. Doch wenn Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte selbst Informationen durchstechen, um einander Schaden zuzufügen, hat das Unternehmen ein Problem. Das rechtfertigt allerdings keinen Gesetzesbruch.

Doch genau das ist bei der Deutschen Telekom geschehen. Um die undichten Stellen auf der obersten Konzernetage zu finden, wurde ein Spionagesystem gegen Vorstandsmitglieder, Aufsichtsräte und Journalisten installiert. Niemand will dafür den Auftrag erteilt haben. Doch klar ist, dass Verbindungsdaten ausgewertet wurden, um herauszufinden, wer mit wem telefonierte oder E-Mails schrieb. Das ist ebenso erwiesen wie die Einschleusung eines Spitzels in eine Redaktion. Darüber hinaus geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht nach, dass mit Hilfe von Handy-Daten Bewegungsprofile angelegt wurden, um festzustellen, wer sich mit wem und wo traf. Vermutet wird auch, dass beim Online-Banking Bankkonten ausgeforscht wurden.

Größtmöglicher Schaden

Zehn Telekom-Manager sind ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten, darunter der ehemalige Vorstandsvorsitzende Kai-Uwe Ricke und Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Wer auch immer die Spitzelei veranlasst hat: Er hat dem Unternehmen größtmöglichen Schaden zugefügt. Denn die Vertraulichkeit von Gesprächen und Daten ist die Grundlage eines jeden Telekommunikationsunternehmens. Niemand will mit einer Telefon-, Handy- oder Online-Firma zu tun haben, bei der die Vertraulichkeit ebenso wenig gesichert ist wie die Achtung von Recht und Gesetz.

Nun ist der Schaden groß. Und dabei ist es wenig Trost, dass die Beschuldigten das Unternehmen inzwischen verlassen haben und der derzeitige Telekom-Chef René Obermann selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat. Auch wird das Drängen der Bundesregierung, die Telekom-Branche möge sich auf einen Verhaltenskodex für den Datenschutz einigen, wenig helfen. Die gesetzlichen Regelungen sind eindeutig und ausreichend. Wenn Manager meinen, sie stünden über dem Gesetz und könnten sich alles erlauben, dann hilft nur Aufklärung, Transparenz und Strafe.

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