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Wirtschaft

Telekom folgt Konkurrenz

Die Rückkehr von T-Online zur Deutschen Telekom hat für Konzernchef Kai-Uwe Ricke einen simplen Grund: "Die Zeiten haben sich geändert." Das wissen France Telecom und Telefonica schon lange.

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Neue Wege gesucht

Noch vor kurzem hat Telekom-Chef Ricke versichert, dass es keine Pläne gebe, T-Online wieder in den Konzern einzugliedern. Nun ist das vierjährige Börsenabenteuer von T-Online beendet.

Grund für die Kehrtwende war die Konkurrenz zwischen der Internet-Tochter und der Festnetzsparte der Telekom, T-Com. Die beiden Mitglieder der T-Familie kämpften um Kunden und die bessere Musikplattform. Da die Grenzen zwischen Internet, Telefonie und Fernsehen immer weiter verschwimmen, müssen sich T-Com und T-Online künftig in der neuen Sparte Breitband/Festnetz vertragen.

Neue, europäische Internet-Welt

Für Branchenexperten kommt die Entscheidung des Bonner Konzerns nicht überraschend – ganz im Gegenteil. Im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern habe es recht lange gedauert, bis T-Online zurückgeholt wurde, meint Ingmar Lehmann, Analyst bei der Bank SEB.

So haben France Telecom und Telefonica ihre Internet-Töchter Wanadoo und Terra Lycos bereits vor Monaten von der Börse geholt. Telefonica kontrolliert Terra Lycos mehrheitlich, France Telecom hat Wanadoo voll integriert. Vor allem der verschärfte Wettbewerb zwang die einstigen Monopolisten zum Handeln.

Das Rennen um den DSL-Markt

Markantestes Beispiel für die neuen Zeiten ist das Thema Internet-Telefonie. Anders als etwa in Frankreich, wo die Regulierer in Sachen Wettbewerb schon durchgegriffen haben, musste die Telekom im lukrativen Markt für Internet-Anschlüsse bislang keine ernsthafte Konkurrenz fürchten. Doch das wird sich ändern, denn die Telekom-Regulierungsbehörde will den schnellen DSL-Anschluss vom Telefonanschluss entkoppeln.

Dann könnten Millionen DSL-Nutzer ihren Telekom-Anschluss kündigen und über das Internet telefonieren. Profiteure wären Online-Dienste wie United Internet oder Freenet. Deren erfolgreichen Resale-Angebote, bei denen der Kunde den DSL-Anschluss bereits ohne Umweg über die Telekom mieten kann, zeigten deutlich, dass der Kunde seine Produkte nicht mehr gestückelt, sondern aus einer Hand haben will, erklärt Ralph Hallmann, Analyst der Bankgesellschaft Berlin.

Von der Konkurrenz lernen

Für France Telecom ist diese düstere Zukunftsmusik bereits Alltag. Der französische Telefonanbieter holte seine Internet-Tochter Wanadoo im Frühjahr in den Konzern zurück. Im neuen Bereich Kommunikationsdienste für Privatkunden sorgt Wanadoo nun gemeinsam mit Uni2 für Breitband-Festnetzdienste.

Auch die spanische Telefonica hat sich umgestellt. Zwar glückte die Reintegrierung von Terra Lycos nicht ganz, Telefonica kam bisher nur auf einen Mehrheitsanteil von 75 Prozent. Das reichte jedoch, um eine neue Konzernstruktur durchzusetzen. Die heimgekehrte Tochter konzentriert sich auf Internet-Dienstleistungen, während Telefonica alle Fäden beim Internetanschluss in der Hand hält.

Zucker für den Konzern, bittere Pille für Aktionäre

Die Rückführung von T-Online ist aus Sicht der Experten sinnvoll. Sehr viele Schnittpunkte können eliminiert und die Kosten gesenkt werden, betont SEB-Analyst Lehmann. Zudem kriege die Telekom ihre Tochter sehr günstig zurück.

Letzteres ist jedoch ein Schlag ins Gesicht der T-Online-Aktionäre. Denn das Barangebot der Deutschen Telekom von 8,99 Euro je Aktie ist von dem einstigen Ausgabepreis von 27 Euro weit entfernt. Telekom-Chef Ricke zu verteufeln, hält SEB-Analyst Lehmann jedoch nicht für den richtigen Weg. Schließlich sei dieser in erster Linie seinen Aktionären verpflichtet. Was nämlich für gut 1,5 Millionen T-Online-Aktionäre bitter ist, ist für die vielen Millionen T-Aktionäre durchaus süß. T-Online hatte den Mutterkonzern fast die komplette eigene Reserve in Höhe von vier Milliarden Euro geliehen. Durch die Reintegration in den Konzern ist Ricke diese Schuldenlast los.

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