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Wirtschaft

Telekom-Eigentümer setzen Vorstandschef ab

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke gibt auf. Großaktionäre und Gewerkschaften sind unzufrieden mit den Ergebnissen seiner Arbeit. Die Telekom verliert unablässig Kunden im Festnetzgeschäft.

Kai-Uwe Ricke

Ricke lässt einen anderen ans Ruder

Wie die Telekom am späten Sonntagabend (12.11.2006) nach einer Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums mitteilte, lege Ricke (45) im Einvernehmen mit dem Gremium sein Amt bereits zum 13. November nieder. Rickes Vertrag wäre regulär im November 2007 ausgelaufen.

Damit muss zum zweiten Mal innerhalb einer Woche der Chef eines DAX-Schwergewichts seinen Posten räumen: Erst am Dienstagabend hatte Volkswagen den Abgang seines Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder bekannt gegeben.

Nachfolger: Rene Obermann

Rene Obermann (Archiv-Foto)

Rene Obermann (Archiv-Foto)

Mit der Nachfolge Rickes will sich der Aufsichtsrat ebenfalls am 13. November beschäftigen. Branchenkreisen zufolge hat der Chef der Mobilfunktochter T-Mobile, Rene Obermann, bereits seiner Berufung zugestimmt.

Als Grund für den Wechsel an der Konzernspitze gilt der Kundenrückgang in der Festnetzsparte T-Com, der sich auch im dritten Quartal ungebremst fortsetzte. Seit Jahresbeginn kehrten über 1,5 Millionen Kunden der Telekom den Rücken.

Medienberichten zufolge soll die Ablösung Rickes von Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel, dem Bund als Großaktionär sowie dem Finanzinvestor Blackstone betrieben worden sein, der im Frühjahr einen Anteil von 4,5 Prozent der Telekom gekauft hatte.

Rickes Erfolge

Ron Sommer

Ron Sommer brachte die T-Aktie an die Börse

Ricke war 2002 auf Ron Sommer gefolgt, dem die hohen Schulden des Konzerns, der sinkende Aktienkurs und hohe Vorstandsgehälter vorgeworfen worden waren. Er wurde daraufhin vom Bund als Mehrheitsaktionär fallen gelassen.

Der damalige Mobilfunk-Chef Ricke hatte mit eisernem Sparen und dem Verkauf von Beteiligungen die hohe Verschuldung des Konzerns gesenkt und mit einem kräftigem Wachstum der US-Tochter VoiceStream, der heutigen T-Mobile USA, die Kritiker vorerst zum Schweigen gebracht.

Ricke machte sich an den Konzernumbau und beteiligte die leidgeprüften T-Aktionäre mit einer Rekorddividende am Konzerngewinn von 5,6 Milliarden Euro im Jahr 2005 - dennoch kam der Aktienkurs nicht in Fahrt. Zudem holte der Preiswettbewerb das einstige Staatsunternehmen ein.

Anfang vom Ende Rickes

Im August dieses Jahres gestand Ricke ein, die Wachstumsaussichten im Inland überschätzt zu haben und senkte die Prognosen für 2006 und 2007. Seitdem rissen die Spekulationen um seine Zukunft an der Telekom-Spitze nicht mehr ab. Kritiker warfen dem Telekom-Chef vor, er habe keine Strategie erkennen lassen, das Unternehmen wieder auf einen Wachstumspfad zu führen, und zu spät auf den Wettbewerbsdruck reagiert.

Im September dann präsentierte Ricke dem Aufsichtsrat seine Strategie "Telekom 2010", mit der er aus Europas umsatzstärkstem Anbieter der Branche auch den ertragreichsten machen wollte. Das Kontrollgremium stärkte ihm den Rücken, in dem es Rickes Vorschlag zustimmte, Schlüsselfunktionen an den Konzernvorstand zu übertragen - Grundlage für seine neue Strategie. "Ich fühle mich wirklich gut", hatte Ricke nach der Aufsichtsratssitzung im September gesagt.

Aus der Umstrukturierung ging T-Com-Chef Walter Raizner geschwächt hervor. Besonders seine Sparte steht unter Druck: In den ersten neun Monaten verlor sie mehr als 1,5 Millionen herkömmliche Festnetzanschlüsse.

Die Positionen von T-Mobile-Chef Obermann und T-Systems-Chef Lothar Pauly wurden hingegen gestärkt. Obermann wurde zum Verantwortlichen für den Vertrieb im gesamten Konzern.

Urplötzliche Entscheidung der Eigentümer?

Am Donnerstag noch zeigte sich der Telekom-Chef auf der Quartalspressekonferenz zuversichtlich, auch wenn der scharfe Preiswettbewerb der Telekom im dritten Quartal weiter zu schaffen gemacht hatte und der Gewinn in allen drei Sparten zurückgegangen war. Nur das Mobilfunkgeschäft verhalf dem Konzern zu einem Umsatzplus. Ricke bekräftigte aber die gesenkten Prognosen und sprach von ersten Erfolgen der neuen Strategie: Die im September gestarteten Pauschaltarife für Internet und Telefonie sowie die gesenkten Mobilfunktarife würden gut angenommen. Der Erlösrückgang im Inland habe sich bereits im dritten Quartal weiter abgeschwächt.

Ricke konkretisierte zudem seine Pläne bis 2010. Fünf Milliarden Euro wollte er bis dahin konzernweit weniger ausgeben als zuletzt - das wäre ein Achtel der etwa 42 Milliarden Euro Kosten im vergangenen Jahr. Mit der Gewerkschaft Verdi wollte Ricke im Januar über die Ausgliederung von 45.000 Service-Mitarbeitern in eigene Gesellschaften verhandeln, die Gehaltseinbußen hinnehmen sollen, um Beschäftigung zu sichern.

Obermanns Weg an die Spitze

Rene Obermann (43), der als enger Vertrauter von Ricke gilt, hatte ihn vor vier Jahren schon einmal in einem wichtigen Amt abgelöst. Als Ricke damals die Leitung der Telekom-Mobilfunksparte gegen den Chefsessel des Gesamtkonzerns eintauschte, war Obermann sein Nachfolger bei T-Mobile. Sommer holte ihn 1998 zur Deutschen Telekom. 2000 wurde er Vorsitzender der Geschäftsführung der deutschen Mobilfunktochter und machte sie zum Marktführer vor Vodafone D2. Ende 2002 wurde er dann Mitglied des Konzernvorstands und Chef von T-Mobile International. Obermann und Ricke gelten seit ihrer gemeinsamen Zeit bei T-Mobile als eingespieltes Team.

Unter der Führung von Obermann festigte T-Mobile trotz des harten Preiswettbewerbs die Marktführerschaft in Deutschland und stärkte sein Geschäft in Österreich und Polen mit den Übernahmen von Telering und PTC. Zudem stärkte Obermann das US-Geschäft, das der Wachstumsmotor des Konzerns ist. T-Mobile USA ist der mit Abstand kleinste, aber am schnellsten wachsende von vier USA-weiten Mobilfunk-Anbietern. (mas)

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