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Wirtschaft

Telekom-Chef in der Schusslinie

Der Streit um die Auslagerung von 50.000 Arbeitsplätzen hat die Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG bestimmt. Neben einem Gesprächsangebot an die Gewerkschaften gab es auch Vorwürfe und Drohungen auf beiden Seiten.

Telekom-Chef Rene Obermann auf der Aktionärsversammlung, Quelle: AP

Rene Obermann bekräftigte seinen Kurs

Die Telekom werde hart darum kämpfen müssen, ihre Wettbewerbsfähigkeit und damit auch Arbeitsplätze im Konzern zu sichern, sagte Vorstandschef René Obermann am Donnerstag (3.5.07) bei der Telekom-Hauptversammlung. Einsparungen in Milliardenhöhe und gleichzeitig besserer Service seien Hauptziele in den nächsten Jahren. Er warb erneut für das Vorhaben, 50.000 Mitarbeiter von Service- und Call-Centern in rechtlich eigenständige T-Service-Firmen auszulagern, wo sie für weniger Lohn länger arbeiten sollen. Der Vorstand wolle auf diese Weise einen Weg einschlagen, der Arbeitsplätze im Konzern erhalte und Produktivitätsnachteile ausgleiche.

Verkauf an Dritte?

Obermann kritisierte vor 8500 Aktionären, dass die Gewerkschaft Verdi bei der Telekom auf Besitzstandswahrung bestehe, während sie "mit Wettbewerbern zu erheblich niedrigeren Bedingungen für gleichartige Tätigkeiten Tarifverträge abgeschlossen hat". Er appellierte an die Beschäftigten, das Angebot des Unternehmens noch einmal zu prüfen. Obermann versicherte, die Tür für eine Einigung mit Verdi bleibe offen. Er kündigte an, als Zeichen der Solidarität wollten die Vorstandsmitglieder in diesem Jahr auf ein, er selbst auf zwei Monatsgehälter verzichten.

Allerdings zwinge die Gewerkschaft den Konzern durch ihre Weigerung dazu, beispielsweise eine Übertragung der Servicebereiche in andere Konzernteile wie T-Mobile oder die Beschäftigungsgesellschaft Vivento zu prüfen, wo es bereits Tarifverträge zu anderen Konditionen gebe. Zusätzlich werde ein Verkauf geprüft, den er aber weiterhin gerne vermeiden würde, betonte Obermann.

Unterstützung bekam Obermann von Seiten der Fondsvertreter und Anlegerschützer. Obermann habe ausdrücklich Unterstützung für den Versuch, die Kostenstruktur an den Markt anzupassen.

Kritik an 18 Umstrukturierungen in elf Jahren

Verdi begleitete die Hauptversammlung mit Protesten innerhalb und außerhalb der Halle in Köln. Bundesweit waren 15.000 Gewerkschafter zu Warnstreiks angetreten. Telekom-Betriebsrätin Kornelia Dubbel warf dem Management vor, für die beklagten Schwächen im Service selbst verantwortlich zu sein. So müssten die Telekom-Mitarbeiter mit maroden und überkomplizierten Computersystemen arbeiten. Der Personalabbau der vergangenen Jahre sei völlig überzogen gewesen, 18 Umstrukturierungen in nur elf Jahren überstiegen die Zumutbarkeitsgrenzen der Beschäftigten.

"Das Management hat es verbockt, die Mitarbeiter sollen zahlen", kritisierte Dubbel. Statt durch bessere IT-Ausrüstung die Produktivität zu verbessern, beleidige und bedrohe das Management die Mitarbeiter. (kas)

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