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Deutschland

Telekom bespitzelte eigene Manager und Aufsichtsräte

Über ein Jahr lang soll die Telekom Managerkontakte zu Journalisten ausspioniert haben. Dabei sollten undichte Stellen im Vorstand und Aufsichtsrat aufgespürt werden. Telekom-Chef Obermann zeigte sich "erschüttert."

Telekom-Logo, großes T, (Quelle AP)

Telekom gibt Bespitzelungsvorwürfe zu

Die Deutsche Telekom hat dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zufolge mehr als ein Jahr lang Kontakte von Managern und Aufsichtsräten zu Journalisten ausgespäht. Unter den Projektnamen "Clipper" und "Rheingold" sei es um die Auswertung mehrerer hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze gegangen. Im Focus standen dabei die wichtigsten über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten und deren private Kontaktpersonen, schreibt das Magazin. Dabei beruft sich "Der Spiegel" auf ein dreiseitiges, dem Magazin vorliegendes Schreiben einer Berliner Beratungsfirma an einen Telekom-Juristen. Die Bonner Staatsanwaltschaft bestätigte den Bericht. Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel erklärte, zurzeit werde die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens überprüft. Es gebe tatsächlich den Verdacht, dass Personen ausgespäht worden seien.

Obermann: Telekom wird sich um lückenlose Aufklärung bemühen

Die Telekom bestätigte, dass es nach derzeitigen Erkenntnissen 2005 und möglicherweise auch 2006 zu Fällen von missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten gekommen sei. Dabei handele es sich allerdings nicht um die rechtswidrige Nutzung von Gesprächsinhalten, betonte das Unternehmen in Bonn.

Telekomchef René Obermann im Porträt (Quelle dpa)

Telekomchef René Obermann verspricht lückenlose Aufklärung

Telekom-Vorstandschef René Obermann zeigte sich über die Vorwürfe zutiefst erschüttert. "Wir nehmen den Vorgang sehr ernst", sagte er. Die Telekom werde die Staatsanwaltschaft bei ihren Bemühungen um eine lückenlose Aufklärung unterstützen. Eine Anwaltskanzlei sei mit der Untersuchung der Vorfälle beauftragt worden.

Die Telekom erstattete nach eigenen Angaben am 14. Mai Anzeige. Interne Hinweise auf einen Missbrauch von Kontaktdaten gab es demnach aber bereits im Sommer 2007. Als Konsequenz seien die Sicherheitsabteilung des Konzerns umgebaut und neue Kontrollmechanismen installiert worden. Ende April 2008 seien dann neue und gewichtigere Vorwürfe bekannt geworden. Über mögliche Verdächtige machten weder das Unternehmen noch die Staatsanwaltschaft Angaben.

Überprüfung von undichten Stellen im Vorstand und Aufsichtsrat

Dem "Spiegel"-Bericht zufolge sollten bei der offenbar mehr als einjährigen Auswertung von Verbindungsdaten undichte Stellen im Vorstand und Aufsichtsrat aufgespürt werden. Eine Berliner Beraterfirma sollte demnach diese Daten auswerten und mit Telefonnummern von Journalisten abgleichen.

Kai-Uwe Ricke im Porträt (Quelle AP)

Was wußte er? Kai-Uwe Ricke war bis November 2006 Vorstandschef der Telekom

Unklar ist, ob die Vorgänge nur in die Amtszeit von Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke fallen. Dieser war Mitte November 2006 von Obermann abgelöst worden. Nach Angaben des "Spiegel" wird in dem Berliner Fax an die Telekom behauptet, dass auch nach November 2006 noch am Projekt "Clipper" gearbeitet worden sei.

Obermanns Vorgänger an der Telekom-Spitze, Kai-Uwe Ricke, habe dem "Spiegel" zwar gesagt, der Vorstand habe beschlossen, aktiv gegen undichte Stellen im Unternehmen vorzugehen. Mit welchen Methoden vorgegangen worden sei, habe er aber nicht gewusst, wird Ricke weiter zitiert. "Ich habe niemals illegale Aufträge erteilt und erst recht zu keinem Zeitpunkt angeordnet, Telefonverbindungsdaten auszuspähen", sagte Ricke. (as)

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