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Afrika

Telefonieren für die Gesundheit

Die Gesundheitsversorgung ist in vielen ländlichen Regionen Afrikas nach wie vor miserabel. Handys sollen nun helfen, diesen Missstand zu bekämpfen. Das ist zumindest hoffen afrikanische E-Learning Spezialisten.

Junge Afrikaner in einem Dorf (Foto: Norbert Guthier)

"Drücken Sie jetzt Taste eins oder Taste drei" - die Anweisungen der Telefon-Stimme klingen fast wie bei einer Kunden-Hotline. Doch es folgt keine Warteschleife. Stattdessen lauscht Alex Mhando, ein junger Mann aus Zentraltansania, über sein Handy gespannt einer Geschichte. Es geht ums Händewaschen, um die Benutzung von Toiletten, um zahlreiche Hygiene-Fragen. Das Besondere daran: Immer wieder wird Alex Mhando zwischendurch gefragt, wie er sich entscheiden will - und kann damit den Fortgang der Geschichte selbst mitbestimmen. Zahlen muss er dafür nichts, denn die gewählte Telefonnummer ist kostenlos.

"Mehr Handys als Toiletten"

Das Angebot nennt sich I-Call und wurde von der tansanischen Muhimbili-Universität zusammen mit europäischen Beratern entwickelt. Auf der "E-Learning Africa"-Konferenz in Tansania, einer jährlichen Veranstaltung über den Nutzen von Kommunikationstechnologien für die afrikanische Entwicklung, wurde es Ende Mai einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Dennis Mazali ist Leiter des Hygiene-Instituts der Muhimbili-Universität und einer der Projektinitiatoren. Er erinnert sich gerne an die Ursprünge der Idee, einen interaktiven Service für Handys zu entwickeln: "Als wir mit Studenten gesprochen haben, sagten sie mir: 'Schau mal, Mazali, in Tansania gibt es doch inzwischen mehr Handys als Toiletten'", erzählt der Gesundheitsexperte lachend.

Bauern bearbeiten ihr Feld (Foto: Sascha Quaiser)

95 Prozent der Tansanier leben auf dem Land - mit schlechter Gesundheitsversorgung.

Was allen Projektentwicklern dabei von Anfang an wichtig war: Es sollte ein Angebot sein, das vor allem die ländliche Bevölkerung erreicht. Aufwendigen Multimedia-Anwendungen waren nicht erwünscht, denn die sind nur für Nutzer moderner Smartphones oder schneller Internetverbindungen interessant - eine Seltenheit im ländlichen Afrika. Stattdessen entschieden sich die Macher für einfache Sprachaufnahmen, die auch Menschen mit wenig Geld und preiswerten Handys nutzen können.

"Fast 95 Prozent der Tansanier leben ja auf dem Land - und gerade dort gibt es die größten Probleme mit der Gesundheitsversorgung", sagt Dennis Mazali. Das liege auch daran, dass die meisten Krankenschwestern, Pfleger und Hebammen an einer Arbeit weit entfernt von größeren Städten wenig interessiert sein.

Experten-Tipps über das Handy

In einem weiteren Schritt soll deshalb nun gezielt das Gesundheitspersonal auf dem Land in das Handy-Angebot einbezogen werden. Es soll regelmäßig Neuigkeiten aus verschiedenen Gesundheitsbereichen bekommen und damit weniger abgeschnitten sein von der medizinischen Entwicklung in den Zentren. Laut Arndt Bubenzer, Chef der österreichischen Beratungsfirma Common Sense, wird dafür das gleiche interaktive System genutzt wie für die restliche Landbevölkerung. "Nur, dass wir hier die Informationen nicht mehr in Geschichten verpacken, sondern Fakten auf verschiedenen Levels anbieten - vor allem Tipps, Tricks und neue Forschungsergebnisse", erklärt Bubenzer.

Massai telefoniert (Foto: Ton Koene)

Infos zu Gesundheits-Themen kommen nun auch per Handy.

Gerade die Fortbildung des ländlichen Gesundheitspersonals stößt auch beim tansanischen Bildungsminister Shukuru Kawambwa auf Interesse. Er gibt offen zu, dass das Land hier großen Nachholbedarf habe - doch dieser könne mit den modernen Technologien deutlich verringert werden. "Die Ausbildung von medizinischem Personal kann davon immens profitieren, denn durch die neuen Kommunikationstechnologien haben sie Zugang zu Informationen und Lernmaterialien aus der ganzen Welt", sagt Kawambwa.

Medizinisches Personal, das auch in den abgelegensten Regionen ständigen Zugang zu all diesen Informationsquellen hat: Noch scheint dieser Traum allerdings weit entfernt von der Realität. Doch es ist zumindest ein großer Optimismus zu spüren, dass der technische Fortschritt dieses Mal nicht an weiten Teilen Afrikas vorbeigehen könnte.

Autor: Jan-Philipp Scholz
Redaktion: Lina Hoffmann