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USA/Australien

Telefon-Terror zwischen Trump und Turnbull?

Wohl kein Musterbeispiel für gelungene Diplomatie am Hörer: Der neue US-Präsident soll in einem Telefonat mit dem australischen Premierminister ausfällig geworden sein.

Von der hochemotionalen "Telefonkonferenz" berichtete die "Washington Post". Demnach wurde das eigentlich auf eine Stunde angesetzte Gespräch mit dem australischen Ministerpräsidenten Malcolm Turnbull von US-Präsident Donald Trump nach 25 Minuten abrupt abgebrochen. "Das ist bei weitem der schlimmste Anruf von allen", soll der Republikaner zu seinem Gegenüber aus Down Under gesagt haben. Die Zeitung beruft sich dabei auf Quellen im Weißen Haus. Das Gespräch fand bereits am Samstag statt.

Australiens Premier Malcolm Turnbull (Foto: picture-alliance/dpa/M. Tsikas)

War sicherlich "not amused": Australiens Premier Turnbull

Trumps Ärger in dem Gespräch mit Turnbull entspann sich an der Verpflichtung der USA, Flüchtlinge aus einem Lager Australiens in Papua Neuguinea aufzunehmen - eine vertragliche Bindung aus der Zeit seines demokratischen Vorgängers Barack Obamas. Die 2500 Menschen leben dort unter kläglichen Bedingungen. Und die USA hatten sich bereiterklärt, die Hälfte der Insassen aufzunehmen. Darunter sind auch Menschen aus dem Iran und dem Irak, also Ländern, die unter den neuen Einreisestopp der USA fallen.

"Ich werde diesen dummen Deal prüfen"

Trump hatte in der vergangenen Woche einen 90-tägigen Einreisestopp für Menschen aus den mehrheitlich islamischen Ländern Syrien, Iran, Irak, Sudan, Somalia, Libyen und Jemen verfügt - weil diese sieben Länder aus seiner Sicht ein erhöhtes Terror-Risiko darstellen. Flüchtlinge aus aller Welt sind für 120 Tage ausgesperrt, jene aus Syrien sogar auf unbestimmte Zeit.

Wutentbrannt twitterte Trump nach dem Telefonat: "Kann man das glauben? Die Obama-Administration erklärte sich dazu bereit, Tausende von illegalen Flüchtlingen aus Australien aufzunehmen. Warum? Ich werde diesen dummen Deal prüfen."

Turnbull: "Der Anruf endete höflich" 

Die Schilderung des Geschehens in der "Washington Post" sei "in der Substanz zutreffend", bestätigten inzwischen australische Regierungskreise gegenüber dem Rundfunksender Australian Broadcasting Corporation. Auch Turnbull selbst stellte die Schilderung nicht in Frage - abgesehen von einem Detail: "Der Bericht, wonach der Präsident einfach aufgelegt habe, ist nicht korrekt", sagte Turnbull dem Radiosender 2GB. "Der Anruf endete höflich." Der Premierminister zeigte sich "enttäuscht", dass Details aus dem vertraulichen Gespräch an die Medien gelangt seien. Australien ist einer der engsten Verbündeten der USA. Es wäre eigentlich damit zu rechnen gewesen, dass das Telefonat der beiden Politiker in großem Einvernehmen erfolgt.

Es war übrigens nicht das erste temperamentvolle Gespräch Trumps am Hörer. Zuvor soll es bereits in einem Telefonat mit Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto hoch hergegangen sein. In beiden Gesprächen soll der neue Mann im Weißen Haus auch auf seinen Wahlsieg und auf die aus seiner Sicht große Menschenmenge während seiner Vereidigung hingewiesen haben.

sti/myk (ape, dpa, rtr)