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Kultur

Tel Aviv – das Start-up-Paradies am Mittelmeer

Nirgendwo auf der Welt gibt es, bezogen auf die Einwohnerzahl, so viele junge Unternehmen wie in der israelischen Stadt Tel Aviv. Was macht die Metropole am Mittelmeer für viele Gründer so attraktiv?

Trotz 30 Grad Celsius im Schatten wollen sie einen kühlen Kopf bewahren: Die Gründer der rund 400 teilnehmenden Start-ups treffen beim DLD Innovation Festival Tel Aviv auf potentielle Investoren. Das zweitägige Festival mit anschließender Konferenz zählt zu den wichtigsten Start-ups-Events des Jahres in Israel.

Nimrod Israely ist einer der Gründer, die auf dem DLD Innovation Festival ihre Start-ups präsentieren und dort wichtige Kontakte knüpfen wollen. Der Israeli hat eine Methode für Farmer entwickelt, die bei der Schädlingsbekämpfung auf chemische Mittel verzichten wollen. Sein Start-up "Bioseed" setzt auf natürliche Stoffe, um Schädlinge abzuwehren. Für ihn als Gründer in der Agrar-Branche bietet das Land viele Vorteile: "Unser Land ist sehr klein. Wenn ich mit den Farmern sprechen möchte, um Feedback zum Produkt zu bekommen, kann ich einfach kurz hinfahren. Wenn ich mein Produkt weiterentwickeln möchte, fahre ich wieder in die Stadt in mein Labor. Alles ist hier schnell erreichbar", findet Nimrod Israely.

Israels Schlüsselrolle in der technologischen Welt

DLD Innovation Festival - Nimrod Israely (DW/D. Späth)

Nimrod Israely hilft Farmern, die auf Chemikalien verzichten wollen

Das Land am Mittelmeer hat schon viele erfolgreiche Unternehmen hervorgebracht. Das bekannteste ist der Messaging-Dienst ICQ. Aus Israel stammt auch Mobileye, eine kamerabasierte Software für fahrerlose Autos. Doch spätestens seit der Kartendienst Waze von Google für mehr als eine Milliarde Dollar übernommen wurde, ist das Land auf der Karte größererer Investoren und Unternehmen vermerkt. Viele US-Konzerne haben ihre Forschungsabteilungen nach Israel verlegt. So lässt Intel hier beispielsweise neue Prozessoren entwickeln, Microsoft sein Betriebssystem, und selbst im E-Book-Reader Kindle von Amazon steckt Programmierkunst aus Israel.

"The nation of innovation" (übersetzt: "Die Nation der Innovation") – so bezeichnet Eli Cohen, der israelische Wirtschafts- und Industrieminister, nicht ohne Stolz sein Land. "Israel hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verändert. Früher waren in der Welt Öl- oder Erdgasunternehmen von großer Bedeutung. Heute sind es die Tech-Unternehmen, die am relevantesten sind", ist Eli Gohen überzeugt. In dieser neuen technologischen Welt spiele Israel eine Schlüsselrolle, so Gohen.

DLD Innovation Festival - Hanan Lipskin und Doron Yaakobi Start-up Keppers (DW/D. Späth)

Hanan Lipskin und Doron Yaakobi sind Sieger des DW-Wettbewerbs #Startmeup

Smartphone-App gewinnt DW-Wettbewerb

Dass vor allem Start-ups im Technologie-Sektor durchstarten, ist laut Gründer und Teilnehmer des DLD Innovation Festivals, Hanan Lipskin, kein Zufall. Israel hat eine Armee aufgebaut, die junge Frauen und Männer zu Top-Experten auf dem Gebiet Cyber-Sicherheit ausbildet: "Viele Gründer kommen aus der Techniksparte der israelischen Armee und bringen daher sehr viel Know-how mit. Und da unser Land keine natürlichen Ressourcen hat, müssen wir mit dem anfangen, was wir mitbringen", sagt Hanan Lipskin.

Gemeinsam mit Doron Yaakobi hat er die Smartphone-App "Keepers" entwickelt. Das Programm entdeckt bedenkliche und missbräuchliche Nachrichten in sozialen Medien und Messaging-Diensten wie Facebook, WhatsApp, Snapchat oder Instagram auf dem Smartphone eines Kindes. Wird das Kind bedroht, werden die Eltern unverzüglich alarmiert. Mit ihrer Idee haben Hanan Lipskin und Doron Yaakobi die Jury des DW-Start-up-Wettbewerbs #Startmeup überzeugt. Start-ups konnten sich zuvor per 30-sekündigem Videoclip mit ihrer Geschäftsidee über die Facebook-Seite von DW Digital bewerben. DW-Intendant Peter Limbourg übergab den Preis, der mit 2000 Euro Preisgeld dotiert ist.

Israels "Silicon Wadi"

Die kurzen Wege im Land und das Know-how des Militärs, das ist ein Teil des Erfolgs von Start-ups in Tel Aviv. Doch Yossi Vardi, Tech-Guru, Investor und Politikberater, der in seinem Leben rund 60 Firmen gegründet hat, ist sich sicher: Hinter dem Erfolg steckt mehr. "In Israel gehört es zur Kultur, Dinge einfach auszuprobieren, zu versuchen, dabei Erfolg zu haben und vor allem etwas eigenes zu schaffen. Darin unterscheiden wir uns von anderen Ländern", so Vardi.

Doch um auf Dauer Erfolg zu haben, müssen auch Gründer in Israel über ihr "Silicon Wadi" hinausblicken und Märkte in Asien, den USA oder Europa erobern. Denn das Paradies für Start-ups ist mit nur rund acht Millionen Einwohnern als Heimatmarkt relativ klein.