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Amerika

Teilveto reicht Umweltschützern nicht aus

Brasiliens Präsidentin legt ein Teilveto gegen das Waldschutzgesetz ein und erntet Lob, aber auch Kritik. Amazonasbewohner fürchten, Opfer der Abholzung zu werden.

Das Schutzgebiet Itatupã-Baquiá im Bundesland Pará

Das Schutzgebiet Itatupã-Baquiá im Bundesland Pará

Weit weg vom Zentrum der brasilianischen Macht beschwert sich Raimundo das Graças Chaves de Souza darüber, wie in Brasilien über das neue Waldschutzgesetz entschieden wird: "Unsere Realität ist eine ganz andere als die der Gesetzgeber. Wir wollen an den Entscheidungsprozessen beteiligt werden." Souza ist einer der lokalen Vertreter des Schutzgebiets für nachhaltige Entwicklung Itatupã-Baquiá im Amazonasdelta.

Er wuchs auf umgeben von Regenwald und den Gewässern des größten Flusses der Welt, fünf Bootsstunden entfernt von der nächsten Ortschaft. In dieser abgelegenen Region wohnt er noch heute kurz vor dem Abschluss der Oberstufe. Seine Meinung bildet er sich aus dem, was er in der Schule darüber lernt und aus den Treffen mit anderen Leitern von Naturschutzgebieten des Amazonas.

Im Hinterhof seines Hauses sagt er, was er von dem Umweltgesetz "der Politiker in Brasília" hält: "Wenn man den Regenwald nicht kennt, kann man auch kein sinnvolles Gesetz zu seinem Schutz beschließen."

Die Bewohner fühlen sich betrogen

Raimundo de Souza

Raimundo de Souza

Souza erzählt, dass sich die Familien aus dem Naturschutzgebiet betrogen fühlen. In ihren Augen erfüllt das Gesetz seinen Zweck nicht. Sie befürchten, dass die Interessen derjenigen, die den schnellen Profit suchen, mehr wert sind, als das Überleben des größten Regenwaldes der Erde.

Und ihre Angst sei begründet, meint Luís Carlos Joels, ehemaliger Leiter der Waldbehörde des brasilianischen Umweltministeriums: "Die Agrarlobby ist schon seit langem aktiv, um noch mehr Abholzung zugunsten von mehr Anbauland durchzusetzen."

Joels arbeitet heute als unabhängiger Berater im "Arbeitskreis Amazonas", der als Dachorganisation unterschiedliche Verbände, indigene Gruppierungen und Gewerkschaften zum Schutz des brasilianischen Regenwaldes organisiert. Trotz aller Kritik begrüßt er das Veto von Dilma Rousseff: "Es sendet eine Botschaft an die Welt: Umweltschutzgesetze werden nicht geändert, um zu erlauben, dass jeder mit unserem Wald machen kann, was er will."

Die brasilianische Staatschefin legte ihr Veto gegen zwölf Punkte des neuen Waldgesetzes ein, das nun überarbeitet werden soll. Der Kongress kann mit einer Mehrheit in beiden Häusern das Veto überstimmen. Mit einer Entscheidung wird allerdings nicht vor Juni gerechnet.

Enttäuschte Hoffnung

Gemeinden wollen am Entscheidungsprozess teilnehmen

Gemeinden wollen am Entscheidungsprozess teilnehmen

Greenpeace wertet die Entscheidung als ungenügendes Stückwerk. Rousseff hätte einen von Grund auf neuen Prozess einleiten sollen, klagen die Umweltschützer. "Die Regierung hat ein leeres Versprechen abgegeben. Aber das passt zu dieser Regierung: Zwei Jahre lang hat sie zugesehen, wie der Kongress das Waldschutzgesetz zerstückelt hat", urteilt Marcio Astrini, Mitglied der Amazonaskampagne von Greenpeace.

Für das Leben der Menschen, die an der Grenze zum Agrarland leben, habe jedes Detail dieses Gesetzes eine immense Bedeutung, erinnert Joels: "Dort geschieht die Entwaldung. Dort ist sie ein täglicher, ein geradezu alltäglicher Prozess."

Das Leben im Regenwald

Weiter weg von den Agrarflächen, nahe der Amazonasmündung vertraut Raimundo Souza beim Waldschutz lieber auf die Kraft der Gemeinschaft als auf die Handlungen der Regierung: "So groß die Hindernisse und so gering unsere Mittel sein mögen - wir zählen auf die Menschen, die mit uns kämpfen. Jede Gemeinschaft tut, was sie kann. Wir arbeiten für das, was wir haben, und das ist der Regenwald."

Die 170 Familien, die in dem Schutzgebiet leben, erzählt Souza, nutzen den Regenwald, aber nicht, um reich zu werden: "Der Wald ernährt uns und wir wollen ihn unseren Kindern und Kindeskindern hinterlassen, damit er auch sie ernährt. Und wir wollen ihn für die ganze Welt erhalten. Der Planet braucht intakte Wälder."

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