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Deutschland

Teilnehmer werten Islamkonferenz als Erfolg

Regierung und Muslimvertreter haben sich hochzufrieden mit ihrer ersten deutschen Islamkonferenz gezeigt. Die Teilnehmer sprachen sich für die Wiederaufführung der abgesetzten "Idomeneo"-Inszenierung aus.

Badr Mohammed, Wolfgang Schäuble und Ayyub Köhler, von links, sind von Journalisten und Sicherheitsleuten umringt

Badr Mohammed, Wolfgang Schäuble und Ayyub Köhler (v. l.)

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach nach der rund dreistündigen Islamkonferenz am Mittwoch (27.9.) von einem "wirklich guten Auftakt". Auch die muslimischen Teilnehmer lobten das Gespräch: Der Vertreter des islamischen Dachverbands DITIB, Bekir Alboga, nannte die Begegnung einen "historischen Moment" und einen "wichtigen Meilenstein". Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) ist der größte islamische Verband in Deutschland.

Die Islamkonferenz sprach sich einmütig für die Wiederaufführung der abgesetzten Mozart-Oper "Idomeneo" an der Deutschen Oper Berlin aus. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte nach dem Treffen von jeweils 15 Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen mit Repräsentanten der rund 3,2 Millionen in Deutschland lebenden Muslime: "Wir wollen versuchen - wenn wir Karten kriegen - dass alle Teilnehmer der Konferenz sie zusammen besuchen."

Verfassungstreue betont

Das sei "völlig einvernehmlich" die Haltung der Islamkonferenz gewesen, sagte Schäuble. Er halte dies für die richtige Art, eine Diskussion zu beenden, die in niemandes Interesse sei, fügte Schäuble hinzu. Intendantin Kirsten Harms hatte die bereits im Jahr 2003 entstandene Inszenierung am Montag aus dem Spielplan genommen, weil sie nach einer Warnung des Landeskriminalamtes islamistische Attacken befürchtete.

Auch der Generalsekretär des Europäischen Integrationszentrums Berlin, Badr Mohammed, sprach über die Konferenz von einem "historischen Durchbruch". "Die Bundesregierung hat ein Signal gesetzt und die Hände rübergereicht, nun liegt es an den Muslimen, daraus etwas zu machen", sagte er.

Vertreter der muslimischen Verbände in Deutschland betonten ihre Verfassungstreue und unterstrichen, dass sie seit den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 alle terroristischen Anschläge auf der Welt ausnahmslos verurteilt hätten.

Unterschiedliche Erwartungen

Schäuble betonte, bei dem ersten Treffen sei es noch nicht um Ergebnisse gegangen. Es sei im Verlauf des Gesprächs, das rund eine Stunde länger dauerte als geplant, "nicht immer nur harmonisch" zugegangen. Es seien "in tolerantem Ton durchaus unterschiedliche Positionen vertreten" worden. Schäuble räumte ein, es gebe "eine Menge Probleme, sonst bräuchten wir das Ganze nicht".

Der Gesprächsprozess ist nach den Worten Schäubles auf rund zwei Jahre angelegt. Die Arbeit soll nun in vier Untergruppen weitergehen: Die jeweils erste Arbeitssitzung der Gruppen und des Gesprächskreises werden am 8. und 9. November in Nürnberg stattfinden.

Die Erwartungen sind allerdings sehr unterschiedlich: Während besonders Vertreter der Union die Muslime auf ein klares Bekenntnis zur Trennung von Staat und Religion und eine Distanzierung von radikalen Tendenzen im Islam festlegen wollen, pochen die muslimischen Verbände auf ihre Anerkennung, die Bestätigung ihres Status' und eine Gleichbehandlung mit den christlichen Kirchen. (stu)

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