1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Teil

Egal ob Kuchenteil, Hinterteil oder Bestandteil, ein Teil ist immer ein Stück eines Ganzen. Wer etwas teilt, hat hinterher weniger. Nur bei der Freude verhält es sich anders. Wenn man die teilt, verdoppelt sie sich.

Wenn einer des anderen Last mittragen soll, dann bedeutet das, die Last zu teilen, zu verteilen. Damit sind wir beim Stichwort der Woche, das dieses Mal vom Wort "Teil" und dem Verbum "teilen" handelt.

Kuchenstück und Hinterteil

Dass es bei der Verteilung – nicht nur von Lasten – gerecht zugehen sollte, ist gewissermaßen selbstauferlegter Anspruch einer Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit verwirklicht werden soll. Ein schwieriges Unterfangen. Da haben wir es leichter, denn uns interessiert lediglich das Wort und seine Bedeutungsvielfalt.

Zunächst und grundsätzlich gilt Folgendes: Ein Teil ist das Stück eines Ganzen. Wobei diese Definition tatsächlich für das Stück Kuchen als Teil des ganzen Kuchens, wie auch für den Stadtteil als Teil der ganzen Stadt gilt. Erdteil, Körperteil, Bestandteil, lassen sich eindeutig auf ein Ganzes beziehen. Das Hinterteil kann nur ein hinteres sein, weil es auch ein Vorderteil gibt, genauso kommt der Vorteil ohne sein negatives Gegenüber, den Nachteil, nicht aus.

Doppelte Freude

So merkwürdig es klingt: Teil und teilen stehen immer in Zusammenhang mit einem Pendant, einer Entsprechung – freilich unterschiedlichster Natur. Zum Beispiel: Mit jemandem Freud und Leid teilen. Nicht nur Freud und Leid sondern auch die Personen, die beides miteinander teilen, stehen in enger Beziehung zueinander.

Was die Erfahrung gelehrt hat, findet in der Sprache seinen Ausdruck: Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist halbes Leid. Der zur Floskel gewordene Text "Herzliche Anteilnahme" auf Trauerkarten steht – wenn er ernst genommen wird – für etwas sehr Schönes: Da möchte jemand wenigstens einen Teil des Schmerzes einem anderen abnehmen; und die Mitteilung dies tun zu wollen, kommt von Herzen.

Halbes Leid

Natürlich lassen sich Gefühle nicht in einem quantitativen Sinne teilen. Du ein Viertel, ich ein Drittel. Oder umgekehrt. Genau bestimmte Teilungen und daraus folgende Teile finden wir in den Naturwissenschaften und der Mathematik. Wenn in Rechnungen der Teiler die Drei ist, so hat das Ganze drei Teile und zwar von gleicher Größe. Apropos gleiche Teile. So allmählich nähern wir uns einem Teilbereich der Rechtssprechung nämlich jenem, in dem Erbschaftsstreitigkeiten verhandelt werden.

Da geht es um die Anteile des Erbteils; also wer was kriegt und wie viel davon. Ein weniger schönes Kapitel. Bei den Juristen sind Kläger und Beklagte Teile, die beide zu hören sind. Wie sonst könnte man zu einem gerechten Urteil kommen? Und jetzt wird es richtig schwierig. Was ist ein Urteil? Teil eines Ganzen? Oder ein Ganzes, das sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzt? Schon eher letzteres, denn wenn beide Teile gehört worden sind, Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers gehalten und so ihren Teil zur Urteilsfindung beigetragen haben, wird das Urteil als letzter Teil eines Prozesses gesprochen.

Geteiltes Recht

Da wir auch nicht zu einem Bruchteil die Rechtswissenschaften verstehen, belassen wir es bei diesen vorsichtigen Äußerungen, wollen dennoch nicht kneifen und der Frage nachgehen, was es mit dem Wort "Urteil" auf sich hat. Wir versuchen es mit der Philosophie. Ein Urteil, sagen die Philosophen, ist immer Ausdruck eines Sachverhalts. Das heißt eine sprachliche Bestimmung und Festlegung dessen, was tatsächlich der Fall ist. Klingt sehr abstrakt und verlangt nach einem erhellenden Beispiel.

Der Satz "Hamburg ist eine große Hafenstadt" ist der sprachliche Ausdruck dessen, was der Inhalt des Satzes ist, wobei dieser außersprachlicher Natur ist. Niemand kann dem ernsthaft widersprechen. Wenn es erwiesen ist, dass Herr X Geschäftsanteile des Herrn Y veruntreut hat, wird man dies als gegebene Tatsache hinnehmen. Herr X wird dann verurteilt werden, aber Verurteilung ist ein anderes Thema. Zu kompliziert.

Gerechtes Teilen

Allerdings ist die Sache mit der gerechten Verteilung der Lasten im Rahmen sozialer Gerechtigkeit auch nicht gerade einfach.

Fragen zum Text

Das Gegenteil von Vorteil ist …

1. Nachteil.

2. Hinterteil.

3. Abteil.

Wer einen Bruchteil von etwas versteht, der …

1. versteht alles.

2. weiß bestens Bescheid.

3. hat sich etwas gebrochen.

Jemand, der Anteil nimmt, …

1. ist sehr mitfühlend.

2. möchte seinen Erbteil ausgezahlt bekommen.

3. kann sich gut mitteilen.

Arbeitsauftrag

Einen Kuchen, Freude oder das Erbe – was würden Sie gerne mit jemandem teilen und was würden Sie auf gar keinen Fall abgeben? Schreiben Sie drei Dinge auf, die Sie teilen würden und drei Dinge, die Sie für sich selbst behalten würden. Begründen Sie Ihre Entscheidung.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads