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Iran

Teherans teure Freundschaft mit Assad

Die Unterstützung des syrischen Regimes kostet den Iran Milliarden. Syrien hat für das Land strategische und wirtschaftliche Bedeutung. Die Islamische Republik Iran werde in Syrien verteidigt, heißt es in Teheran.

Iran Syrien - Treffen in Teheran (AP)

Für den religiösen Führer des Iran, Ajatollah Chamenei (r.), ist Assad ein loyaler Verbündeter

"Wir werden das syrische Volk vom Terrorismus befreien", verkündete das iranische Präsidialamt Anfang der Woche. "Unsere Zusammenarbeit mit Russland im Kampf gegen den Terrorismus in Syrien hat einen historischen Sieg gebracht", hieß es in einer offiziellen Verlautbarung nach einem Telefongespräch zwischen dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani mit Russlands Präsident Wladimir Putin am Montagabend.

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass dem Assad-Regime und seinen Verbündeten ein Durchbruch beim Kampf um Aleppo gelungen war. Sollte das Regime mit der Unterstützung von libanesischen und iranischen Milizionären sowie russischer Luftangriffe Aleppo vollständig einnehmen, hätte Assad die Kontrolle über alle großen Städte des Bürgerkriegslandes zurückgewonnen. 

"Die Unterstützung Assads liegt im nationalen Interesse Irans" urteilt der ehemalige Reformpolitiker Abbas Abdi aus Teheran im Gespräch mit der Deutschen Welle. Abdi verweist auf die lange Geschichte der syrisch-iranischen Beziehungen: Während des Irak-Iran-Krieges in den 1980er Jahren war Syrien der wichtigste Unterstützer des Iran in der Region. "Der Unterstützung Syriens ist es zu verdanken, dass aus dem irakischen Angriff auf den Iran kein Krieg der arabischen Welt gegen den Iran geworden ist", analysiert Abdi weiter.

Ein historischer Verbündeter

Kurz nachdem die schiitischen Revolutionäre in Teheran die Macht übernommen hatten, hatte der irakische Präsident Saddam Hussein im September 1980 dem Iran den Krieg erklärt. Der Irak wollte die nachrevolutionären Wirren im Nachbarland ausnutzen. In einem "Blitzkrieg" wollte Saddam Hussein mit Unterstützung des sunnitischen Königshauses in Saudi-Arabien den Iran besiegen. Der Plan schlug fehl. Staatdessen kam es zu einem acht Jahre währenden verheerendem Krieg. 

Das alawitische syrische Regime mit seinen schiitischen Wurzeln versorgte in dieser Zeit den Iran nicht nur mit Waffen. Syrien erschwerte auch den irakischen Ölexport. Es sperrte eine Pipeline, die irakisches Öl vom Persischen Golf und vom Nordirak zum Mittelmeer transportierte.

Als Gegenleistung unterstützte der Iran Syrien mit befreundeten schiitischen Milizen im Libanon. Syrische Truppen waren 1976, ein Jahr nach Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs, in den Nachbarstaat einmarschiert. Im Libanon haben Syrien und der Iran bis heute gemeinsame Interessen. Dass Syrien und die schiitische Hisbollah-Bewegung großen Einfluss auch auf die politischen Verhältnisse im Libanon haben, ging den sunnitischen Golfstaaten immer gegen den Strich. "Für den Iran geht es darum, den Einfluss Saudi-Arabiens in der Region zurückzudrängen", meint der Experte Abdi. 

Milliarden für Assad

Der Einfluss des Iran in Syrien - und eigentlich in der gesamten Region - missfällt Saudi-Arabien, Irans schärfstem Rivalen um die regionale Vorherrschaft. "Saudi Arabien unterstützt unzufriedene sunnitische Minderheiten im Irak an der Grenze zu  Syrien", sagt Mehrdad Khonsari. Der ehemalige iranische Diplomat ist heute Senior Research Consultant am Centre for Arab and Iranian Studies in London Damit riskiere das saudische Königshaus eine Spaltung des Irak und Syriens. Das gefährde die Stabilität des gesamten Nahen und Mittleren Ostens. "Nicht nur der Iran, auch der Westen hat daran kein Interesse", so Khonsari.

Karte Naher Osten

Der Iran will seinen Einfluss in Syrien nicht verlieren

Die Islamische Republik Iran werde in Syrien verteidigt, erklärt General Kassem Soleimani, Kommandeur der iranischen Quds-Einheiten. Diese für die Auslandeinsätze der iranischen Revolutionsgarde zuständigen Verbände sind im syrischen Bürgerkrieg aktiv. In den letzten fünf Jahren tauchten Fotos und Berichte über Soleimani in iranischen Medien auf, in denen er als einer der wichtigsten Führungsfiguren der schiitischen Milizen im Kampf gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" dargestellt wird. Amerikanischen Medien gilt Soleimani als einer der mächtigsten Männer des Nahen und Mittleren Ostens, als Strippenzieher im syrischen Bürgerkrieg.   

"Koste es, was es wolle, wir lassen Assad nicht fallen", scheint das Motto der Machthaber in Teheran zu sein. Im vergangenen Jahr schätzte der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, die jährlichen Ausgaben des Iran in Syrien auf mehr als sechs Milliarden US-Dollar. Einige iranische Experten gehen sogar von 15 bis 20 Milliarden aus, die sich Teheran die Unterstützung Assads kosten lasse. Schließlich steht Baschar al-Assad nicht nur im Kampf gegen moderate Aufständische, die von den USA unterstützt werden, sondern vor allem gegen radikal-sunnitische Milizen, die besonders von Saudi-Arabien und Katar finanziert und bewaffnet werden. 

Machtspiel um Gaspipeline

Katar, das von Syrien beschuldigt wird, tausende Söldner nach Syrien geschickt zu haben, teilte am 26.November mit, seine Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen fortsetzten zu wollen - selbst wenn Donald Trump die US-Unterstützung für die Opposition  beenden sollte. 

Katar Liquid Natural Gas (imago/Photoshot/Construction Photography)

Katar ist an einer Gaspipeline durch Syrien interessiert

Das syrische Regime von Baschar al-Assad ist Katar seit langem ein Dorn im Auge. Katar ist an einer Pipeline interessiert, die Gas vom Fördergebiet South-Pars, den weltweit größten Erdgasreserven im persischen Golf, durch Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien in die Türkei transportieren soll, von wo aus das Gas weiter nach Europa geführt werden kann.

Mit Baschar al-Assad war diese Pipeline bislang nicht zu bauen. Ein Drittel dieses Gasfeld gehört dem Iran. Und der Iran träumt seit langem von einer Pipeline vom Iran durch den Irak und Syrien bis zum Mittelmeer. Im Juli 2011 hatte der Iran sogar ein Zehn-Milliarden-Dollar-Projekt für diese Pipeline angekündigt und im Juli 2012 ein Abkommen mit Assad unterzeichnet. Umgesetzt wurde das Projekt jedoch noch nicht.

"Mit der Unterstützung Assads sendet der Iran ein Signal an alle seine Verbündeten in der Region, und sie lautet: Loyalität zu uns lohnt sich", analysiert Maysam Behravesh vom Londoner Centre for Middle East Research (CMER). "Im Syrien-Konflikt geht es um Assad als Person, aber auch um Syrien als strategisch wichtiges Land am Mittelmeer mit einer Grenze zu Israel. Der Einfluss des Iran in Syrien zeigt seine Machtmöglichkeiten im gesamten Nahen und Mittleren Osten."

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