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Nahost

Teherans neuer starker Mann

Der frühere Atom-Unterhändler Ali Laridschani wird Parlamentspräsident. Er hat gute Chancen, der nächste Staatspräsident zu werden. Denn die politischen Eliten rücken immer mehr von Amtsinhaber Ahmadinedschad ab.

Ali Laridschani . Ap

Mediengewandt, kompromisslos, geschickt: Ali Laridschani

Als Gholam Ali Haddad-Adel 2004 Präsident des iranischen Parlaments wurde, da war er der erste Nicht-Kleriker, der seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 in dieses Amt kam. Die Voraussetzungen dafür schienen freilich ideal: Eine Tochter des konservativen Doktors der Philosophie ist mit einem Sohn von Ajatollah Ali Chamenei verheiratet, dem "Obersten Führer" des Iran. Haddad-Adel schien deswegen von oberster Stelle protegiert zu sein. Umso erstaunlicher, dass er nun bereit ist, seinen Platz kampflos einem zu räumen, der anscheinend noch bessere Karten in der iranischen Hierarchie hat: Ali Laridschani, ebenfalls Philosoph, erzkonservativ und nicht Mitglied des Klerus.

Philosoph und Kulturminister

Laridschani mit Ägyptens Präsident Mubarak

Als Unterhändler knüpfte er viele Kontake, auch in die arabische Welt, wie hier mit Ägyptens Präsident Mubarak

Der 50-jährige Laridschani, der im irakischen Nadschaf geboren wurde, stammt aus einer Familie, die viele bedeutende Ajatollahs hervorgebracht hat. Er selbst aber war Kulturminister, zehn Jahre lang Generaldirektor des iranischen Staatsrundfunks, kandidierte erfolglos für das Amt des Staatspräsidenten und wurde dann Chef-Atomunterhändler.

Laridschani löste den gemäßigten Unterhändler Rowjani ab, im Oktober 2007 aber trat er überraschend von diesem Posten zurück. Grund waren wachsende Differenzen mit Staatspräsident Ahmadinedschad. Nicht in der Sache, sondern im Stil. Schon ein Jahr zuvor hatte Laridschani sich eindeutig für Verhandlungen ausgesprochen: "Es gibt vielleicht Leute, die nach anderen Lösungen suchen, aber wir halten Verhandlungen für den logischen Weg."

Kompromisslos und doch verhandlungsbereit

Die Verhandlungen brachten keine Ergebnisse, denn Laridschani – der schon in seinen früheren Ämtern gezeigt hatte, wie kompromisslos er sein kann –, blieb auch in der Atomfrage ein harter Gesprächspartner, der Teherans Politik verteidigte: "Irans Atomtechnologie dient friedlichen Zwecken. Wir akzeptieren die Kontrollen der Atomengeriebehörde und wir sind Mitglied des NPT (Nichtverbreitungsabkommens)", erklärte er. Der Iran sei ein Land, das sich "verantwortungsvoll im Rahmen der Weltordnung verhält."

Getreu der offiziellen Lesweise Teherans liegt die Schuld für das Übel in der Region denn auch nicht beim Iran, sondern in Washington: "Die Wurzel der meisten Konflikte zwischen Ländern dieser Region, oder zwischen Schiiten und Sunniten, liegt im Benehmen der USA. Sie sind es, die provozieren." Und Laridschani zögerte auch nicht, denen mit Konsequenzen zu drohen, die den Iran unter Druck setzen wollen: "Wer Gewalt anwenden will, macht die Dinge komplizierter. Wir werden damit nicht anfangen, aber wenn die anderen sich so benehmen, dann werden sie die Folgen zu tragen haben."

Ungeschmälerte Unterstützung von oben

Mahmud Ahmadineschad

Gilt als geschwächt: Irans Präsident Ahmadinedschad

Bei den Parlamentswahlen im März hatte Laridschani in der Stadt Ghom, dem Zentrum der iranischen Geistlichkeit, kandidiert und rund 78 Prozent der Stimmen erhalten. Mit diesem beeindruckenden Sieg war er nicht mehr zu bremsen: Der Vorsitz des Parlaments war der logische nächste Schritt. 161 der 227 Konservativen sprachen sich für ihn aus, nur 50 für den bisherigen Amtsinhaber Haddad-Adel.

Hierbei zeigten sich zwei Dinge: Laridschani genießt weiterhin die ungeschmälerte Unterstützung des "Obersten Führers". Und eine wachsende Mehrheit unter den Konservativen wendet sich von Staatspräsident Ahmadinedschad ab. Man ist mit dessen Wirtschaftspolitik unzufrieden und kritisiert ihn auch offen wegen seiner Vermengung von Politik und Religion. So appellierten konservative Ajatollahs kürzlich an den Präsidenten, er möge doch die Religion doch bitte ihnen überlassen.

Gute Chancen auf das Präsidentenamt

Wenn die kritische Haltung gegenüber Ahmadinedschad andauert, dann könnte er im nächsten Jahr auch aufgefordert werden, er möge doch auch die Politik einem anderen überlassen. Und dieser andere wird dann ohne Zweifel Ali Laridschani sein, der es verstehen dürfte, seinen Vertrauens- und Sympathiebonus in der politischen Szene Teherans bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen 2009 so weit auszubauen, dass seine Chancen gut stehen dürften, Ahmadinedschad abzulösen.



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