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Teheran verhaftet Deutsche-Welle-Bloggerin

Pegah Ahangarani sollte für die Deutsche Welle über die Frauenfußball-WM 2011 bloggen. Kurz vor ihrer Abreise nach Deutschland wurde die bekannte iranische Schauspielerin vom Regime in Teheran verhaftet.

Pegah Ahangarani, Bloggerin aus dem Iran (Foto: DW)

Pegah Ahangarani, Bloggerin aus dem Iran

Die Deutsche Welle hatte für Pegah Ahangarani Anfang Juli ein Blog eingerichtet. Die regierungskritische Iranerin wollte über die Frauenfußball-WM bloggen, dazu nach Deutschland reisen und einige WM-Spiele im Stadion verfolgen. Für das Projekt, das vom 4. bis 12. Juli dauern sollte, hatte sich die beliebte Schauspielerin sogar kurzfristig eine Auszeit von ihrem neuen Film genommen. Die Reise zur Frauenfußball-WM in Deutschland sollte ihre zweite Zusammenarbeit mit der Deutschen Welle werden. Pegah Ahangarani hatte in der Vergangenheit bereits für ein DW-Blog zur Berlinale geschrieben und war im vergangenen Jahr zur Verleihung der Blog-Awards der Deutschen Welle "The BOBs" nach Bonn gekommen.

Die iranische Schauspielerin Pegah Ahangarani nahm stellvertretend die Preise für die BOBs-Gewinner aus Kuba und China entgegen. (Foto: DW)

Pegah Ahangarani bei der BOBs-Verleihung der Deutschen Welle

Doch zu der zweiten Reise kam es nicht. Nach Angaben ihrer Familie wurde die 1984 geborene Pegah Ahangarani einen Tag vor ihrer Abreise nach Deutschland ins iranische Informationsministerium einbestellt. Nach Einschüchterungsversuchen sei ihr mitgeteilt worden, dass für sie ein Ausreiseverbot vorliege und dass sie das Land nicht verlassen dürfe, weil sie sonst direkt im Flughafen verhaftet werde. Aufgrund dieser und weiterer Drohungen reiste Pegah Ahangarani nicht nach Deutschland. Um sie nicht zu gefährden, verzichtete die Deutsche Welle auf die Fortsetzung des gemeinsamen Blog-Projekts.

Offiziell bestätigt

Portrait der beliebten Schauspielerin Pegah Ahangarani (Foto: ILNA)

Die geplante Reise ins WM-Land wurde von den iranischen Sicherheitskräften verhindert - die Bloggerin wurde verhaftet

Nach diesem Vorfall versteckte sich Pegah Ahangarani nach Angaben ihrer Familie zunächst bei Bekannten in Teheran. Dann verlor sich ihre Spur. Tagelang blieb die intensive Suche ihrer Familie ergebnislos, weil die offiziellen Stellen jedwede Auskunft verweigerten. Die Deutsche Welle berichtet darüber in ihrem persischsprachigen Radio- und Internet-Angebot, protestiert mit Nachdruck gegen die Festsetzung der Schauspielerin und fordert ihre sofortige Freilassung.

Am Donnerstag (14.07.2011) wurde dann offiziell bestätigt, dass Pegah Ahangarani tatsächlich am 10. Juli verhaftet worden war. Am 13. Juli wurde sie von den Sicherheitskräften des iranischen Informationsministeriums an die Sicherheitskräfte der Revolutionsgarde überstellt.

Die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin war bereits 2009 während der Präsidentschaftswahl festgenommen worden, weil sie den oppositionellen Kandidaten Mir Hossein Moussawi unterstützt hatte. Pegah Ahangarani hat in der Vergangenheit zudem Dokumentarfilme gedreht. Ihr jüngster Film "Dehnamaki-ha", in dem es um einen Anführer der paramilitärischen Schlägertrupps der Hizbollah geht, wurde von der BBC ausgestrahlt.

Reise in die Ungewissheit

Pegah Ahangarani im Gespräch mit DW-Farsi (Foto: DW)

Pegah Ahangarani im Gespräch mit DW-Farsi

Durch die geplante Zusammenarbeit mit der Deutschen Welle wollte Pegah Ahangarani eine Informationslücke schließen, denn in den iranischen Medien wird nicht über Frauenfußball berichtet, was Pegah Ahangarani in einem exklusiven Interview mit der Deutschen Welle beklagte. "Iranische Medien reflektieren überhaupt nicht über dieses Thema. Das staatliche Fernsehen zeigt keine Fußball spielenden Frauen und auch die Printmedien schenken dem Thema kaum Beachtung, höchstens drucken sie mal ein Bildchen ab."

Diese Einschätzung teilt auch die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. In einem Interview mit der Deutschen Welle sprach Ebadi von einer systematischen Unterdrückung des Themas durch das Mullah-Regime.

Teheran will mit der Verhaftung von Pegah Ahangarani offenkundig nicht nur die Berichterstattung über Frauenfußball, sondern vor allem die Zusammenarbeit mit dem deutschen Auslandsender unterbinden. So wurde die geplante Reise ins WM-Land für Pegah Ahangarani zu einer Reise in die Ungewissheit.

Autor: Shahram Ahadi

Redaktion: Alexander Freund