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Politik

Teheran macht sich etwas vor

Im Konflikt um das iranische Atomprogramm hat Präsident Mahmud Ahmadinedschad die islamischen Staaten aufgerufen, ihre wirtschaftliche Stärke als Waffe gegen den Westen einzusetzen. Peter Philipp kommentiert.

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Mahmud Ahmadinedschad

In Teheran macht man sich etwas vor, wenn man glauben sollte, das Ausland mit wirtschaftlichen Sanktionen unter Druck setzen zu können, wie dies am 21.1.2006 zu hören gewesen war. Aber man glaubt dies wohl auch nicht allen Ernstes. Weil man weiß, dass eine solche Maßnahme nur dann Erfolg versprechend wäre, wenn auch andere Länder an ihr teilnähmen. Wie etwa beim Ölboykott zur Zeit des Oktoberkrieges im Oktober 1973. An ihm nahmen immerhin sieben arabische OPEC-Staaten teil. Der Iran verfügt zwar über zehn Prozent des weltweiten Erdöl-Vorkommens - und über rund 15 Prozent aller Gasvorräte. Aber solange sich dem Boykott keine anderen Staaten anschließen, wird dies eine leere Warnung bleiben.

Wer schlägt sich auf Teherans Seite?

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad versucht schon seit einiger Zeit, Sympathie und Solidarität arabischer und islamischer Staaten zu mobilisieren. Bisher will ihm dies aber nicht so recht gelingen. Denn viele dieser Staaten stehen dem Iran mit mindestens ebenso großem Misstrauen gegenüber, wie es der Iran selbst auch immer wieder der arabischen Welt entgegengebracht hat. Und weder die kleineren arabischen Ölstaaten am Persischen Golf noch Saudi-Arabien dürften sich deshalb in der Frage des Nuklearstreits auf Seiten Teherans schlagen. Vielleicht sogar im Gegenteil: Saudi-Arabien etwa hat dem Westen immer wieder mit Produktionssteigerungen geholfen, um sein spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 etwas lädiertes Ansehen zu verbessern.

Deutschland als wichtigster Handelspartner des Iran

Erdöl- und Gas-Exporte machen 80 Prozent der iranischen Exporte aus - und Teheran würde sich selbst ziemlich schaden, wenn es diese Ausfuhren heftig einschränkte. Es sei denn, China würde das Mehr kaufen, das in den Westen weniger geliefert wird. Und in anderen Bereichen der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen sind die Alternativen für den Iran ebenfalls ziemlich begrenzt: Das deutsche Iran-Geschäft etwa hatte in letzter Zeit zwar beachtliche Zuwachsraten von 30 Prozent und mehr, Deutschland ist damit weiterhin Irans wichtigster Handelspartner. Umgekehrt rangiert der Iran aber nur unter "ferner liefen" in der Liste der deutschen Handelspartner. Kein deutscher Unternehmer würde gerne auf das Iran-Geschäft verzichten, umgekehrt dürfte es den Iranern aber noch schwerer fallen, auf Deutschland zu verzichten. Zumindest so lange, wie Teheran Ersatz für deutsche Maschinen nicht anderswo findet.

So bleibt die Waffe von Boykott- und Sanktionsandrohungen, was sie immer schon war: eine stumpfes Instrument, mit dem man sich meist nur selbst schadet. Sie ist bestenfalls geeignet, im Kontext anderer Ankündigungen als Gegengewicht zu dienen - etwa gegenüber den Drohungen von Gewalt und Gegengewalt. Israel und der Iran schaukeln sich hiermit gerade gegenseitig hoch und auch Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat das seine dazu beigetragen. Der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hingegen warnt nun vor einer "Militarisierung des Denkens". Und Teheran begrüßt solche Worte. Noch ist also nichts verloren, noch gibt es Hoffnung.

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