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Politik

Teheran gibt Pakistan Mitschuld an Blutbad

Nach dem blutigen Selbstmord-Anschlag auf seine mächtigen Revolutionsgarden hat der Iran schwere Vorwürfe gegen Pakistan und auch die USA erhoben. Bei dem Attentat waren am Sonntag mehr als 40 Menschen getötet worden.

Flaggen Iran/Pakistan (Fotomontage: DW)

Iran nimmt Pakistan ins Visier

Wie staatliche iranische Medien berichten, bekannte sich eine radikale Sunnitengruppe namens "Dschundallah" - zu deutsch: "Gottessoldaten" - zu dem verheerenden Anschlag in der Provinz Sistan-Balutschistan an der Grenze zu Pakistan. Nach eigenen Angaben kämpfen die "Dschundallah" für die Rechte der sunnitischen Minderheit im Iran. Die mehr als 70 Millionen Iraner gehören zu mehr als 90 Prozent der schiitischen Glaubensrichtung des Islam an.

Iran droht mit Vergeltung

Mahmud Ahmadinedschad (Foto: AP)

Mahmud Ahmadinedschad

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad forderte ein "schnelles Vorgehen gegen die Verantwortlichen dieses terroristischen Verbrechens". Seine Regierung habe erfahren, dass "gewisse Agenten" in Pakistan mit den Hauptverantwortlichen des Attentats zusammenarbeiteten, sagte Ahmadinedschad. Der Chef der Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, drohte den Rebellen mit einer "harten und zerstörerischen" Reaktion.

Die USA wiesen Vorwürfe des iranischen Parlamentspräsidenten Ali Laridschani zurück, auch sie seien in den Anschlag verwickelt. Diese Informationen seien "komplett falsch", erklärte das Außenministerium in Washington. "Wir verurteilen diesen terroristischen Akt und bedauern den Verlust von unschuldigen Menschenleben." Pakistan wies die Vorwürfe ebenfalls zurück und verurteilte das Attentat.

Hochrangige Todesopfer

Nur Ali Schuschtari (Foto: IRNA)

Nur Ali Schuschtari

Bei dem Anschlag in der Stadt Pischin waren am Sonntag (18.10.2009) nach jüngsten Meldungen mindestens 42 Menschen getötet worden, unter ihnen mehrere ranghohe Kommandeure der Revolutionsgarden. Augenzeugen berichteten, ein Mann habe während eines Treffens von Stammesführern mit den Kommandeuren der Revolutionsgarden an seinem Körper versteckte Sprengsätze gezündet. Unter den Todesopfern befänden sich auch der Vize-Kommandeur der Landstreitkräfte, General Nur Ali Schuschtari, und der Kommandeur der Garden in Sistan-Balutschistan, General Mohammed Sadeh, heißt es.

Die Provinz Sistan-Balutschistan gilt als die gefährlichste Gegend des Iran. Schmuggler, Banditen und vor allem Drogenhändler treiben dort ihr Unwesen. Es kommt immer wieder zu Entführungen und zu Feuergefechten mit Sicherheitskräften. Auch die Gruppe "Dschundallah" soll im Drogenhandel aktiv sein. Sie hatte sich auch zu einem Anschlag auf eine Moschee in Sahedan bekannt, bei dem im Mai 25 Menschen getötet worden waren. 13 Mitglieder der "Dschundallah" wurden im Zusammenhang mit dem Anschlag verurteilt und hingerichtet.

Eigenständiger Kampfverband

Kommandeurtreffen der Revolutionsgarden (Archivfoto: AP)

Kommandeurtreffen der Revolutionsgarden (2007)

Die iranischen Revolutionsgarden waren nach der Islamischen Revolution 1979 mit dem Ziel gegründet worden, das Khomeini-Regime vor inneren und äußeren Bedrohungen zu schützen und die Werte der Revolution hochzuhalten. Die Garden unterstehen direkt dem obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei. Derzeit gehören den sogenannten "Pasdaran" etwa 125.000 Mann in Heer, Luftwaffe und Marine an. Die Garden operieren unabhängig von der regulären Armee, die schätzungsweise rund 400.000 Soldaten umfasst.

Autor: Christian Walz (dpa/ap/afp/rtr)
Redaktion: Reinhard Kleber

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