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Kultur

Teenie-Sex: alles halb so wild

Trotz Pornofilmen im Internet – die sexuelle Entwicklung von Jugendlichen in Deutschland hat sich nicht verändert, sagen Experten. Und sie haben auch nicht früher den ersten Geschlechtsverkehr als ihre Eltern damals.

Mit Adamsblatt bedeckter Frauenkörper

Ein Drittel aller Jugendlichen im Alter von 18 Jahren hat heute noch keinen Geschlechtsverkehr

"Der Freund eines Freundes hatte schon mal Gruppensex", sagt Maximilian und lacht dabei ein wenig. Er ist mit lockeren Kommentaren zur Stelle, wenn es um Sex geht. Der 20-jährige Azubi aus der sächsischen Stadt Leipzig sammelte seine ersten sexuellen Erfahrungen vor fünf Jahren. Seinen ersten Sex habe er mit seiner Freundin gehabt, mit der er dann auch vier Jahre zusammen gewesen sei.

Schmusendes junges Paar (Foto: Jörg Lange)

Der Zeitpunkt für den ersten Sex hat sich bei Jugendlichen nicht nach vorn verschoben

Maximilian ist mit seinen sexuellen Erfahrungen durchaus typisch für Jugendliche in Deutschland. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln befragt regelmäßig Jugendliche zum Thema Sex. Demzufolge hat etwa die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland ihren ersten Geschlechtsverkehr im Alter von 15 oder 16 Jahren. Der Zeitpunkt des "ersten Mals" habe sich dabei in den vergangenen Jahren nicht nach vorn verschoben. Damit widerspricht das Institut einer in der Öffentlichkeit gängigen Meinung. Tatsächlich, so eine Sprecherin des Instituts, hätte rund ein Drittel der Jugendlichen im Alter von 18 Jahren noch gar keinen Geschlechtsverkehr gehabt. "Es ist ein Mythos, dass die Jugendlichen viel eher Geschlechtsverkehr haben. Es ist immer noch so wie früher", erläutert René Schubert, Sexualpädagoge in Sachsen. Was er im Unterricht Sexualkunde erfährt, deckt sich also mit den Zahlen der Behörde.

Die Sexualaufklärung ist besser geworden

David Riha kritisiert, dass zu oft von Einzelfällen auf die gesamte Jugend gefolgert werde. Der Sexualpädagoge bei Pro Familia in Brandenburg bezieht sich dabei konkret auf das Buch "Deutschlands sexuelle Tragödie" des ehemaligen Pastors Bernd Siggelkow. "In dem Buch handelt es sich um ausgewählte Jugendliche, die die Arche aufgesucht haben. Eine Institution, die gezielt benachteiligte Jugendliche anspricht", sagt Riha. Seiner Meinung nach sei deren Sexualverhalten nicht zu verallgemeinern. Es müsse differenziert werden, von welchen Gruppen von Jugendlichen man spreche.

Heißluftballon in Form eines Kondoms (AP Photo/Ermindo Armino)

Früher oder später starten - wichtig ist, die Maßnahmen zur Verhütung zu kennen

Experten weisen darauf hin, dass sich zudem die Sexualaufklärung in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe. Dies gilt als wichtige Bedingung für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Sexualität. Während in den 80er Jahren lediglich 46 Prozent der Jungen von ihren Eltern aufgeklärt wurden, sind es heute 65 Prozent. Bei den Mädchen liegt die Quote inzwischen sogar bei 75 Prozent, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Entwicklung ist nicht verwunderlich, denn Eltern, die heute mit ihren Kindern das Gespräch suchen, sind zum Teil selbst in antiautoritären Kinderläden groß geworden. In vielen Familien gibt es heute ausreichend Aufklärung.

Porno-Filme im Internet – keine Angst vor Panikmache

"Der offenere Umgang mit Sexualität in vielen Familien erleichtert eine gesunde Sexual-Entwicklung enorm", sagt die Leipziger Schwangerschafts-Konfliktberaterin Catrin Dix. Heute wisse man, dass Kinder bereits ab einem Alter von nur einem Jahr beginnen, mit ihrer Sexualität umzugehen. Und wenn es um die Suche nach Informationen um das Thema ginge, fiele es in eine Zeit, in der sich ein Jugendlicher von den Eltern abgrenzen wolle und sein eigenes Standing suche, so Dix. Sie plädiert dafür, Kinder noch vor der Pubertät aufzuklären.

"Viele Jugendliche, vor allem auch Jungs, suchen sich darüber hinaus Informationen aus dem Internet", sagt Sexualpädagoge David Riha. Und nicht wenige hätten auch schon Porno-Filme im Netz gesehen. Gerade bei 13- oder 14-Jährigen, die noch nie Sex gehabt hätten, sei das alles andere als anstrebenswürdig. "Es gibt jedoch Studien, die belegen, dass alle Jugendlichen verschiedene Quellen einbeziehen, sodass nicht generell von einer medienbedingten Verwahrlosung gesprochen werden kann", warnt Riha vor Panikmache. Denn hätten die Jugendlichen einmal ihre Neugier im Internet gestillt, sei es oft auch gut.

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