Tedesco bei Schalke auf Stevens Spuren | Fußball | DW | 19.11.2017
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Bundesliga-Story

Tedesco bei Schalke auf Stevens Spuren

Schalke 04 arbeitet sich in der Tabelle auf Rang 2 vor und bedient sich dabei der Taktik eines alten Meisters. Trainer Domenico Tedesco scheint den richtigen Ton gefunden zu haben.

"Die Tabelle ist nur eine Momentaufnahme, aber wir genießen diesen Moment", sagt Schalkes Mittelfeldmotor Max Meyer nach dem 2:0 (1:0)-Sieg seiner Mannschaft gegen den Hamburger SV. Scheinbar abgeklärt, ergänzt er noch ein "Nicht mehr und nicht weniger". Dabei haben er und seine Schalker gerade geschafft, was es seit fünf Jahren nicht mehr gegeben hat: Rang zwei, nur noch die Bayern stehen noch weiter oben.

Der HSV hatte es den Schalkern "wirklich sehr schwer gemacht", resümierte Torwart Ralf Fährmann nach der Partie in der ARD, "aber trotzdem sind wir mit jeder Faser konzentriert gewesen. Wir wussten, wie der Gegner spielen wird, was auf uns zukommen wird und haben das einfach sehr souverän gemacht." Souverän verwandelte Fraco di Santo in der 16. Minute seinen Foulelfmeter, souverän sorgte Guido Burgstaller in der 77. Minute für den 2:0-Endstand.

Deutschland Bundesliga Schlake 04 gegen Hamburger SV | Burgstaller (Getty Images/Bongarts/L. Baron)

Guido Burgstaller verwandelt völlig freistehend zum 2:0 für Schalke 04 gegen den Hamburger SV

Die Null muss stehen

Viel mehr Chancen, das darf nicht unerwähnt bleiben, hatten die Gastgeber vor 62.000 Zuschauern auch gar nicht. "Wir stehen sehr kompakt, lassen hinten fast gar nichts zu", erklärte Meyer, der sich einer Schwäche durchaus bewusst ist: "Wir spielen keinen überragenden Offensiv-Fußball, das wissen wir, aber wir machen immer unser Tor und hinten steht die Null."

"Hinten steht die Null" - dieser Terminus ist durchaus bekannt auf Schalke, hat vor zwei Jahrzehnten sogar zum Gewinn des UEFA-Pokals geführt. Der Verfechter dieses Systems damals: Trainer-Legende Huub Stevens. Der aktuelle Chef-Übungsleiter, Domenico Tedesco, muss sich solche Meriten erst noch verdienen. Angesprochen auf Stevens, erzählt er, dass er Stevens tatsächlich kürzlich getroffen habe, dass der ein "toller Mensch" sei, man sich aber auch über anderes als über Fußball unterhalten habe. Trotzdem: Stevens scheint Tedesco infiziert zu haben.

Denn unisono loben die Spieler die "Kompaktheit". "Abwehrarbeit fängt beim Stürmer an", weiß Torwart Fährmann. Das hatte zu Anfang der Saison noch nicht geklappt. Rang neun nur nach sieben Spielen - erste Zweifel wurden laut am jungen Trainer ohne Bundesliga-Erfahrung. Doch der inzwischen 32-Jährige, der selbst nie hochklassig Fußball spielte, der bis zum Sommer gerade mal auf ein paar Monate Berufserfahrung beim Zweitligisten Erzgebirge Aue zurückblickte, blieb ruhig. Tedesco ließ das Team weiter nach seinen Vorstellungen trainieren, formte weiter an den Supertalenten Leon Goretzka, der diesmal verletzt fehlte, sowie Max Meyer, den er vom eher offensiven Mittelfeldmann zum "Sechser" machte.

1. Bundesliga 12. Spieltag | FC Schalke 04 - Hamburger SV | Ralf Fährmann (Getty Images/Bongarts/L. Baron)

Komplexer Trainer, kompaktes Team - Torwart Fährmann ist voll des Lobes für Tedesco

Fachwissen und Gen vom lieben Gott

Es dauerte ein Weilchen, aber inzwischen scheinen die Spieler verstanden zu haben. "Es gibt Typen, die einen in den Bann ziehen können, wenn sie etwas erzählen oder erklären. Dieses Gen hat er vom lieben Gott mitbekommen", erklärte Fährmann kürzlich bei Eurosport. Dazu besitzt er ein brutales Fachwissen. Das macht ihn zu einem der komplexesten Trainer, denen ich jemals begegnet bin."

Wenn es so weitergeht, werden auch die Fans auf Schalke Domenico Tedesco anbeten. So wie einst Huub Stevens. Denn eines hat er mit den Schalkern schon geschafft in den wenigen Wochen, die er die Verantwortung trägt. Platz zwei in der Tabelle bedeutet auch, vor dem verhassten Nachbarn aus Dortmund zu stehen. "Die Nummer eins im Pott sind wir", sangen sie denn auch gleich nach dem Führungstor durch di Santo gegen Hamburg. Und am kommenden Wochenende geht es ausgerechnet zum BVB. Max Meyer stapelt zwar noch ein wenig tief, spricht von einem "fifty-fifty-Spiel", aber dann sagt er doch: "Wir können mit breiter Brust nach Dortmund fahren." Das hatten sie auf Schalke schon lange nicht mehr.

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