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Nahost

Teddy Kollek beigesetzt

Der ehemalige Bürgermeister von Jerusalem, Theodor "Teddy" Kollek, ist auf dem Herzl-Berg in Jerusalem beigesetzt worden. Kollek war am Dienstag (2.1.2007) im Alter von 95 Jahren gestorben. Ein Nachruf von Peter Philipp.

Teddy Kollek bei der Präsentation seines Buches Jerusalem und ich am 28.9.1995 in Stuttgart

Teddy Kollek war als Bürgermeister von Jerusalem stets um ein friedliches Nebeneinander der Religionen bemüht

Eigentlich war er 1965 zum Bürgermeister des damals israelischen West-Jerusalem gewählt worden. Zwei Jahre später aber erfüllte sich der Traum vieler Israelis und die Trennmauer zwischen Ost- und Westteil fiel, nachdem Israel auch den Osten mit seiner Altstadt und der Klagemauer erobert hatte. Unversehens war Teddy Kollek zum Bürgermeister von ganz Jerusalem geworden. Eine Funktion, in die er bis 1993 sechsmal gewählt wurde. Wie kein anderer prägte Kollek diese Stadt, die in jeder Hinsicht im Zentrum des Nahostkonflikts steht und die drei Weltreligionen heilig ist. Und es war dem überzeugten Zionisten Kollek klar, dass es in Jerusalem nur Kompromisse geben könne, um ein einigermaßen friedliches Zusammenleben von Juden, Muslimen und Christen, von Israelis und Arabern, zu ermöglichen.

So war es für Kollek zwar nie eine Frage, dass der 1967 eroberte Ostteil der Stadt mit dem Westen vereint bleiben und Teil Israels sein müsse – obwohl die Vereinten Nationen doch eigentlich 1947 in ihrem Teilungsplan für Palästina eine Internationalisierung der Stadt vorgeschlagen hatten. Aber es war dem jüdischen Bürgermeister doch auch klar, dass man die Rechte und Interessen der verschiedenen Volks- und Religionsgruppen in der Stadt respektieren und schützen müsse. So dachte er schon früh an ein System von "Borroughs“ – wie in London – in denen die verschiedenen Gruppen sich weitgehend autonom selbst verwalten könnten. Die Idee wurde nie umgesetzt, aber Kollek machte sich dennoch stark für die Belange auch der Ostjerusalemer Araber.

Vorbereitungen für die Gründung Israels

Diese Politik entsprang nicht nur der Einsicht, was für ein friedliches Zusammenleben notwendig war, sondern Kollek hatte das Miteinander verschiedener Völker und Religionen von klein auf miterlebt: Am 27. Mai 1911 wurde er in der Nähe von Budapest geboren, er wuchs in Wien auf und schloss sich früh der Zionistischen Bewegung an, nach dessen aus Wien stammenden Gründer, Theodor Herzl, ihn die Eltern genannt hatten. 1935 wanderte er nach Palästina aus – rechtzeitig vor dem Anschluss Österreichs.

Er gehörte zu den Gründern des Kibbutz Ein Gev – am Ufer des Sees Genezareth, am Fuße der Golan-Höhen. Die Vorbereitungen zur Gründung eines jüdischen Staates und die politische Entwicklung in Europa ließen ihn bald international aktiv werden: In Europa gelang es ihm sogar, Adolf Eichmann zur Freilassung mehrerer Tausend junger Juden zu überreden, in den USA bemühte er sich um Waffenlieferungen für die jüdische Untergrundarmee "Hagana“ und als dann der Staat gegründet wurde, war Sozialdemokrat Kollek jahrelang enger Mitarbeiter von Staatsgründer David Ben-Gurion.

Politiker mit Hang zur Ordnung

Eine wirklich zentrale Rolle aber begann Kollek als Bürgermeister Jerusalems zu spielen: Unermüdlich setzte er sich weltweit dafür ein, dass die Stadt Hilfe zum Erhalt ihrer historischen Stätten bekommt und dass sie gleichzeitig aber auch eine moderne und lebenswerte Stadt würde. Morgens war Kollek meist der Erste im Rathaus, abends verließ er es als Letzter. Um dann noch bei "Fink’s“, der historischen Jerusalemer Kneipe, mit Isaac Stern ein Bier zu trinken oder an einer der unzähligen Großveranstaltungen teilzunehmen, die sich um ihn als Gastredner oder doch wenigstens Ehrengast rissen. Da nahm man ihm es auch nicht übel, wenn er dann plötzlich mitten in der Veranstaltung einnickte.

Teddy Kollek im Gespräch mit Johannes Rau bei einem Besuch des früheren Bundespräsidenten in Jerusalem im Jahre 2003

Teddy Kollek suchte den Dialog mit deutschen Politikern


Teddy Kollek blieb immer, was man in Israel "Jekke“ nennt – ein deutschstämmiger Jude, unter anderem mit einem besonderen Hang zu Ordnung. Als zum Beispiel einmal orientalische Jugendliche vor dem Rathaus demonstrierten, da öffnete sich im obersten Stock ein Fenster und Kollek rief herunter: “Aber nicht auf dem Rasen…“ Mit Deutschland hat Kollek immer gute Beziehungen unterhalten, ohne dabei die Vergangenheit zu vergessen oder zu verdrängen. Und auch aus Deutschland wurde ihm viel Sympathie entgegengebracht. Und das nicht nur, weil er es immer wieder verstand, auf die langen Jahre des gemeinsamen Schicksals von Jerusalem und Berlin als geteilte Städte hinzuweisen.

1993 unterlag Kollek einem jungen Politiker, der zuvor im Außenministerium gearbeitet hatte und dem "Likud“ angehörte, der damals die Regierung bildete: Ehud Olmert. Es war ein Wechsel in der Geschichte der Stadt. Kollek zog sich ins Privatleben zurück, reiste aber trotz seines hohen Alters weiterhin durch die Welt. Nur wurde es still um ihn. Dienstagfrüh starb er 95-jährig in Jerusalem.