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Afrika

Taylor verteidigt Ausstellen von Totenschädeln

Der als Kriegsverbrecher angeklagte frühere Präsident Liberias, Charles Taylor, hat im Prozess vor dem Sondertribunal für Sierra Leone das Ausstellen von Schädeln getöteter Soldaten verteidigt.

Kindersoldaten auf einem LKW (Foto: AP)

Hat es angeblich nie gegeben: Kindersoldaten in Liberia

Am Donnerstag (17.07.2009) sagte der wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagte Charles Taylor vor dem Sondertribunal in Den Haag, er habe nichts Falsches darin gesehen, Totenschädel als "Symbole des Todes" zu zeigen. "Wenn Du schlecht handelst, dann ist das das Ergebnis", wollte er damit zeigen, so der 61-Jährige. Die National Patriotic Front of Liberia (NPFL) unter der Führung von Charles Taylor hatte nach ihrem Einmarsch in Liberia 1989 an Kontrollpunkten die Köpfe getöteter Soldaten des damaligen Präsidenten Samuel Doe ausgestellt.

Leugnet Einsatz von Kindersoldaten

Taylor sagte, er habe das Ausstellen der Schädel nicht angeordnet, habe aber auch nichts Falsches darin gesehen. Außerdem bestritt Taylor, während des Bürgerkriegs in Liberia Kindersoldaten eingesetzt zu haben.

Während seiner ersten Aussage als Zeuge der Verteidigung warf er vor dem Tribunal in Den Haag am Dienstag (14.07.2009) der Staatsanwaltschaft vor, sie stütze sich mit ihren Vorwürfen nur auf gezielt verbreitete Verleumdungen. In grauem Maßanzug mit goldenen Manschettenknöpfen sagte er: "Ich habe mein ganzes Leben für das gekämpft, was ich im Sinne von Gerechtigkeit und Fairness für richtig hielt." Als 21. Präsident Liberias habe er immer nur das Beste für sein Volk gewollt.

"Extreme Grausamkeiten"

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (Foto: dpa)

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag

Nach der alles in allem 30.000 Seiten umfassenden Anklageschrift hat Taylor dagegen die für extreme Grausamkeiten berüchtigte Rebellentruppe "Revolutionäre Vereinigte Front" -RUF- mit Waffen ausgerüstet und sich damit gleichzeitig den Zugriff auf Diamantenminen im benachbarten Sierra Leone gesichert. Er sei, so heißt es dort, mitschuldig an Morden, Terrorakten, Massenvergewaltigungen, sexueller Versklavung, systematischer Verstümmelung von Dorfbewohnern und an der Zwangsrekrutierung tausender Kinder als Kämpfer.

Furcht vor Unruhen

Der heute 61-jährige Angeklagte ist der erste afrikanische Ex-Staatschef, der sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor einem internationalen Gericht verantworten muss. Bereits zu Beginn des Verfahrens vor dem Sondergericht für Sierra Leone im April 2006 hatte er sich für unschuldig erklärt und alle elf Anklagepunkte zurückgewiesen. Aus Furcht vor Unruhen war das Verfahren gegen ihn schließlich in die Niederlande verlegt worden.

Flüchtlingstreck in Liberia (Foto: AP)

Auf der Flucht vor den Gräueltaten während des Bürgerkrieges

Taylor war 2003 von liberianischen Rebellen in die Flucht getrieben worden. Nach drei Jahren im Exil lieferte ihn die Regierung Nigerias schließlich an das Sondergericht für das westafrikanische Sierra Leone aus. Dem zehn Jahre langen Bürgerkrieg waren dort nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 250.000 Menschen zum Opfer gefallen.

In wochenlangen Anhörungen hat die Staatsanwaltschaft bislang 91 Zeugen präsentiert. Unter diesen befanden sich viele, denen Rebellen im Krieg Hände oder Arme abgehackt hatten. Eine Frau beschrieb, wie sie einen Sack mit abgeschlagenen Köpfen schleppen musste - darunter war auch der Schädel eines ihrer Kinder.

Urteil im kommenden Jahr

Taylors Verteidigung erklärte, man leugne nicht, dass in Sierra Leone furchtbare Gräueltaten begangen worden seien. Die Schuld des ehemaligen liberianischen Staatschefs sei jedoch keineswegs bewiesen. Für die Befragung Taylors und weiterer Zeugen sind bis zu acht Wochen vorgesehen. Mit einem Urteil wird Mitte kommenden Jahres gerechnet. (chr/win/gri/dpa/afp/ap)

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