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Nahost

Taxi Kairo – ein Bestseller aus Ägypten

In seinem Roman "Taxi Kairo" erzählt der Ägypter Khaled Al Khamissi Geschichten von Taxifahrten in Kairo. 2006 erschienen wurde das Buch schnell zum Bestseller – nicht nur in Ägypten

Straße in Kairo (Foto: AP)

In den Straßen von Kairo spielen sich viele Alltagsgeschichten ab

Insgesamt achtundfünfzig Kurzgeschichten umfasst der ägyptische Bestseller "Taxi Kairo". Alle spielen auf den Straßen der ägyptischen Hauptstadt Kairo - und alle spielen immer in einem Taxi. Der Protagonist ist in jeder Erzählung der Taxifahrer - der eigentliche Geschichtenerzähler. Auf der anderen Seite steht der Autor selbst. Khaled Al-Khamissi, der auch als Journalist arbeitet, erzählt die Geschichten auf eine so authentische Art, dass beim Lesen der Eindruck entsteht, als hätte er alles selbst erlebt. Doch er betont, dass sein Buch nicht aus Reportagen besteht. Die Geschichten habe er alle frei erfunden - aber mit einem starken Bezug zur Realität, sagt er. Die Idee, die dahinter steckt, sei, "Geschichten zu schreiben, die nicht unbedingt mir passiert sind. Geschichten, die jeden Tag und tausendfach passieren und die ägyptische Psychologie mehr oder weniger widerspiegeln", fügt der Autor hinzu.

Offenes und mobiles Theater

Kahled Al-Khamissi (Foto: DW)

Khaled Al-Khamissi beim berliner Literaturfestival

Auf den Straßen von Kairo spiegelt sich die ganze Gesellschaft wider, erzählt der Autor, und es seien die Taxifahrer, die die besten Geschichten dieser Straßen erleben. Neben den vielen anderen Fahrzeugen, rollen circa 80.000 Taxis auf den Straßen der ägyptischen Metropole. In ihrer Arbeit kommen Taxifahrer mit ganz unterschiedlichen Menschen und Geschichten in Berührung. Das mache aus dem Transportmittel "Taxi" ein offenes und mobiles Theater, sagt Khaled Al-Khamissi. Und: "Die Taxifahrer sind ein erstaunliches Medium für Alltagsgeschichten. Die Leute steigen ins Taxi ein, erzählen ihre Geschichten, die die Fahrer wiederum anderen Kunden weiter erzählen."

Zudem schreibt Khaled Al-Khamissi über Taxifahrer, weil sie dramaturgische Persönlichkeiten sind, wie er sagt. Sie alle verbindet das Schicksal der Arbeits- und manchmal auch der Perspektivlosigkeit. "Taxi fahren ist kein richtiger Beruf. Das sind Leute, die keine Arbeit haben, die aber versuchen, sich durch die Zeit durch zu schlagen, und suchen gleichzeitig weiter nach einem Job", sagt der Autor.

Dramaturgische Persönlichkeiten

Taxifahrer in Kairo beim Zeitungslesen (Foto: AP)

Mehr als 80.000 Taxis rollen in den Straßen Kairos

Der vorübergehende Zustand kann aber Jahre dauern, schreibt der Autor in seinem Prolog. So findet man unter den Taxifahrern Menschen mit den verschiedensten Biographien: Analphabeten, Handwerker oder aber auch Akademiker, die mehrere Stunden am Tag hinter dem Steuer sitzen und die verschmutzte Luft der Stadt einatmen müssen. Das Tageseinkommen reicht meist nur für die Ausgaben des nächsten Tages.

Alle Achtundfünfzig Kurzgeschichten laufen ähnlich ab: der Autor steigt ins Taxi ein, beschreibt den Wagen und den Fahrer, dann kommt es zu einem Gespräch zwischen den beiden, und am Ende bezieht der Autor Stellung. Alle Dialoge hat Khaled Al-Khamissi im ägyptischen Dialekt geschrieben. Manche Literaturkritiker sind allerdings damit nicht zufrieden. Doch der Autor nimmt diese Kritik gelassen. Es wäre nicht authentisch, Dialoge und Alltagsgeschichten über Taxifahrer, die sie eigentlich selbst erzählen, auf Hocharabisch zu schreiben, sagt Khaled Al-Khamissi.

"Bücher liest keiner"

Cover der englischen Übersetzung von Taxi Kairo (Foto: Aflame)

Taxi Kairo wurde bereits in mehreren Sprachen übersetzt

Doch es ist diese Authentizität der Dialoge sowie der starke Realitätsbezug der Geschichten, die "Taxi Kairo" erfolgreich gemacht haben. Deshalb wurde das Buch zum Bestseller, der an manchen Stellen die Machthaber in Ägypten unmittelbar an den Pranger stellt. Wie "Taxi Kairo" den Zensurbehörden entkommen konnte, kann der Autor allerdings nur erahnen. "Ich denke, die Regierung geht bislang stark davon aus, dass keiner Bücher liest. Deshalb konzentriert sie sich darauf, alles Audiovisuelles zu zensieren, weil das eigentlich die Massenmedien sind. Eine Daily-Soap wird von 15 oder 20 Millionen Menschen geschaut. Bei einem Buch war das bisher nie der Fall", erklärt Khaled Al-Khamissi. "Taxi Kairo" wurde bereits auf mehreren Sprachen übersetzt. Eine deutsche Fassung kommt bald auf den Markt.

Autor: Khalid El Kaoutit

Redaktion: Sarah Mersch