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Fokus Osteuropa

Tauziehen zwischen Prishtina und Belgrad um Energiezufuhr im Nordkosovo

Kommt der Strom aus der Steckdose aus Kosovo oder Serbien? Was banal klingt, ist im Kosovo ein Politikum. Der Streit der kosovarischen Serben mit dem lokalen Stromlieferanten eskaliert.

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Stromzufuhr in Nordkosovo gekappt

Der serbische Stromlieferant Elektroprivreda (EPS) versorgt mittlerweile ausschließlich die mehrheitlich serbisch bewohnten Gebiete des Nordkosovo. Hintergrund ist, dass der Stromversorger des Kosovo, KEK, die Belieferung des Nordens aus vorgeblich technischen Gründen eingestellt hat. KEK gibt seinerseits als Grund für die Einstellung der Lieferung an, dass die Serben im Nordteil des Kosovo in das Leitungssystem eingegriffen und damit eine Havarie ausgelöst hätten. So seien faktisch die Stromsysteme getrennt worden. Die Regierung des Kosovo sieht darin einen illegalen Eingriff Serbiens in das Stromnetz des Kosovo und die Verletzung der Souveränität durch einen benachbarten Staat.

Gegenseitige Vorwürfe

Die serbischen Parallelinstitutionen in Mitrovica hingegen, die die Unabhängigkeit des Kosovo nicht anerkannt haben, beschuldigen im Gegenzug KEK, aus politischen Gründen die Stromlieferungen in das Nordkosovo eingestellt zu haben. Viktor Buzhala, der Sprecher des kosovarischen Energieversorgers, weist das vehement zurück: „Es handelt sich um einen gewaltsam herbeigeführten Zusammenbruch des Netzes. Dieser wurde durch Überlastungen ausgelöst, die dadurch entstanden sind, dass die Netzbetreiber im Norden die Anforderungen der KEK nicht erfüllt haben, wie die Energie auf die Netze zu verteilen ist.“ Er fügt hinzu, dass der Verdacht naheliegt, dass diese Störung absichtlich durch die serbische Seite ausgelöst wurde und kündigt eine Untersuchung an.

Kompetenzgerangel

Unmittelbar nach der Stromunterbrechung von Seiten der KEK begann nämlich EPS mit der Versorgung der betroffenen Landesteile. EPS unterhält seit Ende des Kosovokriegs Beschäftigte im Norden des Landes. KEK verweist zudem darauf, dass die meisten Serben im Norden des Kosovo ihre Stromrechnungen nicht bezahlen würden, obwohl sie kontinuierlich mit Strom von KEK-Kraftwerken versorgt werden. Radoje Kreckovic, Direktor der Elektroprivreda für Kosovo, kündigt an, die Serben würden bald wieder für ihren Strom zahlen – allerdings nicht an die KEK: „Die serbischen Einwohner von Nordkosovo werden ihre Gebühren an die serbische EPS zahlen.“ KEK-Sprecher Buzhala hält jedoch dagegen, dass EPS kein Recht habe, Gebühren im Kosovo zu erheben: „KEK ist der einzige legale Energieversorger im Kosovo und damit auch als einziger zum Ablesen der Zähler und zur Rechnungsstellung für die verbrauchte Energie befugt. Alles andere wäre illegal.“

Die internationale Schutztruppe KFOR hat nun beide Seiten aufgefordert, eine einvernehmliche Lösung zu finden und betont, dass die Energieversorgung der Region ein Sicherheitsfaktor ist. Störungen in der Versorgungssicherheit könnten ethnische Spannungen hervorrufen.

Autor: Bekim Shehu

Redaktion: Birgit Görtz

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