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Wirtschaft

Tauziehen ums Gas

Die Folgen des russisch-ukrainischen Streits um Gaslieferungen bekommen nun auch Tschechien und die Türkei zu spüren. Dagegen ist die Gasversorgung in Deutschland bisher nicht beeinträchtigt.

Der Zeiger eines Gasdruckmessgerätes in der Nähe von Kiew steht auf Null (Quelle: AP)

Der Zeiger steht auf Null: Nicht nur in der Ukraine kommt weniger russisches Gas an

Das Gezerre zwischen Russland und der Ukraine um die Gaslieferungen geht in die nächste Runde: Moskau hat am Sonntag (04.01.2009) seine Preisforderung nochmals erhöht. Der russische Gasmonopolist Gazprom fordert von der Ukraine nunmehr 450 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas. Bevor die Verhandlungen an Silvester abgebrochen worden waren, hatte Russland noch von 250 Dollar je 1000 Kubikmeter gesprochen. Danach schraubte Gazprom das Angebot auf 418 Dollar. 2008 hatte die Ukraine das Gas für 179,5 Dollar erhalten. Künftig will Kiew maximal 210 Dollar dafür zahlen.

Der ukrainische Gasversorger Naftogas erklärte, im Falle einer Preiserhöhung auf 450 Dollar würden auch die Gebühren für die Durchleitung von Gas nach Westeuropa entsprechend erhöht. Die Ukraine warnte derweil vor ernsten Lieferengpässen in Europa.

Weniger Gas für weitere europäische Länder

Das Hauptquartier von Gazprom in Moskau (Quelle: AP)

Der russische Gasgigant Gazprom macht Druck

Gazprom hatte der Ukraine am Donnerstag im Streit um ausstehende Rechnungen und die künftige Preisgestaltung den Gashahn zugedreht. Der Lieferstopp macht sich trotz anderslautender Beteuerungen nun doch zunehmend auch in Europa bemerkbar. Nachdem Rumänien, Ungarn, Polen und Bulgarien am Samstag zumindest zeitweilige Rückgänge bei den Gaslieferungen aus Russland registriert haben, meldete am Sonntag auch die tschechische RWE Transgas, das weniger Gas aus Russland ankomme. Auch aus der Türkei wurde ein Rückgang gemeldet.

Alexander Medwedew (Quelle: AP)

Gazprom-Vize-Chef Medwedew setzt auf alternative Routen

Westeuropa bezieht etwa 80 Prozent seiner Gaslieferungen aus Russland, der Großteil davon wird durch Pipelines in der Ukraine geleitet. Der stellvertretende Gazprom-Chef Alexander Medwedew erklärte, der Konzern nutze nun alternative Routen, die nicht durch die Ukraine gingen. Deren Kapazität sei aber nicht ausreichend. Die Haltung der Ukraine sei inakzeptabel.

In Kiew hatte der Energieberater des Präsidenten, Bohdan Skolowski, am Samstag gesagt, dass es in rund zwei Wochen Folgen für die europäischen Kunden haben werde, wenn sich Gazprom weiterhin weigere, die Ukraine zu beliefern. Delegationen beider Seiten reisten in europäische Städte und bemühten sich, sich als verlässlicher Energiepartner zu präsentieren.

Deutschland weiterhin nicht betroffen

In Deutschland gibt es bislang keine Lieferengpässe. "Die Erdgas-Lieferungen nach Deutschland bewegen sich im normalen Rahmen der bestellten Mengen", erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Martin Weyand, am Sonntag in Berlin. Die deutsche Gaswirtschaft sorge etwa mit dem Bezug von Erdgas aus verschiedenen Ländern und langfristigen Verträgen für sichere Lieferungen. Außerdem verfüge die deutsche Gasbranche über das größte Speichervolumen in der Europäischen Union.

Alexandr Vondra vor Flaggen der EU-Staaten mit Handy am Ohr (Quelle: AP)

Der tschechische Vize-Ministerpräsident Vondra will nicht vermitteln

Die Europäische Union setzte für Montag ein Krisentreffen von Abgesandten der Streitparteien in Brüssel an und pochte auf die Einhaltung der Lieferverträge. Eine Vermittlerrolle lehnt sie allerdings ab. Der tschechische Vize-Ministerpräsident Alexandr Vondra nannte die Sicherung der Energieversorgung dennoch ein Schlüsselthema für die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft seines Landes. Europas Gasreserven reichten aber fürs Erste aus.

Gegenseitige Schuldvorwürfe

Russland und die Ukraine beschuldigten sich abermals gegenseitig, die Gaszufuhr nach Westen zu drosseln. Gazprom warf der Ukraine vor, illegal Gas aus den Pipelines abzuzweigen - ein Sechstel der für Westeuropa vorgesehenen Menge. Das Land bestreitet das und wirft Russland Erpressung vor.

Beide Länder wollen nun das jeweils andere vor das internationale Schiedsgericht für Handelsfragen in Stockholm zerren. Gazprom zufolge stehen noch 614 Millionen Dollar aus, mit denen die staatliche ukrainische Naftogas für das vergangene Jahr noch in der Kreide stehe. Naftogas betonte dagegen, alle Gas-Schulden für das vergangene Jahr bezahlt zu haben. (kle)

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