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Fokus Südosteuropa

Tauwetter in kroatisch-serbischen Beziehungen

Die Eiszeit, die jahrelang zwischen Serbien und Kroatien herrschte, scheint beendet zu sein. Die Präsidenten der beiden Länder, Ivo Josipovic und Boris Tadic, haben sich inoffiziell in Kroatien getroffen, zum ersten Mal.

Serbiens Präsident Boris Tadic und sein kroatischer Amtskollege Ivo Josipovic bei Händeschütteln im Hafen von Opatija, Kraotien (Foto: AP)

Boris Tadic (li.) und Ivo Josipovic (re.) bei ihrem ersten Treffen in Opatija

"Unsere Beziehungen sind neu aufgewärmt. Wir planen weitere Zusammenkünfte wie diese unter guten Nachbarn", sagte Kroatiens Präsident Ivo Josipovic am Mittwoch (24.03.2010) vor Journalisten in der kroatischen Küstenstadt Opatija. Er sehe der Zukunft sehr optimistisch entgegen. "Dieser Schritt ist definitiv gut für die Zukunft", ergänzte sein Amtskollege aus Serbien, Boris Tadic.

Beide Präsidenten wollen die bilateralen Beziehungen auf den Prinzipien einer europäischen Partnerschaft und mit Blick auf die gemeinsame Zukunft in der europäischen Familie aubauen.

Zwangloses Treffen

Blick auf die Adria mit Opatijas Wahrzeichen einer Frauenstatue, die Gruß an das Meer heißt (Foto: dpa)

Ergebnisreicher Dialog in idyllischer Umgebung

Rund zwei Stunden lang waren die Präsidenten und ihre Mitarbeiter mit einem Schiff der kroatischen Kriegsmarine von der Insel Krk nach Opatija unterwegs. Die Initiative zu diesem Treffen sei von beiden Staatsmännern ausgegangen, heißt es. Sie wollen auch über schwierige Themen reden, die bislang unter den Teppich gekehrt wurden oder in gegenseitigen Vorwürfen ausgeartet sind.

Dazu gehören auch die wechselseitigen Klagen wegen Völkermordes vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. "Es wäre gut, wenn wir uns außergerichtlich einigen könnten", sagte Tadic in einer gemeinsamen Presseerklärung mit seinem Kollegen. "Dies bedeutet aber nicht, dass wir von Kriegsverbrecherprozessen gegen die Täter absehen. Alle, die Kriegsverbrechen begangen haben, müssen sich dafür verantworten." Kroatien hatte 1999 die damalige Bundesrepublik Jugoslawien wegen Genozids während des Kroatien-Krieges in den 1990er-Jahren angeklagt. Belgrad reagierte im Januar 2010 mit einer Gegenklage. "Wenn wir uns in den Punkten einigen können, die Gegenstand der Klage sind, dann macht die Klage keinen Sinn mehr", ergänzte Josipovic.

Ende der Eiszeit

Außensichts des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag (Foto: IGH)

Rücknahme der Klage wegen Genozid nicht ausgeschlossen

Die Eiszeit in den bilateralen Beziehungen hatte ihren Tiefpunkt, als der serbische Präsident Tadic nicht zur Amtseinführung seines kroatischen Amtskollegen erschien, weil der Präsident des von Serbien nicht anerkannten Kosovo eingeladen war. Die Beziehungen zwischen Serbien und Kroatien hatten sich weiter verschlechtert, nachdem Kroatien die für Belgrad abtrünnige Provinz Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt hatte.

Schon zu Zeiten von Josipovics Vorgänger Stjepan Mesic waren die Beziehungen der beiden Länder schlecht gewesen. Belgrad war damals erbost darüber, dass einer der letzten Staatsbesuche Mesics dem Kosovo galt. Darüber hinaus hatte Mesic einem für den Mord an einer serbischen Familie verurteilten Kriegsverbrecher die Strafmilderung erteilt. Zagreb wiederum reagierte pikiert auf die Gegenklage Serbiens vor dem IGH wegen Völkermord.

Dieser offene Umgang mit den Problemen aus der Vergangenheit scheint ein neues Kapitel in den kroatisch-serbischen Beziehungen einzuläuten.

Autorinnen: Tatjana Mautner / Mirjana Dikic

Redaktion: Julia Kuckelkorn

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