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Politik

Tauwetter in den libysch-amerikanischen Beziehungen

Nach mehr als 50 Jahren diplomatischer Eiszeit zwischen den USA und Libyen besucht US-Außenministerin Condoleezza Rice das nordafrikanische Land. Ein historischer Moment in den Beziehungen beider Länder.

Condoleezza Rice (AP)

Condoleezza Rice zu Besuch in Libyen

John Foster Dulles mit seiner Ehefrau (AP)

John Foster Dulles: Der letzte US-Außenminister, der Libyen besuchte

John Foster Dulles war der letzte US-Außenminister, der - 1955 – Libyen besuchte. Damals herrschte dort noch König Idris, und die Beziehungen zwischen Washington und Tripolis schienen in Ordnung und zum Vorteil beider Seiten. Unter anderem, weil die USA Militärstützpunkte in Libyen unterhalten konnten. Erdöl wurde erst Ende der fünfziger Jahre gefunden - ein weiterer Grund für Washington, die Beziehungen mit Libyen zu intensivieren. König Idris aber wurde 1969 gestürzt und unter Revolutionsführer Muammar al Gaddafi verschlechterten sich die bilateralen Beziehungen zusehends.

Amerikanisch-libysche Eiszeit

Schon ein Jahr nach dem Putsch verließ das US-Militär Libyen und es begann eine Eiszeit zwischen beiden Ländern, die geprägt war von gegenseitigen Beschimpfungen und Vorwürfen: US-Präsident Reagan bezeichnete Gaddafi als "tollwütigen Hund". So setzten die USA Libyen auf die Liste der Staaten, die den internationalen Terrorismus förderten. Washington hatte jeden Grund dafür, denn Libyen war verantwortlich für den Anschlag auf eine Berliner Diskothek 1986, in der überwiegend amerikanische Soldaten verkehrten. Auch steckte Libyen zweieinhalb Jahre später hinter dem Anschlag auf eine Panam-Maschine über dem schottischen Lockerbie, bei dem über 259 Passagiere umkamen, die meisten von ihnen US-Bürger.

Militärische Vergeltung und Sanktionen

Muammar al Gaddafi (AP)

Muammar al Gaddafi - Libyens "Revolutionsführer" (Archivfotos)

Nach dem Anschlag in Berlin versuchten die USA, Gaddafi mit militärischer Vergeltung zu strafen, nach Lockerbie setzten sie weitreichende Sanktionen gegen Libyen durch, die auch von den meisten Europäern unterstützt wurden. Ein langwieriger Vorgang war die Folge, in dessen Verlauf Libyen schließlich die Tatverdächtigen auslieferte und einem Prozess sowie auch Entschädigungszahlungen zustimmte. Gegenüber den USA setzte die Veränderung aber erst nach dem Irak-Krieg im Jahr 2003 ein. Libyen verzichtete offiziell auf seine Bemühungen um die Herstellung von Massenvernichtungswaffen und übergab den USA Materialien, die es in Nordkorea bestellt hatte. Seitdem öffnete Washington sich gegenüber Tripolis und auch in Europa - besonders in Brüssel und Paris - wurde Muammar al Gaddafi plötzlich wieder offen hofiert.

Aufnahme diplomatischer Beziehungen

Im Jahr 2004 nahmen die USA und Libyen wieder diplomatische Beziehungen auf und die USA verzichteten auf ihre letzten Sanktionsmaßnahmen wie auf die Behandlung des Landes als Terror-Sponsor. Amerikanische Firmen begannen sofort, in Libyen zu investieren und es wird spekuliert, dass Washington auch deswegen so rasch vorpreschte, weil Libyen die größten Erdölvorkommen Afrikas hat.

Entschädigungen für Anschlagsopfer stehen noch aus

Die nach dem Attentat abgestürzte Panam nahe Lockerbie (AP)

Bei dem Absturz der Panam nahe Lockerbie starben mehr als 259 Menschen

Offen blieb noch die Frage der Entschädigung für die Opfer von 1986 und 1988 in Berlin, Libyen und Lockerbie. Am 14. August vereinbarten beide Seiten aber, dass "Hunderte von Millionen Dollar" an wohltätige Einrichtungen überwiesen werden sollen. Bisher ist dies zwar nicht geschehen, für Condoleezza Rice war die Vereinbarung aber das Signal, die Normalisierung der letzten Jahre mit einem ersten offiziellen Besuch auch formell zu würdigen. Dabei stört sie sich ebenso wenig an den Protesten der Opfer-Familien von Lockerbie wie Gaddafi an verwunderten Fragen seiner Bürger. Die Annäherung, so meinte er, sei der beste Weg, einander künftig in Ruhe zu lassen.

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