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Aktuell Asien

Tausende Tote nach Taifun auf Philippinen befürchtet

Der Taifun "Haiyan" hat auf den Philippinen eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Gesicherte Zahlen gibt es noch nicht, aber die Behörden in der Provinz Leyte sprechen inzwischen von 10.000 Toten.

Video ansehen 02:06

Taifun bringt Tod und Zerstörung

Damit liegt die Zahl der Opfer offenbar weit höher als zunächst erwartet. Allein in der Provinz Leyte gehen die Behörden von mindestens 10.000 Toten aus, wie die Polizei mitteilte. Das Rote Kreuz spricht von mehr als 1200 Todesopfern. Dabei handele es sich um Schätzungen der Mitarbeiter vor Ort, sagte der Chef der Hilfsorganisation, Richard Gordon. Gesichert sind die Zahlen nicht, auch weil die Gebiete teils noch immer von der Außenwelt abgeschnitten sind. Geborgen wurden bislang einige Hundert Leichen.

"Wie nach einem Tsunami"

Rund 70 bis 80 Prozent der Infrastruktur sind nach Einschätzung des Roten Kreuzes in Leyte zerstört. Hohe Wellen hätten ganze Küstenorte weggeschwemmt. Die meisten Opfer ertranken in den Wassermassen, die sich laut Augenzeugen mit zahlreichen Trümmerteilen ähnlich wie ein Tsunami den Weg ins Landesinnere bahnten. Fotos aus dem Katastrophengebiet zeigen Menschen inmitten von Trümmerbergen, kaum ein Gebäude hat dem Sturm standgehalten. Auf Luftaufnahmen sind ganze Landstriche zu sehen, die verwüstet sind, mit umgestürzten Bäumen und den Überresten von Gebäuden

.

Chaotische Szenen spielten sich in der Hafenstadt Tacloban ab: Augenzeugen aus Tacloban sprachen von fünf Meter hohen Wellen, die durch die mit 220.000 Einwohnern größte Stadt der Provinz Leyte schossen. Hunderte Leichen lägen in den Straßen. Neben Hunger, Verzweiflung und Gewalt gibt es zunehmend Meldungen von Plünderungen.

Verheerende Zerstörungen werden auch von der Nachbarinsel Samar und weiteren Inseln im Zentrum der Philippinen gemeldet. "Etwas von einer solchen Größenordnung habe ich das letzte Mal nach dem Tsunami im Indischen Ozean gesehen", sagte Sebastian Rhodes Stampa, UN-Chefkoordinator für Katastrophen-Einsätze. "Es handelt sich um ein enormes Ausmaß an Zerstörung."

Die Notversorgung gestaltet sich schwierig, weil Flughäfen, Häfen und Straßen schwer beschädigt sind. Helfer versuchen sich zu Fuß und mit Mopeds durchzuschlagen. Es gibt kein Trinkwasser, keinen Strom, keine Nahrungsmittel.

Internationale Hilfe läuft an

Das US-Verteidigungsministerium kam nach eigenen Angaben einem Hilfegesuch der philippinischen Regierung nach und ordnete die Entsendung von Soldaten zur Unterstützung der Hilfsmaßnahmen an. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon versprach schnelle Hilfe durch die Vereinten Nationen. Das Welternährungsprogramm (WFP) teilte in Genf mit, ein Vorausteam sei zur Einschätzung der Lage nach Tacloban entsandt worden. Zudem werde der Transport von 40 Tonnen Lebensmittel vorbereitet, die 120.000 Menschen einen Tag lang ernähren könnten. Die EU-Kommission gab drei Millionen Euro Soforthilfe für die Opfer auf den Philippinen frei.

Zerstörung so weit das Auge reicht (Foto: Reuters)

Zerstörung so weit das Auge reicht

Die ersten Helfer aus Deutschland befinden sich auf dem Weg in das Katastrophengebiet. Ein Vorausteam des Technischen Hilfswerkes (THW) wird am Sonntag in der Hauptstadt Manila erwartet. Die Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany entsandte 24 Ärzte, Pfleger und Rettungsassistenten.

Video ansehen 01:48

Nach dem Taifun: Bilder des Grauens (09.11.2013)

Das Team will nach Angaben der Duisburger Hilfsorganisation einen Behandlungsplatz aufbauen, in dem täglich etwa tausend Menschen medizinisch versorgt werden können. Im Gepäck haben die Helfer auch zwei Tonnen Arzneimittel des Medikamenten-Hilfswerks "action medeor".

Inzwischen besuchte auch der philippinische Präsident Benigno Aquino die Krisenregion. Es gehe jetzt darum, die Infrastruktur wieder aufzubauen, sagte Aquino. Nach Angaben lokaler Meiden kritisierte er, dass trotz Vorwarnungen keine besseren Vorbereitungen zum Schutz der Menschen getroffen worden waren.

Der Sturm war am Freitag mit Windstärken von mehr als 300 Kilometern pro Stunde über den Inselstaat in Südostasien hinweggefegt und ist damit einer der stärksten Taifune, die jemals auf Land trafen. In der Region, wo der Wirbelsturm besonders schwere Verwüstungen anrichtete, leben rund vier Millionen Menschen.

"Haiyan" nahm inzwischen, deutlich abgeschwächt, Kurs auf Vietnam. Dort soll er vermutlich als tropischer Sturm auf Land treffen. 600.000 Menschen waren vorsorglich in Sicherheit gebracht worden.

qu/se (dpa, afp, rtr)

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