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Aktuell Asien

Tausende protestieren gegen Regierung

Mit einem "Revolutionsmarsch" wollen Oppositionspolitiker den pakistanischen Premierminister Nawaz Sharif zum Rücktritt zwingen. Kritiker werfen ihnen vor, dem Militär in die Hände zu spielen.

Pakistans Premierminister Nawaz Sharif habe die Parlamentswahl im Mai vergangenen Jahres nur durch Betrug gewonnen: In diesem Vorwurf sind sich der ehemalige Kricket-Star Imran Khan von der Partei PTI und der

kanadisch-pakistanische Prediger Tahirul Qadri

von der PAT einig. Sie fordern Sharifs Rücktritt und vorgezogene Neuwahlen. Ihren Forderungen wollten sie am Donnerstag, dem pakistanischen Unabhängigkeitstag, mit getrennten Märschen von Lahore in die Hauptstadt Islamabad Nachdruck verleihen.

"Es wird ein völlig friedlicher, gewaltloser und demokratischer Marsch", erklärte Mitinitiator Qadri in einer Ansprache an seine Anhänger. "Wir wollen arme Menschen von ihrer Armut befreien. Unsere Revolution wird ein wirklich demokratisches System schaffen." Allerdings meldete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur, dass er PAT-Anhänger mit Schlagstöcken, Masken und Helmen gesehen habe.

Auch Khan schwor seine Mitstreiter vor Beginn des Marsches ein: "Wenn ihr Erfolg habt, dann wird es Gerechtigkeit in Pakistan geben." Khan gilt als pakistanischer Nationalheld seit er das Land 1992 zum Sieg beim Cricket World Cup führte. 1996 gründete er die Partei PTI, die bei den letzten Wahlen drittstärkste Kraft wurde.

Zu Fuß, mit Bus, Auto und Lastwagen

Pakistan Massenproteste gegen Sharif-Regierung 14.08.2014

Mit Lastwagen, Autos, Bussen oder zu Fuß wollen die Demonstranten nach Islamabad ziehen.

Am Morgen zogen Tausende Demonstranten von Lahore in das 300 Kilometer entfernte Islamabad. Einige nutzten Autos, Busse und Lastwagen, andere gingen zu Fuß. Nach Angaben des Fernsehsenders Geo TV sollen sich an Khans Protestzug etwa 7000 Menschen und an Qadris rund 5000 Menschen beteiligen. Es wird erwartet, dass sich unterwegs weitere Menschen den Zügen anschließen.

Wann die Demonstranten in der pakistanischen Hauptstadt eintreffen, ist unklar. Zudem ist nicht sicher, ob sie auch tatsächlich in die Stadt ziehen können. In den vergangenen Tagen wurden die meisten Straßen in die Stadt mit Schiffscontainern und Stacheldraht abgeriegelt. 20.000 Polizisten sind im Einsatz.

Kritiker werfen PTI und PAT vor,

dem Militär bei der Destabilisierung der Regierung zu helfen

und damit die öffentliche Aufmerksamkeit von wichtigen Themen wie der Offensive gegen die Taliban und der Wirtschaftsentwicklung des Landes abzulenken. Die Militärs missbilligen die Annäherungspolitik Sharifs an den Erzrivalen Indien.

Beginnende Revolution gegen Zivilregierung?

Weitere Differenzen zwischen dem Militär und Sharif bestehen in der Afghanistan-Politik und in der Frage des Umgangs mit dem inhaftierten Ex-Militär- und Staatschef Pervez Musharraf. Das Militär sieht sich außerdem mit Kritik von Menschenrechtsaktivisten und Teilen der Presse wegen seines Vorgehens in Unruheregionen konfrontiert. Die Generäle haben Sharif im Verdacht, solche Kritiker insgeheim zu bestärken, weil er die Macht der Armee einschränken wolle, so Beobachter in Pakistan. Sie sprechen sogar von einer beginnenden Revolution gegen die gewählte Zivilregierung. In der 67-jährigen Geschichte Pakistans gab es bislang drei Putsche.

Premierminister Sharif hatte bereits am Dienstagabend auf die Ankündigung der Proteste reagiert und eine gerichtliche Prüfung von Vorwürfen der Wahlfälschung angekündigt. Der Oberste Gerichtshof werde eine dreiköpfige Kommission zur Prüfung der Vorwürfe bilden, sagte Sharif in einer Fernsehansprache.

ab/kle (afp, ap, dpa)