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Welt

Tausende Norweger ehren Opfer

Nach dem Doppelanschlag in Oslo und auf der Insel Utoya haben sich Hunderttausende auf den Straßen der Hauptstadt versammelt und gedachten mit einem "Rosen-Marsch" der 76 Toten. Auch in anderen Städten gab es Blumenzüge.

Menschenmenge, jeder einzelne Teilnehmer hält eine Rose hoch (Foto: dapd)

"Heute sind unsere Straßen mit Liebe gefüllt", sichtlich bewegt von so viel Solidarität, wandte sich Kronprinz Haakon am Montagabend an die unzähligen Menschen, die sich nahe des Osloer Hafens zum "Rosen-Marsch" versammelt hatten. Drei Tage nachdem der rechtsradikale Norweger Andres Behring Breivik 76 Menschen getötet hatte, kamen die Norweger landesweit zu "Blumenzügen" zusammen.

Facebook-Aufruf zum "Rosen-Marsch"

Ministerpräsident Jens Stoltenberg (l.) und die königliche familie mit Rosen in den Händen (Foto: dapd)

Aufruf zu Zusammenhalt und Solidarität

Kronprinz Haakon legte in seiner Ansprache die sonst übliche royale Zurückhaltung ab: "Nach dem 22. Juli gibt es keine Ausrede mehr für den Kampf um eine freie und offene Gesellschaft." Dabei forderte der Prinz als Antwort auf Gewalt nicht Härte oder höhere Strafen, sondern Zusammenhalt. Haakons Ehefrau Prinzessin Mette-Marit weinte, während die Menschen immer wieder mitgebrachte Rosen in die Höhe hielten. Der Kronprinz gab seinen Zuhörern mit auf den Weg, dass man die schrecklichen Morde nicht ungeschehen machen könne - "aber wir können wählen, was sie mit uns machen."

Auch Ministerpräsident Jens Stoltenberg war angesichts der riesigen Menschenmenge ergriffen. Er sei jetzt völlig sicher, dass Norwegen "diese Prüfung bestehen wird." Zu der Gedenkversammlung war im Internet über Facebook aufgerufen worden. Der 52-jährige sozialdemokratische Regierungschef versprach seinen Landsleuten: "Wir werden uns unsere Geborgenheit zurückerobern." Er forderte als Reaktion auf die Attentate, dass sich die Norweger aktiv für eine weiter offene, liberale und tolerante Demokratie einsetzen mögen.

Menschenmenge, jeder einzelne Teilnehmer hält eine Rose hoch (Foto: dapd)

Kronprinz Haakon rief seinen Landsleuten zu: "Heute sind unsere Straßen mit Liebe gefüllt"

Namen der Opfer werden veröffentlicht

Stoltenberg zeigte sich überzeugt, dass der Anschlag Norwegen verändern werde. Es werde von nun an ein Norwegen vor und ein Norwegen nach dem Doppelanschlag geben, sagte er zuvor dem britischen Rundfunksender BBC. Sein Land werde aus der Tragödie "lernen". Keine Gesellschaft könne sich "100-prozentig vor Terror- und Gewaltakten schützen", erklärte Stoltenberg.

Die norwegische Polizei will am Dienstag (26.07.2011) die Namen der 76 Todesopfer bei den Anschlägen vom Freitag veröffentlichen. 68 von ihnen hatte der Attentäter bei einem Massaker auf der Insel Utoya getötet. Zuvor starben acht Menschen durch die platzierte Bombe im Osloer Regierungsviertel. Die meisten Todesopfer sind Jugendliche, die an einem sozialdemokratischen Sommerlager teilgenommen hatten.

Polizei wusste vom Chemikalienkauf

Der mutmaßliche Mörder Anders Behring Breivik hat in einer ersten gerichtlichen Anhörung seine Taten gestanden und zugleich auf "nicht schuldig" plädiert. Er sprach auch von "zwei weiteren Zellen" seiner Organisation, die ebenfalls gewaltbereit seien. Der zuständige Richter ordnete eine achtwöchige Untersuchungshaft für den 32-Jährigen an. Vier Wochen davon in Isolationshaft.

Die norwegische Polizei räumte indes ein, bereits im März auf Breivik aufmerksam gemacht worden zu sein. Er sei auf einer Liste aufgetaucht, weil er bestimmte Chemikalien in Polen gekauft hatte. Es hätten jedoch nicht genügend Informationen vorgelegen, um weiter zu ermitteln.

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, dpa, rtr)
Redaktion: Susanne Eickenfonder

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