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Aktuell Afrika

Tausende neue Kindersoldaten im Südsudan

Die anhaltende Gewalt im Südsudan trifft besonders die Kinder. Hunderttausende sind auf der Flucht. Mindestens 16.000 Heranwachsende wurden laut UNICEF binnen zwei Jahren von bewaffneten Gruppierungen zwangsrekrutiert.

Kindersoldat im Südsudan (Archivfoto: picture-alliance/dpa)

Kindersoldat im Südsudan (Archivbild)

Nach Einschätzung des UN-Kinderhilfswerks UNICEF wurden die Kinder seit Beginn des bewaffneten Konflikts vor zwei Jahren von den verschiedenen Konfliktparteien gewaltsam in ihren Dienst genommen. Die bewaffneten Gruppierungen haben es dabei nach UNICEF-Informationen vor allem auf Jungen abgesehen, aber auch Mädchen werden rekrutiert. Der Begriff "Kindersoldat" wecke dabei zum Teil falsche Vorstellungen. Die Kinder würden nicht immer als Kämpfer eingesetzt, sondern zum Teil auch als Träger oder als Überbringer von Nachrichten an Orte geschickt, die wegen der Kämpfe besonders gefährlich sind.

Lage der Kinder "besorgniserregend"

Trotz der Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen den Konfliktparteien im August gebe es "kaum Zeichen der Besserung", sagte UNICEF-Sprecher Christophe Boulierac in Genf. Die blutige Gewalt dauere fast im ganzen Land an. Landesweit würden zudem weiterhin Kinder ermordet, entführt und sexuell missbraucht. Die Situation für die Kinder sei im Konfliktgebiet besorgniserregend.

In Afrikas jüngstem Staat, der erst 2011 unabhängig geworden war, eskalierte im Dezember 2013 ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem einstigen Stellvertreter, Rebellenführer Riek Machar. Dabei ringen auch verschiedene Volksgruppen um Einfluss. Bei den Kämpfen in dem trotz reicher Ölvorkommen bitterarmen nordostafrikanischen Land wurden seitdem zehntausende Menschen getötet, darunter rund 1500 Kinder. Etwa 1,5 Millionen Menschen sind im Südsudan auf der Flucht, 700.000 haben sich in die Nachbarländer gerettet. Mehr als 900.000 Kinder, ein Großteil von ihnen jünger als fünf Jahre, sind laut UNICEF allein unter den Binnenflüchtlingen. Mehr als 400.000 Kinder hätten keinen Zugang mehr zu schulischer Bildung.

Die Bevölkerung flieht aber nicht nur vor der allgegenwärtigen Gewalt. Eine Hungersnot, als Folge des Krieges, breitet sich in dem Land aus. Die Felder sind nicht bestellt, das Vieh von marodierenden Kämpfern gestohlen oder getötet. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) wissen etwa vier der elf Millionen Südsudanesen nicht, woher sie die nächste Mahlzeit bekommen sollen.

Weltweit laut Schätzungen 250.000 Kindersoldaten

Kindersoldaten gibt es nicht nur in Afrika. Die Vereinten Nationen veröffentlichen jedes Jahr eine sogenannte "Liste der Schande" über Armeen und bewaffnete Gruppen, die Minderjährige in ihren Reihen haben. In Syrien und im Irak rekrutiert zum Beispiel der sogenannte "Islamische Staat" gezielt Kinder und Jugendliche. Die Terrormiliz Boko Haram in Nigeria zwingt teilweise Kinder, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen.

Auch in Afghanistan, Kolumbien oder auf den Philippinen werden Mädchen und Jungen als Kindersoldaten missbraucht. Schätzungen gehen von 250.000 Kindersoldaten weltweit aus.

qu/jj (afp, UNICEF)