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Afrika

Tausende fliehen vor Konflikt im Südsudan

Im Osten des Südsudan sind erneut Kämpfe zwischen zwei Volksgruppen ausgebrochen. Tausende Menschen sind auf der Flucht. Die beiden Ethnien waren früher Verbündete - heute stecken sie in einer blutigen Gewaltspirale.

Was sich derzeit im Osten des südsudanesischen Bundesstaates Jonglei abspielt, ist ein weiteres Kapitel in einem brutalen Konflikt um Vieh, Einfluss und Rache. Bewaffnete Jugendliche der Volksgruppe Lou Nuer aus dem Norden des Bundestaates greifen seit über einer Woche Dörfer der Volksgruppe Murle im Süden an. Bislang kamen laut südsudanesischen Behörden dabei mindestens 70 Menschen ums Leben. Der betroffene Bezirk Pibor ist wegen der Regenzeit allerdings schwer zugänglich. "Die Sicherheitskräfte können noch nicht einmal zu Fuß vorwärts kommen, denn das Feuchtgebiet ist jetzt zu nass", sagt Kuol Manyang Juuk, Gouverneur von Jonglei, der DW. Eine Reporterin der Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) überflog am Freitag (12.07.2013) das Gebiet und berichtet, sie habe hunderte bewaffnete Kämpfer und viele brennende Hütten gesehen.

Ehemalige Verbündete bekämpfen sich

Seit mehr als 50 Jahren gibt es Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen in Jonglei, dem größten der zehn südsudanesischen Bundesstaaten, etwa von der Fläche der Schweiz und Österreichs zusammen. Die rund anderthalb Millionen Angehörigen der Lou Nuer leben als Viehhalter im Norden. Der Gruppe der Murle im Süden gehören etwa 500.000 Menschen an. Als Nomaden ist ihre Lebensgrundlage ebenfalls die Viehhaltung. Im langjährigen Konflikt mit dem Nordsudan hatten sich die beiden Stämme häufig gegen Angriffe von Milizen aus dem Norden verbündet - und haben sich deshalb im Laufe der Jahre mit Waffen versorgt. Inzwischen ist der Südsudan aber ein unabhängiger Staat, und die beiden Volksgruppen richten ihre Waffen jetzt aufeinander.

Karte des Südsudan mit dem Bundesstaat Jonglei (Grafik: DW)

Der Konflikt in Jonglei könnte die Stabilität im gesamten Südsudan gefährden

Bei einem Übergriff der Murle wurden im August 2011 rund 600 Angehörige der Lou Nuer getötet. Bei diesem Überraschungsangriff sollen nicht nur Hunderte von Rindern gestohlen sondern auch mehr als hundert Frauen und Kinder entführt worden sein. Ein halbes Jahr später starteten die Lou Nuer einen blutigen Gegenangriff. Seitdem kam es immer wieder zu Racheakten, so auch der aktuelle Übergriff. Laut südsudanesischen Behörden sollen diesmal wieder Frauen und Kinder entführt worden sein. "Wir erkennen derzeit das Vermächtnis eines lang andauernden und zermürbenden Konfliktes, der unser südsudanesisches Volk traumatisiert und schwer bewaffnet zurückgelassen hat", sagt Francis Deng, Vertreter des Südsudan bei den Vereinten Nationen.

Armee scheitert bei Entwaffnung

Die südsudanesischen Sicherheitskräfte sind zu schwach, um den Konflikt unter Kontrolle zu bekommen: Ihre Truppen sind in Likwangule stationiert, hundert Kilometer von Pibor entfernt. "Sie haben keine Hubschrauber, mit denen sie Truppen zum Einsatz gegen die Lou Nuer bringen könnten. Wir können nichts machen“, klagt Gouverneur Juuk. "Die Menschen müssen irgendwie selbst zu den Soldaten kommen." Bislang sind alle Versuche der Regierung gescheitert, die Volksgruppen endgültig zu entwaffnen. "Die Menschen fühlen sich nicht in Sicherheit und wollen ihre Waffen nicht abgeben", sagt Emmanuel Kisiangani, Politikwissenschaftler am Institut für Sicherheitsstudien (ISS), das seinen Sitz im südafrikanischen Pretoria hat. "Deshalb versucht es die Regierung manchmal mit Gewalt - und nicht immer professionell. Die Menschen haben daher das Gefühl, dass die Regierung sie angreift."

Junger Viehirt der Murle in Pibor (Foto: dapd)

Murle wie Lou Nuer leben von der Viehhaltung

Ein Grund, weshalb eine Rebellengruppe die südsudanesische Armee in der Region bekämpft. Rebellen-Anführer David Yau Yau wolle gegen Korruption und Übergriffe der Armee kämpfen, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters. Auch deshalb haben Tausende ihre Heimatdörfer verlassen und sich vor den verschiedenen Kämpfen in Sicherheit gebracht.

International wächst die Sorge, die beiden Konflikte könnten die Stabilität des Südsudan gefährden, der erst am 9. Juli den zweiten Jahrestag seiner Gründung gefeiert hatte. Die Vereinten Nationen riefen die südsudanesischen Behörden auf, eine Eskalation der Gewalt zu verhindern. Die UN-Mission im Südsudan (UNMISS), vor kurzem um zwei weitere Jahre verlängert, soll den Frieden in dem jungen Staat unterstützen. Ein Sprecher sagte am Sonntag (14.07.2013), die UNMISS werde ihre militärische Präsenz in Pibor jetzt verstärken. 

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