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Afrika

Tausende fliehen vor Kämpfen in Libyen

In mehreren Städten Libyens ist es erneut zu erbitterten Kämpfen zwischen Gaddafi-Truppen und den Rebellen gekommen. Mehr als 20.000 Menschen sollen nach Tunesien oder auf die italienische Insel Lampedusa geflohen sein.

Vollverschleierte Frau hält gerahmtes Foto eines jungen Mannes in die Höhe (Foto: ap/dapd)

Eine Mutter trauert um ihren toten Sohn, der auf Seiten der Rebellen gekämpft hat

Kämpfe wurden am Sonntag (08.05.2011) sowohl direkt aus Misrata, als auch aus der Ortschaft Burgeja westlich von Misrata gemeldet. Zu Gefechten kam es nach Agenturmeldungen zudem in den Städten Sintan und Wasin. Diese Städte liegen zwischen der Hauptstadt Tripolis und der Grenze zu Tunesien. Tausende Menschen seien vor den Kämpfen nach Tunesien geflohen, sagte ein Rebellensprecher. Andere Flüchtlinge versuchten, sich auf Booten in Richtung der italienischen Insel Lampedusa in Sicherheit zu bringen.

NATO fliegt Angriffe

NATO-Kampfflugzeuge flogen am Sonntag einem Medienbericht zufolge wieder Luftangriffe auf Ziele in Tripolis. Ein im Einzugsgebiet der Hauptstadt wohnender Augenzeuge berichtete der Nachrichtenagentur AFP, die Flugzeuge hätten am Nachmittag die Stadt überflogen. Kurz darauf seien im Westen heftige Explosionen zu hören gewesen. Unklar war demnach, was das Ziel der Angriffe war. Die NATO flog nach Angaben der Rebellen auch einen Luftangriff auf ein Waffendepot der libyschen Regierung. Es habe sich etwa 30 Kilometer südöstlich von Sintan befunden, sagte ein Sprecher der Aufständischen. Auf Basis einer UN-Resolution bombardiert die NATO seit Wochen Stellungen von Gaddafis Truppen, um diese von Angriffen auf die Bevölkerung abzuhalten.

Rebellen feuern ein Luftabwehrgeschütz ab (Foto: ap)

Rebellen feuern ein Luftabwehrgeschütz ab

Die libysche Armee hatte zuvor bei einem Luftangriff mehrere Öltanks der Rebellen in Misrata zerstört. "Vier Tanks wurden dabei ganz zerstört und ein riesiges Feuer ist ausgebrochen", sagte Rebellensprecher Ahmed Hassan der Nachrichtenagentur Reuters. "Jetzt hat die Stadt ein großes Problem: Dies waren die einzigen Benzinvorräte." In den Tanks hätten Vorräte für drei Monate gelagert.

Nur die gefüllten Tanks seien zerstört worden, sagte Ahmed Montasser, ein anderer Vertreter der Rebellen. Daraus leitete er ab, dass jemand die exakten Koordinaten für den Angriff durchgegeben und dass Gaddafi Spitzel in der von den Rebellen gehaltenen Stadt habe.

Vorwurf: Illegale Kriegsführung

Die Rebellen warfen den Gaddafi-Truppen illegale Kriegsführung vor. Aufständische berichteten im arabischen Sender Al-Dschasira, dass die Gaddafi-Milizen Sanitätshubschrauber einsetzten, um den Hafen zu verminen. "Die Hubschrauber haben Kennungen des Roten Kreuzes und Roten Halbmonds, so dass jeder an humanitäre Hilfe denkt", sagte ein Sprecher der Rebellen. Nach Darstellung der "New York Times" setzten die Belagerer zudem erneut Streubomben gegen Misrata ein. Diese Waffen werden von den meisten Ländern geächtet – allerdings nicht von den USA und von China. In diesem Fall seien die Bomben aus chinesischer Produktion gewesen. Sie seien unter anderem mit Raketen auf den Hafen abgefeuert worden. Zwei Menschen seien durch die kleinen, heimtückischen Sprengsätze ums Leben gekommen, berichtete die Zeitung. Bei der Zerstörung der Tanks der Rebellen hatten Gaddafis Militärs Agrarflugzeuge zu Bombenabwürfen eingesetzt. Auch dies gilt als illegale Kriegsführung.

Bomben gehen in Tunesien nieder

Die Städte Sintan und Wasin in den Bergen südwestlich von Tripolis seien am Samstag von Gaddafis Soldaten mit Raketen beschossen worden, wie Aufständische mitteilten. Mindestens neun Aufständische wurden demnach getötet, rund fünfzig weitere verletzt. Die Bevölkerung und die Rebellen seien zur Flucht aus Wasin gezwungen gewesen. Rund 20.000 Menschen seien über die nahe tunesische Grenze geflohen, sagte ein Rebellensprecher.

Gaddafi-Truppen feuerten auch wieder Artilleriegeschosse auf Tunesien ab. Am Samstag mussten Schulen im tunesischen Grenzort Dehiba geschlossen werden, nachdem nahezu hundert Granaten und Raketen niedergegangen waren. Die tunesische Regierung verurteilte das "extrem gefährliche" Bombardement. Sie warnte, sie werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die nationale Sicherheit zu schützen. Libyen erklärte, nicht absichtlich auf tunesischen Boden gezielt und sich bereits entschuldigt zu haben.

Menschen suchen Heil in der Flucht

Ein Flüchtling aus Libyen wird auf der Insel Lampedusa notversorgt (Foto: ap)

Ein Flüchtling aus Libyen wird auf der Insel Lampedusa notversorgt

Vor den Kämpfen in Libyen flohen am Wochenende auch tausende Menschen über das Mittelmeer in Richtung der italienischen Insel Lampedusa. Die Überfahrt über das Mittelmeer erwies sich dabei am Sonntag erneut als lebensgefährlich: Ein bereits von der italienischen Küstenwache begleitetes Boot fuhr mit 300 bis 500 Flüchtlingen nahe des Hafens von Lampedusa auf einen Felsen. An Bord brach Panik aus, viele Flüchtlinge - darunter Frauen und Kinder - sprangen ins Wasser. "Nur dank des gemeinsamen Einsatzes von Küstenwache, Finanzpolizei, Polizei, Carabinieri, Hilfsorganisationen, aber auch anwesenden Reportern und Bürgern der Insel, konnten alle Menschen gerettet werden", teilte der Kommandant der Hafenpolizei, Antonio Morana, mit. Die meisten der Nordafrikaner hätten nicht schwimmen können.

Am Freitag war ein Boot mit rund 600 Menschen an Bord vor der libyschen Küste bei Tripolis gesunken. Italienischen Medienberichten zufolge kamen dabei Dutzende Flüchtlinge ums Leben.

Autor: Martin Schrader (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Gerd Winkelmann

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