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Nahost

Tausende fliehen aus umkämpftem Lager

Tausende Palästinenser haben eine Waffenruhe bei den Kämpfen um das Lager Nahr al-Bared im Norden des Libanons zur Flucht genutzt. Dem Lager Baddawi, wo viele ankommen, droht nun der Kollaps.

Menschen nach ihrer Flucht aus Nahr al-Bared, Quelle: AP

Menschen nach ihrer Flucht aus Nahr al-Bared

Nach den schweren Kämpfen der vergangenen Tage mit 68 Toten haben tausende Palästinenser das umkämpfte Lager Nahr al-Bared im Norden des Libanon fluchtartig verlassen. Zu Fuß oder in Autos zusammengepfercht nutzten die verängstigten Menschen am Mittwoch (23.5.07) eine brüchige Waffenruhe zwischen Islamisten und Armee zur Flucht in die benachbarte Flüchtlingssiedlung Baddawi und in die Hafenstadt Tripoli. Nach inoffiziellen Schätzungen ist die Hälfte der rund 40.000 Bewohner geflüchtet.

Fatah gegen Fatah-al-Islam?

Ein Kämpfer der Fatah al-Islam, Quelle: AP

Ein Kämpfer der Fatah al-Islam

Wie aus Regierungskreisen in Beirut verlautete, verhandelt die Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora inzwischen mit der Palästinenser-Fraktion Fatah darüber, ob 300 ihrer Kämpfer in das Flüchtlingslager geschickt werden sollen, um die Milizionäre der Fatah-al-Islam-Extremisten dort in die Enge zu treiben. "Alle palästinensischen Fraktionen haben sich darauf geeinigt, dafür zu sorgen, dass Fatah al-Islam aus Nahr al-Bared verschwindet", sagte Fatah-Sprecher Sultan Abu Al-Ainein.

Den Einsatz von Gewalt wollte Sultan Abu Al-Ainein nicht ausschließen. Die libanesische Armee hat zu den zwölf palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon gemäß einem Abkommen keinen Zutritt. Die sunnitische Extremistengruppe Fatah-al-Islam bekräftigte, sie wolle die Waffenruhe respektieren, schloss aber zugleich aus, ihre Waffen niederzulegen und aufzugeben.

Palästinenser in Nahr al-Bared berichteten, ihre Kinder hätten während der Kämpfe tagelang ohne Essen auskommen müssen. Zahlreiche Zivilisten seien getötet worden. Palästinenser, die das Lager verließen, erklärten, in Nahr al-Bared seien Verwundete gestorben, weil keine Krankenwagen in das Lager hätten fahren können. Hilfsorganisationen äußerten sich besorgt.

Ansturm auf Baddawi

Den Flüchtlingen werde in Baddawi Obdach gewährt, betonte Hadsch Rifaat, ein der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas angehörender Verantwortlicher in dem Lager. Angesichts des wachsenden Ansturms sei jedoch zu erwarten, dass Baddawi schnell überfüllt sein werde und die Lebensmittel zur Neige gingen. Rifaat schätzte die Zahl der bereits Geflohenen auf etwa 10.000.

Ein Kämpfer vor dem Haupteingang des Lagers, Quelle: AP

Ein Soldat vor dem Haupteingang des Lagers

Die libanesische Armee belagerte weiter Nahr al-Bared, wo sich die islamistischen Kämpfer verschanzt hielten. In dem Lager gab es weder Strom noch Wasser, Bäckereien und Ambulanzen blieben geschlossen. UN-Hilfskoordinator John Holmes äußerte sich besorgt über die Lage der Flüchtlinge in Nahr al-Bared. Er forderte die Konfliktparteien auf, den humanitären Organisationen "unter friedlichen Umständen" Zugang zu dem Lager zu gewähren, damit Vorräte und Medikamente an die Zivilbevölkerung geliefert werden könnten. Über die Zahl der Opfer in dem Lager hatte Holmes keine Informationen.

Rüstungshilfe aus den USA

Bei den Gefechten zwischen der libanesischen Armee und der Islamistengruppe Fatah-al-Islam - den schwersten seit Ende des Bürgerkrieges 1990 - wurden seit Sonntag mindestens 68 Menschen getötet. Am Dienstag waren bei dem Beschuss eines UN-Hilfskonvois zwei palästinensische Zivilisten getötet worden.

Die USA sagten der Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora Unterstützung zu. US-Außenministerin Condoleezza Rice verteidigte das Vorgehen der libanesischen Armee. Die Regierung Siniora kämpfe gegen einen "sehr gefährlichen, extremistischen Feind". Nach Angaben des Pentagon bewilligte die US-Regierung für die Regierung Siniora Munition, Lastwagen und Ersatzteile im Wert von 30,4 Millionen Dollar (22,6 Millionen Euro). Der Kongress habe zwei Wochen Zeit, über das Paket zu entscheiden, hieß es. (stu)

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