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Aktuell Asien

Tausende erinnern in Hongkong an Tiananmen-Massaker

In China wird die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking 1989 totgeschwiegen. In Hongkong gedachten Zehntausende der Opfer.

Etwa 135.000 Menschen kamen im Victoria Park im Zentrum Hongkongs zusammen, um schweigend der Opfer des Massakers auf dem Tiananmen, dem "Platz des Himmlischen Friedens", in Peking zugedenken. Der Park wurde zu einem Meer aus Kerzen. Die frühere britische Kronkolonie Hongkong, die seit ihrer Rückkehr zu China 1999 über einen Sonderstatus verfügt, ist die einzige Stadt in der Volksrepublik, in der derartige Gedenkfeiern möglich sind.

Es war zugleich die erste große Demonstration seit der schweren politischen Krise in Hongkong im Herbst, als prodemokratische Demonstranten Teile der Hafenmetropole wochenlang besetzt hielten.

Ihre Forderung nach wirklich demokratischen Wahlen und einer freien Auswahl der Kandidaten für das Amt des Regierungschefs der Sonderverwaltungszone wurde von Chinas kommunistischer Führung abgelehnt. Studenten verbrannten im Victoria Park jetzt eine Ausgabe des Hongkonger Grundgesetzes, da dieses "die Demokratie einschränkt".

Panzer gegen Studenten

Auf dem Tiananmen-Platz war die chinesische Armee in der Nacht zum 4. Juni 1989 mit Panzern und Schusswaffen gegen Studenten vorgegangen, die dort wochenlang für mehr Demokratie demonstriert hatten. Dabei wurden hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen getötet.

4. Juni 1989: Ein Mann stellt sich in der Nähe des Tiananmen Panzern entgegen (Foto:AP)

4. Juni 1989: Ein Mann stellt sich in der Nähe des Tiananmen Panzern entgegen

Zum 26. Jahrestag des Massakers forderten die Familien der Opfer eine gerechte Aufarbeitung des damaligen Geschehens. In einem Brief, den die Menschenrechtsgruppe "Human Rights in China" (HRiC) aus den USA veröffentlichte, verlangten die "Mütter von Tiananmen" eine Liste der Getöteten, eine Entschädigung für die Familien und die Bestrafung der Verantwortlichen.

Angehörige fordern Gerechtigkeit

"Die Wahrheit über diese Tragödie ist der Welt bis heute vorenthalten worden", schrieben die Familien. "Die Opfer des Massakers, die bis heute keine Gerechtigkeit erfahren haben, können nicht in Frieden ruhen." Obwohl ihre Angehörigen getötet worden seien, bleibe der Ruf der Familien nach Gerechtigkeit ohne Antwort. Stattdessen werde ihre Verfolgung noch verschärft, beklagten sie in dem Schreiben.

Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking wies die Forderung nach Aufklärung zurück und betonte, die Regierung sei längst zu "klaren Schlüssen über die politischen Unruhen in den 80ern gekommen". Die Erfolge der Reform- und Öffnungspolitik in den vergangenen 30 Jahren zeigten, dass Chinas Entwicklungspfad richtig sei.

Gedenken auch in Taiwan

Auch in Taiwan versammelten sich hunderte Menschen zu einer Gedenkfeier, bei der auch zwei frühere Studentenführer vom Tiananmen-Platz auftraten. In den chinesischen Provinzen Shaanxi und Hunan wurden der Menschenrechtsorganisation "Chinese Human Rights Defenders" zufolge zahlreiche Aktivisten vor dem Jahrestag festgenommen. In Peking begleitete ein Großaufgebot von Zivilpolizisten die 77-jährige Mutter eines der Opfer zum Grab ihres Sohnes, wie sie selbst berichtete.

wl/uh (dpa, afp)