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Protest gegen AfD

Tausende demonstrieren gegen "Hass im Bundestag"

Zwei Tage vor der ersten Sitzung des neuen Bundestages fand in Berlin eine Großdemo gegen Rassismus statt. Der Protest richtete sich gegen die "Alternative für Deutschland". Von Jefferson Chase, Berlin.

Am Dienstag zieht zum ersten Mal in seiner fast 70-jährigen Geschichte mit der AfD eine rechtspopulistische Partei in den Deutschen Bundestag ein. Grund genug für Tausende Demonstranten, sich vor dem Brandenburger Tor in Berlin zu versammeln und lautstark ihren Unmut kund zu tun.

Obwohl der offizielle Titel der Kundgebung "Gegen Rassismus und Hass im Bundestag" lautete und die Alternative für Deutschland nicht direkt erwähnte, ließen die gezeigten Transparente keinen Zweifel daran, gegen wen der Protest gerichtet war. "Mein Herz schlägt für Vielfalt" stand da, sowie "Obergrenze? Gerne! Für Nazis!" oder schlicht "Stoppt die AfD".

Auch Initiator Ali Can nannte die Rechtspopulisten beim Namen in seiner Rede an die Demonstranten. "Ich lese mir das Grundgesetz durch und bin schockiert, was einige Politiker, insbesondere die der AfD, von sich geben", sagte er. "Haben sie überhaupt Artikel 3 Grundgesetz durchgelesen? In dem steht explizit, dass niemand aufgrund seiner Abstammung und Herkunft benachteiligt oder bevorzugt werden darf."

"Migrant des Vertrauens"

Can betonte allgemeine Werte wie Toleranz und Respekt und versuchte, nicht allzu barsch mit dem politischen Gegner umzugehen. "Selbst AfD Politiker kann es treffen, dass sie mit Vorurteilen konfrontiert werden", sagte der Aktivist im DW-Interview. "Wir sind hier allgemein gegen Rassismus und Hass, egal von wem er ausgeht und gegen wen er gerichtet ist."

Deutschland Demonstration gegen Einzug der AfD in den Bundestag- Organisator Ali Can (Getty Images/C. Koall)

Organisator Can: "Gegen jede Form von Rassismus und Hass"

Can hat mit beidem - Rassismus und Hass - reichlich Erfahrung. Als Kleinkind kam der jetzt 23-Jährige als Asylbewerber mit seinen Eltern aus der Südosttürkei nach Deutschland. Dennoch scheut er nicht den Kontakt mit denjenigen, die am liebsten alle Fremden aus dem Land verbannen würden. Vergangenes Jahr gründete der selbst ernannte "Migrant des Vertrauens" eine Hotline für "besorgte Bürger", die Angst haben, Deutschland könne überfremdet werden. Zweimal die Woche gibt es ausgedehnte Sprechstunden. Sogar die eigene Telefonnummer hat er im Internet gepostet - ein mutiger Akt im Zeitalter von Hate Speech und Trollen.

Can ist ein dezidierter Idealist - und ein sehr aktiver. In den Tagen nach der Bundestagswahl organisierte er in Windeseile diese Großdemo mit der Hilfe von mehr als einem Dutzend Menschenrechtsgruppen. Ob ein solches Event viel Einfluss auf die AfD-Abgeordnete haben wird, darf bezweifelt werden.

Jedenfalls wissen Politiker aus den etablierten Parteien, dass sie auf der Hut vor manchen ihrer neuen Kollegen sein sollten. "Wenn man sich die Liste der Abgeordneten anschaut, die eingezogen sind, sind da leider eine ganze Reihe, die in der Vergangenheit mit rechtsradikalen oder rassistischen Äußerungen aufgefallen sind", sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anton Hofreiter. "Sie müssen mit klarem, hartem Widerspruch rechnen."

87 Prozent

Hofreiter hat sich unter die Demonstranten gemischt, die vom Brandenburger Tor zur Siegessäule und zum Reichstag ziehen. Danach kehren alle zum Brandenburger Tor zurück, wo die Berlin Reggae/Hip-Hop-Band Culcha Candela ein kurzes Konzert gibt.

Deutschland Demonstration gegen Einzug der AfD in den Bundestag (picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Zeichen setzen: Mit bunten Plakaten und Luftballons demonstrieren Tausende für Toleranz

"Was wir heute erwarten ist, ein deutliches Zeichen zu setzen", sagt Culcha-Candela-Sänger Johnny Strange. "Bei der letzten Wahl haben etwa 13 Prozent die AfD gewählt, aber es gibt eine große anders denkende Mehrheit. Und ich finde, die soll man zu Gesicht bekommen und hören."

"Das ist mein Land"

Das Gesicht dieser Mehrheit ist vielfältiger, als es die AfD wohl wahrhaben möchte. Ein Teil der Demonstranten hat selbst einen Migrationshintergrund, so wie diese Frau: "Ich bin in Korea geboren, wuchs aber in Deutschland auf und lebe hier seit vierzig Jahren. Ich will sagen: Dies ist mein Land. Ich glaube, in einer Demokratie muss man für das eigene Land kämpfen."

Andere protestieren, weil sie nicht wollen, dass Deutschland die Fehler der Vergangenheit wiederholt.  "Ich denke, als Deutscher ist man dafür verantwortlich, dass solche Parteien wie die AfD nicht das Sagen bekommen in der Politik", sagt ein Mann

Kaum einer der Demonstranten vermag, konkrete Forderungen an die deutsche Politik zu stellen - außer dass der Bundestag nicht ein Forum für Rassismus und Fremdenhass werden soll. Diese Idee allein war ihnen wichtig genug, um auf die Straßen zu gehen und ihren Unmut über den Einzug der AfD in das deutsche Parlament zu demonstrieren.

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