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Asien

Tausende Chinesen spenden für Ai Weiwei

Rund 1,6 Millionen Euro Strafe muss der Künstler Ai Weiwei an die chinesischen Behörden zahlen. Aus Solidarität spenden viele Menschen Geld. Nach nur drei Tagen ist ein sechsstelliger Eurobetrag zusammengekommen.

Ai Weiwei (Foto: dapd)

Künstler Ai Weiwei soll Steuern hinterzogen haben

Liu Yanping hat in diesen Tagen viel zu tun. Die Assistentin von Ai Weiwei kümmert sich um die zahlreichen Solidaritätsbekundungen für den Künstler und Regierungskritiker. Am vergangenen Mittwoch hatte Ai eine Zahlungsaufforderung in Höhe von 15 Millionen Yuan, umgerechnet rund 1,6 Millionen Euro, von der Pekinger Steuerbehörde erhalten. Seit Freitag spenden tausende Menschen aus Solidarität Geld.

Innerhalb kürzester Zeit sei eine stattliche Summe zusammengekommen, sagte Liu Yanping am Montag (07.11.2011). "Heute ist der dritte Tag der Aktion, und der Anstieg der Summe ist ziemlich groß. Heute Mittag um ein Uhr haben wir nachgerechnet: Bis jetzt haben wir 5.290.000 Yuan (rund 610.000 Euro) erhalten." Insgesamt hätten bis zu diesem Zeitpunkt 18.829 Menschen Geld gespendet. Liu zufolge kommen Spenden aus der ganzen Welt. Der Großteil des Geldes stamme aber aus Festlandchina.

Warnung von staatlicher Zeitung

Ai Weiwei mit Journalisten in seinem Wohnatelier in Peking (Foto: DW)

Ai Weiwei steht seit Juni unter Hausarrest

Viele spenden über das Internet oder überweisen Beträge auf das Konto des Künstlers. Einige Menschen hätten sogar Papierflieger aus Geldscheinen gefaltet und auf sein Grundstück geworfen, so Ai Weiwei gegenüber DW-WORLD.DE. "Die Katzen haben mit dem Geld im Hof gespielt. So viel Geld, das ist wie eine Lawine." Viele Sympathisanten hätten auch im Internet gespendet. "Alles ist freiwillig, und jeder hat seine eigenen Gründe", so Ai. "Die Menschen wollen eine Chance haben, ihre Meinungen auszudrücken."

Die Unterstützung für Ai Weiwei könnte allerdings Konsequenzen nach sich ziehen. Die staatliche chinesische Zeitung "Global Times" warnte in einem Leitartikel, der Künstler könne wegen "illegalen Spendensammelns" angeklagt werden. Ai Weiwei sieht diese Drohung gelassen. Die "Global Times" habe das staatliche Monopol, seine Ehre zu beschmutzen, so Ai. "In Wirklichkeit brauchen weder die noch ich diese Anklage. Mein Vergehen ist die freie Meinungsäußerung, mein Vergehen ist der Schutz der Bürgerrechte." Andere Gründe für eine Anklage zu suchen, sei einfach albern, betont der Künstler.

Stärkung der Zivilgesellschaft?

Unter den Spendern sind auch prominente Aktivisten. Eine Professorin der Sun-Yatsen-Universität in Guangzhou spendete 400.000 Yuan, rund 46.000 Euro. Auch der Menschenrechtsaktivist Hu Jia, der selbst in diesem Jahr aus dem Gefängnis entlassen worden war, spendete 1000 Yuan. Ai Weiwei kündigte an, die Spenden zurückzuzahlen. Ihm gehe es um moralische Unterstützung und nicht um Geld.

Eine Aktivistin hält am Pariser Platz in Berlin ein Schild mit der Aufschrift 'Where is Ai Weiwei ???' hoch (Foto: dpa)

Demonstranten in Berlin bekunden ihre Unterstützung für Ai Weiwei

Der chinesische Journalist Yin Deyi hält die Solidaritätsbekundungen für Ai Weiwei für sehr mutig. Er sieht darin den Beweis, dass sich eine Zivilgesellschaft in China entwickelt. "Diese Sache macht Hoffnung. Das zeigt, dass die Menschen den tiefen Wunsch haben, sich gegen das autoritäre Regime aufzulehnen", so Yin. Ai Weiwei sei ein Symbol gegen die Methoden der Kommunistischen Partei und gegen politische Verfolgung. Die Solidaritätsaktionen seien ein riesiger Fortschritt für China, ist sich der Journalist sicher.

Die chinesischen Behörden hatten Ai Weiwei Anfang April 2011 am Flughafen in Peking festgenommen. Insgesamt saß Ai 81 Tage in Haft. Zunächst waren die Gründe für die Festnahme sowie der Verbleib des Künstlers unklar. Erst nach seiner Verhaftung wurde sein Atelier durchsucht und seine Computer beschlagnahmt. Später wurde Ai Weiwei vorgeworfen, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Nach Angaben der Behörden soll er ein Geständnis abgelegt haben. Ai Weiwei bestreitet sowohl die Vorwürfe als auch das Geständnis. Seit seiner Haftentlassung Ende Juni steht Ai unter Hausarrest.

Autoren: Christoph Ricking/Su Yutong
Redaktion: Ziphora Robina

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