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Wirtschaft

Tausende Bergarbeiter demonstrieren in China

Im Norden Chinas sind tausende Bergarbeiter auf die Straße gegangen, um gegen das staatliche Kohleunternehmen Longmay zu protestieren. Sie haben seit mehreren Monaten keinen Lohn erhalten.

Videoaufnahmen zeigen die Demonstranten am Montag in den Straßen der Stadt Shuangyashan in der Provinz Heilongjiang. "Meine Familie hat nichts mehr zu essen", ruft eine ältere Frau einem Mann zu, der offensichtlich ein Regierungsbeamter ist. "Wie sollen wir überleben?"

Dutzende Polizeiwagen säumen die Straßen, Demonstranten beschweren sich in den Videoaufnahmen über Gewalt seitens der Behörden. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Verkehr im Zentrum von Shuangyashan sei zum Erliegen gekommen. "Einige Menschen wurden verletzt."

Bereits seit dem Wochenende protestieren tausende Menschen, wie ebenfalls ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch mitteilte. Seinen Namen wollte der Zeuge nicht nennen, aus Angst vor Repressalien durch die Behören. Die Polizei habe Leute mitgenommen, so der Zeuge.
Missmanagement in Longmay

Die Kohlekumpel seien auf die Straße gegangen, nachdem der Gouverneur der Provinz Heilongjiang, Lu Hao, bestritten habe, dass das Unternehmen Longmay den Arbeitern ihren Lohn schulde, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Von offizieller Seite hieß es dann aber, die Bezahlung der Beschäftigten habe sich verzögert. Grund seien "über Jahre angehäufte Probleme". Daher hätten "nicht wenige Arbeiter Schwierigkeiten".

Diesen Angaben zufolge ist die desolate Finanzlage von Longmay Folge von Missmanagement. Die Firma beschäftige "dreimal so viele Arbeitskräfte wie im nationalen Durchschnitt für die Produktion von 10.000 Tonnen Kohle". Ergebnis seien "hohe Verluste". Die Firma bemühe sich "tatkräftig" um Reformen. Ende vergangenen Jahres waren 21 Bergleute von Longmay beim Brand in einer Mine getötet worden.

Überkapazitäten in der Kohleindustrie

Chinas Kohleindustrie produziert viel zu viel. Ende Februar hatte die Regierung wegen der enormen Überkapazitäten die Streichung von insgesamt 1,8 Millionen Arbeitsplätzen in der Kohle- und Stahlindustrie angekündigt. Weil das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik sich abgeschwächt hat, sinkt der Kohleverbrauch. Nach offiziellen Angaben ging er 2014 um 2,9 Prozent zurück und 2015 um 3,7 Prozent.

Derzeit muss die chinesische Regierung einen schwierigen Spagat schaffen. Sie will das Wachstum auf eine gesündere Basis stellen und gleichzeitig einen Konjunktureinbruch vermeiden, da sonst soziale Unruhen drohen. In den kommenden zwei bis drei Jahren werden wohl fünf bis sechs Millionen Arbeiter staatlicher Firmen ihre Arbeit verlieren, das sagten jüngst zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Vor allem die Kohle- und Stahlindustrie sind betroffen. Zugleich allerdings sollen in anderen Branchen zehn Millionen Arbeitsplätze neu entstehen, kündigte Ministerpräsident Li Keqiang Anfang März an.

iw/ul (afp, rtr)