1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Deutschland

Tausende bei Kundgebung gegen Antisemitismus in Berlin

Mehrere tausend Menschen haben sich in Berlin versammelt, um gegen Judenhass zu protestieren. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Graumann, beklagte eine zunehmend antisemitische Stimmung in Deutschland.

Bei der Demonstration, die unter dem Motto "Steh auf! Nie wieder Judenhass!" steht, sagte Graumann: "Genug ist genug!" Die Juden in Deutschland ließen sich Ausbrüche von Antisemitismus nicht mehr gefallen.

Nie im Leben habe er sich vorstellen können, in Deutschland überhaupt gegen Antisemitismus demonstrieren zu müssen, erklärte Graumann. Nach den "schlimmsten antisemitischen Parolen auf deutschen Straßen seit vielen Jahrzehnten" sei dies aber nötig.

Vor rund 6000 Teilnehmern fügte er hinzu: "Wir sind hier, um gemeinsam und geschlossen zu zeigen: Es gibt keinen Platz für Judenhass!" Angesichts der jüngsten Verbalattacken und Gewaltdelikte sagte Graumann weiter: "Unsere Albträume, ja meine eigenen Albträume sind weit übertroffen worden."

"Der lupenreine Antisemitismus"

Graumann wandte sich dagegen, Antisemitismus mit Kritik an der israelischen Politik zu rechtfertigen. "Wer wegen Israel zum Antisemiten wird, der war längst einer", sagte der Zentralratspräsident. Juden müssten sich nicht dafür entschuldigen, dass sie zu Israel stehen. Wenn es um das Existenzrecht Israels gehe, seien Juden nicht neutral. "Wir sind Partei", sagte Graumann. Wo die Sicherheit Israels beginne, ende die Neutralität der Juden.

Parolen wie "Juden sollten vergast werden" hätten mit Kritik an israelischer Politik nicht das Geringste zu tun: "Nein: das ist der pure, der lupenreine Antisemitismus und gar nichts sonst."

Merkel: "Das jüdische Leben gehört zu uns"

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte als Hauptrednerin der Veranstaltung ein entschiedenes Eintreten gegen Antisemitismus. "Das jüdische Leben gehört zu uns", sagte sie. "Es ist Teil unserer Identität."

Merkel verurteilte im Namen der Bundesregierung "jede Form von Judenfeindlichkeit in Deutschland und Europa auf das Schärfste". Dass heutzutage Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben angepöbelt würden, sei ein ungeheurer Skandal. "Das machen wir alle nicht mit", so die Kanzlerin. Deutschland sei sich im Kampf gegen Antisemitismus seiner "immerwährenden Verantwortung" bewusst, die aus dem Völkermord an den Juden im Nationalsozialismus erwachse.

Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, Bundespräsident Joachim Gauck, dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt und Altbundespräsident Christian Wulff (Foto: Getty Images)

Die Kanzlerin (2.v.r.) mit Graumann, Bundespräsident Joachim Gauck, dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt und Altbundespräsident Christian Wulff (v.l.)

"Sie sind in Deutschland zu Hause!"

Sie betonte, dass die deutschen Behörden mit aller Härte gegen antisemitische Drohungen und Gewalt vorgingen: "Wir wollen, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen." Den jüdischen Mitbürgern rief sie zu: "Jüdische Freunde, Nachbarn, Kollegen. Sie sind in Deutschland zu Hause."

Der Konflikt im Gazastreifen hatte in den vergangenen Woche zu einer Welle offener Judenfeindschaft in Deutschland geführt. Teilnehmer propalästinensischer Kundgebungen hatten vielfach antisemitische Parolen gerufen. Gegendemonstranten und Menschen, die als Juden erkennbar waren, wurden körperlich angegriffen. Auf Synagogen und jüdische Friedhöfe wurden Anschläge verübt.

gri/sti (dpa, epd, afp)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema