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Taumeln, Tricksen, Täuschen

Der Euro – ein einziger Schwindel. Der Klimawandel – erstunken und erlogen. Die Mondlandung – eine Fälschung aus Hollywood. Verschwörungstheorien mögen den Schwindel. Doch nicht nur die …

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Taumeln, Tricksen, Täuschen – die Folge als MP3

Kennen Sie das Teekesselchen-Spiel? Ganz bestimmt. Wer es nicht kennt, hier die Erklärung: Ziel dieses Gesellschaftsspiels aus dem späten 19. Jahrhundert ist es, einen Begriff zu erraten, der zwei Bedeutungen hat. Also, spielen wir ein bisschen Teekesselchen, um den gesuchten Begriff herauszufinden: „Mein Teekesselchen bringt dich ins Taumeln.“ / „Mein Teekesselchen nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau.“ / „Mein Teekesselchen ist eine Volkskrankheit.“ / „Mein Teekesselchen macht euch allen was vor.“ Nun? Die Antwort: Schwindel!

Zwei Bedeutungen, ein Ursprung

Etymologisch hat das Wort eine kleine Entwicklung durchgemacht. Swindeln hieß es auf Mittelhochdeutsch, swindilon im Althochdeutschen. Beide Worte bedeuten „bewusstlos werden“ und klingen nicht durch Zufall ähnlich wie schwindeln.

Ein balancierender Seiltänzer vor dem Nachthimmel

Bloß nicht schwindelig werden!

Der Schwindel befällt den Seiltänzer, wenn er aus der Höhe herabschaut. Wem schwindelt oder schwindelig ist, der gerät ins Taumeln und verliert den Halt, weiß nicht mehr, wo vorne und hinten ist. Seit dem 16. Jahrhundert entstand dazu dann noch die Bedeutung „Lüge“. Auch dabei weiß man eigentlich nicht, wo vorne und hinten ist, allerdings eher im übertragenen Sinne.

Trügerische Tierwelt

Denn wer schwindelt, macht jemandem anderen etwas vor, tut so als ob. Er beschwindelt diesen. Die oder der Angeschwindelte wird an der Nase herumgeführt – übrigens eine Redensart, die auf Tanzbären zurückgeht. Diese wurden auf mittelalterlichen Märkten an einem Nasenring durch die Menge geführt.

Auch der Bär, der jemandem aufgebunden wird, ist ein Sinnbild für Schwindel und Betrug. Woher allerdings diese Redewendung kommt, ist unklar. Möglicherweise hat sie mit dem Tierreich nichts zu tun, denn die germanische Wortwurzel „bar“ bedeutet einfach nur „Last“.

Der alte Grieche erzählt vom Pferd

Nachbau des trrojanischen Pferdes aus Holz

Das trojanische Pferd war Namensgeber für die Redewendung

Wer vom Pferd erzählt, schwindelt ebenfalls. Er täuscht, flunkert, lügt oder übertreibt zumindest maßlos. Wie die Griechen, die jahrelang vergeblich versucht hatten, die Stadt Troja einzunehmen. Sie ließen eines Morgens ein hölzernes Pferd vor der Stadtmauer zurück und zogen selbst ab.

Die Trojaner wussten nicht, was das zu bedeuten hat. Allerdings stand bei dem Pferd ein Mann namens Sinon, der ihnen erklärte, es handele sich bei dem Pferd um eine Opfergabe an die Göttin Athene, die am besten innerhalb der Stadtmauern aufgehoben sei. Die Trojaner ließen sich von Sinon „einen vom Pferd erzählen“: Sie holten das hölzerne Pferd in die Stadt und die darin versteckten Soldaten eroberten Troja.

Großer Schwindel und peinliche Fälschung

Ein aufgeschlagenes Buch mit Schrift und Hitlerbild

Alles nur Fake: die Hitler-Tagebücher

Auch die moderne Zeit kennt natürlich jede Menge Schwindelgeschichten. Ein Beispiel von vielen sind die gefälschten Hitler-Tagebücher. 9,3 Millionen DM hatte sich die Zeitschrift Stern die Sache damals kosten lassen. Für diesen Betrag kaufte ein Journalist im Jahr 1983 angebliche Tagebücher von Adolf Hitler. Auch wenn diese Aufzeichnungen nichts weiter Aufregendes enthielten, erklärten die Zeitungsmacher damals auf einer Pressekonferenz vollmundig, die Geschichte müsse in großen Teilen neu geschrieben werden.

Doch schon einen Tag später flog dieser größte Schwindel der deutschen Nachkriegsgeschichte auf. Das Bundesarchiv in Koblenz stellte fest, dass die Hitlertagebücher eine Fälschung waren. Klebstoff und Papier stammten eindeutig aus der Nachkriegszeit. Das Geld, das sich der Fälscher erschwindelt hatte, ist größtenteils verschwunden.

Vom Schwindel zum Fake

Heute würde man eine solch dreiste Fälschung einen Fake nennen. Dieses eigentlich englische Wort hat das gute alte deutsche Wort „Schwindel“ ziemlich verdrängt. Zu faken ist übrigens nicht nur im Internet in Chats oder bei Partnerbörsen üblich.

Über gefälschte Twitter-Accounts werden Fake-Meldungen verbreitet. In Zeitschriften werden Models mit Bildbearbeitungsprogrammen verschönert. Bei Castingshows im deutschen Fernsehen werden die manchmal doch etwas zu falschen Töne der Möchtegern-Stars ein kleines bisschen geradegerückt. Und wissen wir wirklich, ob Nachrichtenbilder noch echt sind?

Der geschwindelte Schwindel

Aber in der heutigen schnelllebigen und komplexen Zeit sind die Menschen wahrscheinlich gerne offen dafür, einfache Erklärungen für komplizierte Dinge zu bekommen – und seien sie noch so gefälscht. Hauptsache es gibt schöne Bilder. Und gut geschwindelt, ist doch schon halb gewonnen. Denn es könnte doch wahr sein, oder?

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