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Aktuell Asien

Taucher bergen erste Todesopfer in gesunkener Fähre

Drei Tage nach dem Untergang der südkoreanischen Unglücksfähre "Sewol" haben Taucher die ersten Leichen aus dem Schiff geholt. Die Bergungsarbeiten sollen in der Nacht fortgesetzt werden.

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Korrespondent Anton Scholz in Südkorea

Tauchern sei es kurz vor Mitternacht (Ortszeit) gelungen, das Fenster einer Passagierkabine einzuschlagen und die Toten zu bergen, teilte ein Sprecher der Küstenwache mit. Alle drei trugen danach Schwimmwesten. Die Bergung war zunächst an starken Strömungen und schlechter Sicht gescheitert. Auch war der Weg in den Frachtraum der Auto- und Personenfähre versperrt. Ein Vertreter der Küstenwache sagte, die Tauchereinsätze für weitere Bergungen würden in der Nacht fortgesetzt.

Hinweise auf Überlebende gibt es bisher nicht. Aus dem Schiffsrumpf seien keine Geräusche zu hören, erklärte die Küstenwache. Zwar könnten Experten zufolge einige der Passagiere zunächst in einer Luftblase im Innern des Schiffs überlebt haben. Doch selbst in diesem Fall sei es angesichts der niedrigen Wassertemperaturen und des schwindenden Sauerstoffs wenig wahrscheinlich, dass mögliche Eingeschlossene weiterhin am Leben seien.

Die "Sewol" war am Mittwoch in Seenot geraten und gekentert. An Bord befanden sich nach jüngsten Angaben der Behörden 476 Menschen, darunter mehr als 320 Schüler auf einem Ausflug. Bisher wurden 32 Leichen aus dem Wasser geborgen. 174 Menschen waren gerettet worden.

Kapitän in Haft

Inzwischen teilte der inhaftierte Kapitän der havarierten Fähre mit, er habe einen Evakuierungsbefehl aus Sicherheitsgründen hinausgezögert. Bei einem Termin zur Verlesung des Haftbefehls erklärte Lee Joon Seok vor dem Gericht in Mokpo auf Fragen von Reportern, zum Unglückszeitpunkt sei kein Rettungsschiff oder Fischerboot in Sicht gewesen. "Die Strömung war sehr stark und das Wasser war kalt", sagte der 69-Jährige. Er habe befürchtet, dass die Passagiere von der Strömung fortgerissen werden könnten. Nach Berichten von Überlebenden hatte die Crew zunächst Anweisung gegeben, in den Sitzen und Kabinen zu bleiben, obwohl das Schiff bereits in starke Seitenlage geraten war. Nach Ansicht von Fachleuten ging durch die späte Evakuierung wertvolle Zeit verloren.

Ein Gericht hatte gegen den Kapitän, die Dritte Offizierin und ein weiteres Besatzungsmitglied Haftbefehl erlassen. Ihnen werden Verstöße gegen die Dienstpflichten und das Seerecht vorgeworfen, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap meldete. Zeugen hatten zudem berichtet, dass der Kapitän als einer der ersten das sinkende Schiff verlassen habe. Lee bestätigte, dass er zum Unglückszeitpunkt nicht auf der Kommandobrücke des Schiffes war. Den Verdacht, er habe Alkohol getrunken, wies er zurück. Das Ermittlungsteam hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Fähre zum Unglückszeitpunkt nicht vom Kapitän, sondern von der wenig erfahrenen, 26-jährigen Dritten Offizierin gesteuert worden sei. Laut Medienberichten war es das erste Mal, dass die Offizierin ein Schiff durch die für ihre starken Strömungen berüchtigten Gewässer lenkte.

Scharfer Kurswechsel?

Wie es zu der Katastrophe kam, ist noch ungeklärt. Das Unglück ereignete sich nach den ersten Untersuchungen an einer Stelle, an der das Schiff einen Kurswechsel vorgenommen hatte. Ein scharfer Kurswechsel könnte ein Verrutschen der Ladung und damit eine Schieflage der Fähre ausgelöst haben. Es wird aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Fähre einen Felsen unter Wasser gerammt hat. In Seoul und anderen Städten des Landes soll es an diesem Samstag gemeinsame Gebetsveranstaltungen und Nachtwachen für die Vermissten und zum Gedenken an die Todesopfer geben.

Erschüttert zeigte sich der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier: "Wir trauern um die vielen Menschen, die beim Untergang der 'Sewol' umgekommen sind und wünschen uns, dass unter den Vermissten noch Überlebende geborgen werden können", sagte der SPD-Politiker am Freitag. "Gerade auch der Tod von jungen Schülerinnen und Schülern auf einem gemeinsamen Ausflug berührt besonders schmerzlich."

kle/pg (dpa, afp, rtr)

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