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Europa

Tatverdächtiger zeigt sich geständig

Während Norwegen trauert, legt der mutmaßliche Tatverdächtige im Polizeiverhör ein erstes Geständnis ab, wonach er auf der Insel Utöya Jugendliche erschossen hat. Die Zahl der Opfer der Anschläge steigt weiter.

Die Insel Utöya (Foto: dapd)

Szenen des Massakers auf Utöya

Nach dem verheerenden Doppelanschlag in Norwegen ermittelt die Polizei nun offiziell gegen den 32-jährigen Norweger, der nach der Tat festgenommen worden war. Im Verhör habe dieser gestanden, dass er auf der Insel Utöya war und geschossen hat, teilte ein Polizeisprecher am Samstag (23.07.2011) mit. Der Mann habe die Erkenntnisse der Polizei zum Tathergang teilweise bestätigt. Er habe aber keine Angaben zu seinem Motiv gemacht. Auch ob er der alleinige Täter ist, sei noch unklar.

Rechtsextremer Hintergrund

Der mutmaßliche Täter (Foto: Dpa)

Der mutmaßliche Täter

Bei dem Doppelanschlag am Freitag sind mindestens 92 Menschen getötet worden. Zuerst war im Regierungsviertel der Hauptstadt Oslo eine Bombe explodiert, dann griff ein als Polizist verkleideter Mann ein Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utöya an und erschoss mehr als 80 Menschen. Der Massenmord dauerte nach Erkenntnissen der Polizei etwa anderthalb Stunden. Ministerpräsident Jens Stoltenberg besuchte am Samstag Überlebende des Massakers von Utöya und Angehörige.

Wie inzwischen bekannt wurde, dürfte der mutmaßliche Täter ein christlicher Fundamentalist sein und rechtsextremem Gedankengut anhängen. Das legt unter anderem seine Facebook-Seite nahe, die inzwischen vom Netz genommen wurde. Auch aus seinem Hass auf die Sozialdemokraten hat der mutmaßliche Täter im Internet keinen Hehl gemacht. Die sozialdemokratische Jugendorganisation AUF nannte er in Anspielung auf die Hitlerjugend "Stoltenberg-Jugend". Die frühere Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland verunglimpfte er als "Landesmörderin".

Ex-Mitglied der Rechtspopulisten

Insel Utöya (Foto: dapd)

Die Insel Utöya, auf der das sozialdemokratsiche Jugendcamp stattfand

Die rechtspopulistische Fortschrittspartei (FrP) bestätigte, dass der Tatverdächtige von 1999 bis 2006 Parteimitglied war und auch in deren Jugendorganisation aktiv war. Die Stockholmer Expo-Stiftung, die die rechtsextreme Szene beobachtet, teilte mit, der Festgenommene sei seit 2009 bei einem schwedischen Neonaziforum im Internet angemeldet.

Die Regierung hielt sich am Samstag mit politischen Bewertungen zurück. Über die Motive wolle er nicht spekulieren, sagte Stoltenberg auf einer Pressekonferenz. Norwegen habe Probleme mit Rechtsextremen, "aber verglichen mit anderen Ländern würde ich nicht sagen, dass wir ein großes Problem mit ihnen haben".

Merkel: Dem Hass entgegetreten

Gedenken (Foto: dapd)

Menschen legen vor den Nordischen Botschaften in Berlin Blumen ab

In Deutschland äußerten sich Politiker erschüttert über die Anschläge. "Wir trauern mit allen europäischen Sozialdemokraten um unsere getöteten Freunde, unsere Anteilnahme gilt deren Angehörigen und Familien", schrieb der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel in einem Kondolenzschreiben an den norwegischen Ministerpräsidenten Stoltenberg, der auch Vorsitzender der Arbeiterpartei ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, der Hass auf anders Aussehende und Fremde sei ein Motiv für die Tat gewesen sei. "Dieser Hass ist unser gemeinsamer Feind", sagte Merkel. "Wir alle, die wir an die Freiheit, den Respekt und das friedliche Zusammenleben glauben, wir alle müssen diesem Hass entgegentreten."

Solche Anschläge seien nicht nur in Norwegen möglich, warnten die Grünen. Rassistische und fremdenfeindliche Ideologie dürften deshalb keinen Platz in der Gesellschaft haben. Die Linkspartei-Abgeordnete Sevim Dagdelen forderte, die rechtsextreme NPD zu verbieten.

Autor: Dirk Eckert (afp, dapd, dpa, rtr)

Redaktion: Siegfried Scheithauer

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